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„Wir können den CO2-Fußabdruck einer Druckmaschine genau berechnen“

Interview mit Stephan Plenz

Stephan Plenz: "In unserer eigenen Produktentwicklung arbeiten wir projektbezoge mit der TU Darmstadt, um bereits im Entwicklungsstadium ökologische Aspekte für künftige Maschinen berücksichtigen zu können."

Die Heidelberger Druckmaschinen AG widmete dem Thema „Nachhaltige Medienproduktion“ ein Marktforum für  Drucksacheneinkäufer in der PMA. Im Vorfeld sprach Deutscher Drucker mit Stephan Plenz, Vorstand für Equipment, über klimaneutrales Produzieren, CO2 -Fußabdruck, Energiesparkonzepte etc.

Deutscher Drucker: Heidelberg versteht sich als ein Systemanbieter, der großen Wert auf Nachhaltigkeit und ökologische Ausrichtung schon bei der eigenen Fertigung legt. Das tun andere Hersteller auch. Wo sehen Sie Ihre Besonderheiten?
Stephan Plenz: Unser Ziel ist es, der ökologisch führende Lieferant für die Druckindustrie zu sein. Dabei verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz: Wir analysieren und optimieren die eigenen Prozesse in der Forschung und in der Produktion und gleichzeitig arbeiten wir kontinuierlich am ressourcenschonenden Einsatz unserer Produkte beim Kunden vor Ort. Weiterhin engagiert sich Heidelberg in unterschiedlichen Gremien, um einheitliche Richtlinien, beispielsweise für die Berechnung des CO2 -Fußabdrucks, zu definieren. Vor diesem Hintergrund wurde Heidelberg vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit als Branchenvertreter eingeladen, aktiv am Klimaschutzdialog „Politik und Wirtschaft – Klimaschutz in Industrie und Gewerbe“ teilzunehmen. Schwerpunkte in diesem Dialog sind die Themen Energieeffizienz und das Energiemanagement in neuen und bestehenden Produktionsprozessen.
Seit fast vier Jahrzehnten arbeitet Heidelberg intern an umweltorientierten Lösungen, die wir konsequent und kontinuierlich weiterentwickeln. Bereits 1992 ist der Umweltschutz ein festgeschriebener Bestandteil unserer Unternehmensziele geworden. Aus diesem Grund veröffentlichen wir jedes Jahr einen Nachhaltigkeitsbericht, der die Umsetzung unserer Ziele in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht dokumentiert.
In unserer eigenen Produktentwicklung arbeiten wir projektbezogen mit der TU Darmstadt, um bereits im Entwicklungsstadium ökologische Aspekte für künftige Maschinen berücksichtigen zu können. In der Produktion achten wir natürlich darauf, so wenige Ressourcen wie möglich einzusetzen. Durch unterschiedliche Maßnahmen schafft es beispielsweise unsere Gießerei in Amstetten, den Stromverbrauch kontinuierlich zu reduzieren. Im Zeitraum von 2008 bis 2010 sind dort rund 1150 Tonnen weniger CO2 -Ausstoß erzeugt worden als in den Jahren zuvor. Außerdem wird bereits heute über 20 % des Strombedarfs über erneuerbare Energieträger abgedeckt. Tendenz steigend.

