Personalentwicklung, aber wie?


Thorsten Drews, Geschäftsführer Werner Achilles (Celle).

Perspektive Print: Wo entstehen neue Berufsbilder? Wie integrieren Sie neue Leute? Der crossmediale Ansatz ist doch sicherlich eine gewaltige Herausforderung.

Thorsten Drews: Das ist in der Tat eine große Herausforderung. Am Anfang standen bei uns Strategie-Workshops. Dort haben wir besprochen, wohin wir uns entwickelt haben und wohin wir uns entwickeln möchten in den nächsten drei, fünf und zehn Jahren. Ich muss sagen, dass unsere Mitarbeiter eine sehr genaue Vorstellung davon haben, wie die Achilles-Welt 2014 aussehen wird. Man spürte eine große Begeisterung. Und dann kommt ja die Kernfrage: Und wie machen wir das? Packen wir das einfach noch on top dazu? Bei jeder Weiterentwicklung – davon bin ich felsenfest überzeugt – geht es nicht ohne neue Leute von außen. Weiterentwicklung mit einem Inzucht-Charakter, das funktioniert nicht. Du brauchst neue Leute. Und jede Weiterentwicklung bedingt auch, dass Leute das Unternehmen verlassen. Das ist auch die Klarheit und auch die Härte, die keiner so offen aussprechen will. Aber das ist einfach klar, auch an der Stelle. Und die Herausforderung als Führung für uns ist, dass man diesen Prozess halt begleitet. Aber das Ganze geht nur durch neue Berufsbilder und letztendlich auch der Erfahrung, dass man auch Fehler macht und auch Wege einschlägt, die eben nicht zum Ziel führen. Und dass man dann – wann ist der richtige Zeitpunkt? – wieder Korrekturen vornimmt.

Oliver Curdt: Also die Entwicklung der Berufsbilder ist eine klassische Aufgabe, die die Verbände für die Branche vornehmen. Und da hat sich jetzt in den letzten Jahren sehr viel verändert. Aber die Veränderungen, die werden jetzt noch weitergehen. Also wir haben das jetzt auf der Agenda, innerhalb der nächsten zwei Jahre diese Berufsbilder noch mal inhaltlich zu verändern. Dahingehend, dass es irgendwo natürlich eine gewisse Basisqualifikation geben muss, für alle; aber es wird eben auch sehr viel mehr Dinge geben, die im Wahl-Qualifikationsbereich liegen. Man kann nicht mehr alle über einen Kamm scheren. Wir bieten über 300 Kurse an, so auch zu Datenbank-Themen, zu IT-Themen. Wir holen auch die Auszubildenden zu uns in Drei-Monatskurse. Ob das im Digitaldruck ist, im Web-to-Print-Bereich, im Bereich Web-Shop, im Bereich Daten-Management, XML-Programmierung et cetera, also alles Dinge, wo die eher kleineren, mittelständischen Unternehmen ihre Leute doch gar nicht schulen können, weil sie dafür weder die Kapazität noch die Zeit haben. Aber sie brauchen es halt.
Im Management-Bereich sehe ich ebenfalls eine Riesen-Herausforderung bei den Führungskräften, bei den Unternehmern in Bezug auf die Themen Unternehmensstrategie, Unternehmensplanung, Controlling und vor allen Dingen auch Finanzen. Da ist ein gigantischer Bedarf meiner Meinung nach, wo man was machen muss. Das kommt auch nicht durch die Leute, die von der Uni kommen. Also die bringen das in der Regel so eigentlich auch nicht mit. Im Vertrieb muss man eigentlich sehr viel mehr lösungsorientiert arbeiten, kundenorientiert, kreativ, über die Medien hinweg. Da müssen wir ebenfalls Qualifizierungsantworten finden.

Perspektive Print: Ein wichtiger Qualifizierungsbedarf besteht sicherlich auch durch die zunehmende Internationalisierung.

Marc Schnizer: Auf jeden Fall. Also die Technik bekommen wir ganz gut in den Griff. Seit 35 Jahren machen wir Export. Unsere Kunden sind internationale Kunden. Wir sind weltweit tätig. Insofern haben wir uns von der Vertriebsseite schon immer sehr international aufgestellt. Wir stehen jetzt vor der Aufgabe, dass wir das natürlich auf diejenigen Mitarbeiter übertragen müssen, die jetzt mit unseren Tochterunternehmen zusammenarbeiten und in der Vergangenheit noch nicht so viele Berührungspunkte zum Ausland hatten. Zum Beispiel im Finanzbereich, Einkauf oder in der Technik. Und da geht es dann sehr stark um das Interkulturelle. Das geht nur, indem wir die Leute zusammenbringen und einen regelmäßigen Austausch machen. Und dass wir vor allen Dingen in Richtung Sprachen schulen. Also bei uns ist das heute eine der Hauptanforderungen. Wichtig ist es, Standards in allen Bereichen zu schaffen, das ist die Grundlage für ein einheitliches Qualitätsprodukt.

Dr. Uwe Schürmann: Technische Weiterentwicklungen und Qualifizierungen auf diesem Gebiet haben wir heute weitgehend im Fokus und gestalten das gut. Man darf das Thema aber auch nicht kleinreden. Auch diese Herausforderungen werden künftig noch größer werden. Der technologische Wandel ist da und wird sich auch noch dramatisch beschleunigen. Eigenschaften wie Veränderungsbereitschaft, Veränderungs- und Innovationskompetenz sind deshalb ganz zentrale Faktoren für alle Mitarbeiter. Die Begeisterungsfähigkeit für diese Themen sind bei uns ein wichtiges Einstellungskriterium.
Nun zur Internationalisierung: CD Cartondruck ist hier mit verschiedenen internationalen Standorten sicherlich schon sehr weit. Gundlach macht gerade den ersten Schritt im Ausland in Richtung Dubai. Dort haben wir mit unserer Unternehmenskultur eine Lernkurve durchschritten. Wir kommen mit unserer 163-jährigen deutschen Unternehmenskultur und spüren einerseits, wir dürfen unseren Markenkern, unsere Kernaussage als inhabergeführtes Unternehmen, nicht verlassen. Andererseits müssen wir uns aber auch auf die kulturellen Besonderheiten des Landes und der Mitarbeiter in diesem Land einlassen. Also den Kern nicht verlassen und gleichzeitig die Besonderheiten akzeptieren.

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