DD: Die Druckbranche gehört zu den ersten Industrien, die sich am freiwilligen CO2-Emissionshandel beteiligen. Welche Position nimmt Heidelberg beim klimaneutralen Drucken ein?
Plenz: Wir unterstützen die Aktivitäten des freiwilligen Klimaschutzes unserer Branche, insbesondere, wenn diese mit Maßnahmen zur Reduzierung von CO2 -Emissionen einhergehen. In Deutschland sind zu diesem Thema drei Organisationen aktiv: der BVDM, Climate-Partner und Nature-Office. Da es allerdings noch keine einheitlich definierte Vorgehensweise zur Kalkulation der für Druckprodukte spezifischen CO2 -Emissionen gibt, unterscheiden sich die drei Organisationen in einigen Punkten, wie etwa bei der Berechnung des Papieranteils an den gemessenen CO2 -Emissionen. Eine exklusive Zusammen-arbeit mit einem einzigen Umweltpartner halten wir nicht für sinnvoll, da die einzelnen Umweltthemen so breitflächig wie möglich verfügbar sein sollten. So kooperieren wir beispielsweise seit zwei Jahren mit dem BVDM, der im Rahmen seiner Klimainitiative Energieverbrauchswerte der Heidelberg-Maschinen zur Berechnung einsetzt. Weiterhin nutzen wir Datenmaterial von Nature-Office in unserer Software Prinect Analyze Point, mit der unsere Kunden die tatsächlichen CO2 -Emissionen ihrer Druckjobs unkompliziert berechnen können und zwar nicht auf Grundlage einer groben Vorabschätzung, sondern auf Basis der Produktionsergebnisse und der tatsächlichen Verbrauchswerte. Außerdem können unsere Kunden in Kürze die Heidelberg-Partnerseite von Climate-Partner nutzen und damit die Emissionsberechnung für die Druckproduktion automatisieren. Neben diesen Aktivitäten sind wir ebenfalls aktiv in die Diskussion der ISO-Organisation eingebunden, um einen international einheitlichen Standard zu definieren und die Klimaoffensive der Druckindustrie weiter voranzutreiben. Da Heidelberg einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt, spielt – neben den unterschiedlichen Aktivitäten, die Druckerzeugnisse klimaneutral zu stellen – auch die Emissionsberechnung im Produktionsprozess der Druckmaschinen eine wichtige Rolle. So können wir aktuell als einziger Hersteller in der Industrie den CO2 -Fußabdruck einer Druckmaschine exakt berechnen, transparent aufschlüsseln und klimaneutral stellen. Dieses Angebot haben schon mehrere Heidelberg-Kunden im europäischen Ausland genutzt und die erste in Deutschland klimaneutral ausgelieferte Druckmaschine, eine Speedmaster SM 74-5+L, ist beispielsweise seit Anfang 2010 bei der Wetterauer Druckerei in Friedberg in Betrieb.

DD: Klimaneutral zu produzieren, bedeutet – ob Druckmaschinen-Hersteller oder Druckbetrieb – nicht grundsätzlich eine ganzheitliche „grüne“ Unternehmensausrichtung. Aber: nicht jeder Druckerei-unternehmer tut sich leicht mit einer ökologischen Neuausrichtung. Wie helfen Sie Ihren Kunden dabei, das Bewusstsein für eine stärker umweltentlastende Produktionsweise zu schärfen und dann die ökologische Orientierung Ihrer Kunden in ihrer Gesamtheit zu optimieren?
Plenz: Wir wollen beim Umweltschutz für die Druckindustrie eindeutig eine Vorreiterrolle einnehmen. Aus diesem Grund betreiben wir Aufklärungsarbeit zum Thema Umwelt an vielen Fronten. Ein gutes Beispiel ist der Heidelberg Eco Printing Award. Dort suchen wir in den Kategorien „Nachhaltiges Unternehmen“ und „Zukunftsweisende Einzellösung“ weltweit nach innovativen Ideen aus der Praxis und bieten der Branche eine Plattform, um sich gegenseitig zu inspirieren. Mit diesem Umweltpreis verstärken wir die Sensibilisierung in der Printmedien-Industrie. Die Preisträger des letzten Umweltpreises haben eindrucksvoll gezeigt, dass es sehr wohl möglich ist, wirtschaftlich erfolgreich zu sein und gleichzeitig umweltverträglich zu produzieren.
Neben dieser eher allgemein gehaltenen Aufklärungsarbeit, leisten wir natürlich auch ganz konkrete Unterstützung für die tägliche Arbeit in den Betrieben: Im Bereich des ökologischen Druckens fokussieren wir auf drei Bereiche:

  • die Reduzierung des CO2 -Ausstoßes
  • die Reduzierung von Emissionen und 
  • die Reduzierung/Vermeidung von Prozessabfällen.
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