RFID bringt Papier ins Rollen


Rollentransport mit dem RFID-Klammerstapler, der die Papierrolle automatisch identifiziert.

Das innen angebrachte Identifikationsmerkmal bietet die Möglichkeit zur automatischen Erfassung über die gesamte Prozesskette hinweg. Sowohl beim automatischen Rollentransport, beim manuellen Transport mit dem Klammerstapler als auch beim Ein- und Ausspannen der Rollen in den Verarbeitungsmaschinen. Das Identifikationsmerkmal bleibt erhalten, bis die Rolle vollständig abgewickelt ist. Insbesondere bei Prozessen mit mehreren Verarbeitungsschritten ist dies ein großer Vorteil: Verwechslungen sind ausgeschlossen, die Notwendigkeit der Neuetikettierung entfällt.
Über die Fähigkeit zur Pulkerfassung bietet die RFID-Technik zudem unter geeigneten Prozessbedingungen die Möglichkeit, mehrere Rollen gleichzeitig beim Transport zu identifizieren.

Optimierungspotenziale

Zielsetzung des RFID-Einsatzes ist die lückenlose Rollentransportverfolgung. Diese beginnt in der Papierfabrik mit der Entstehung der Rollen im Rollenschneider über die automatischen Transporte zum Umroller oder zur Weiterverarbeitung und in der Verpackungsanlage vor dem Übergang ins Lager. Im Lager kommt der RFID-Klammerstapler zum Einsatz, der über die automatische Identifikation aller Rollenbewegungen ein stellplatzgenaues Rollenmanagement ohne manuellen Mehraufwand ermöglicht. Letzter Schritt ist die Versandunterstützung durch die automatische Rollenidentifikation bei der Verladung.

Setzt auch der Kunde die RFID-Technologie ein, werden die Optimierungspotenziale in vollem Umfang ausgeschöpft. Neben einer Vereinfachung des Wareneingangs durch die automatische Identifikation beim Entladen des LKW, werden alle internen Transporte sowie das Ein- und Ausspannen der Papierrollen an den Verarbeitungsmaschinen automatisch erfasst. Genau wie in der Papierfabrik ermöglicht die RFID-Erfassung am Klammerstapler eine transparente Bestandsführung und damit die Vermeidung von Beschädigungen durch unnötige Transporte sowie ein vereinfachtes Restrollenmanagement.

Mit Blick auf die Supply Chain zeichnet sich eine RFID-gestützte Papierrollenlogistik durch die erleichterte Rückverfolgbarkeit und damit eine gezielte Erkennung von Beschädigungsursachen durch unsachgemäßes Rollenhandling aus.

Ausblick in die Zukunft

Über die reine Transportverfolgung zur Optimierung der Papierrollenlogistik hinaus, ermöglicht die RFID-Technologie die Erschließung einer Reihe weiterer positiver Effekte. Diese liegen zum Einen in der Verbesserung der Qualitätssicherung. Durch die Integration zusätzlicher Sensorik in den RFID-Chip ist über die reine Identifikation hinaus die Erkennung und Protokollierung von Erschütterungen oder übermäßiger Druckbelastungen (beispielsweise durch unsachgemäße Aufnahme mit dem Klammerstapler) oder auch die Registrierung von Lagerzeiten mit auffälligen Temperaturen und Luftfeuchtigkeiten beispielsweise beim LKW- oder Bahntransport denkbar.

Weitere Optimierungspotenziale liegen im Bereich der Prozesssicherheit. So kann beispielsweise über die Online-Auswertung der Rollendaten für jede einzelne Rolle sowohl eine intelligente Klammerdruckregelung am Stapler als auch die individuelle Anpassung der Maschinenparameter oder die Erkennung der Einspann- und Abrollrichtung realisiert werden.

Die lückenlose automatische Transportverfolgung liefert für jede Rolle Information über Art und Anzahl der Staplertransporte sowie über die bereits durchlaufenen Verarbeitungsschritte. Die ergänzende Speicherung von Hülsensorten- und Qualitäten sowie von Informationen zu zusätzlichen Qualitätszertifikaten bereits in der Papierfabrik, bietet darüber hinaus weitere Informationen zur Unterstützung der Prozesssicherheit oder zur Effizienzsteigerung bei der Verarbeitung.

RFID-Lösung von Stonegarden

Seit über zehn Jahren arbeiten Papierhersteller und Anbieter von Identifikationssystemen an der Entwicklung RFID-basierter Lösungen für den produktiven Einsatz. Zentrale Aufgabenstellung ist dabei das Durchdringen des Papiers plus die Integration der Technologie in die existierenden Prozessabläufe. Die Verbreitung der bisher entwickelten Lösungen ist daran gescheitert, dass es sich entweder um proprietäre, aufwendige und kostenintensive Systeme handelt, oder aber nur ausgewählte Prozessabläufe unterstützt werden.

Stonegarden Technologies, Spezialist für RFID-Lösungen im Papierumfeld, beschäftigt sich seit mehr als acht Jahren intensiv mit der Entwicklung praxistauglicher Lösungen zur automatischen Rollenidentifikation. Mit der Optimierung der Transpondertechnologie ist es Stonegarden nach eigenen Angaben gelungen, einen durchgängigen Lösungsansatz für die technischen Herausforderungen zu realisieren und ein RFID-System zu konzipieren, welches den Prozessanforderungen in besonderem Maße gerecht wird.

Die Besonderheit des Stonegarden-Lösungsansatzes ist das Anbringen passiver UHF Transponder in der Rollenmitte und die Erfassung dieser Transponder nicht über die Stirnseite der Rollen, sondern durch das Papier hindurch. Dieser Ansatz ermöglicht die automatische Erfassung sowohl beim Fördertechnik-Transport als auch beim Transport mit dem Klammerstapler.

Im Rahmen mehrjähriger Pilotprojekte in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Papierherstellern und Druckereien ist es gelungen, sowohl die technische Machbarkeit als auch die Wirtschaftlichkeit des durchgängigen RFID-Einsatzes zu zeigen. Mit dem erstmaligen produktiven Einsatz der von Stonegarden entwickelten Lösung seit dem vierten Quartal 2010 bei der Klingele Papierwerke GmbH & Co. KG, hat ein erstes Unternehmen im Bereich Packaging den Weg zu einer RFID-basierten Papierrollenlogistik beschritten.
„Mit der Entscheidung für unser System zur automatischen Rollenidentifikation hat sich unser Kunde konsequent für die lückenlose Rollentransportverfolgung und damit für maximale Transparenz in seiner Papierrollenlogistik entschieden“, so Dr. Weingarten. „Besondere Optimierungspotenziale bei Klingele liegen im Lager- und Restrollenmanagement sowie in der Vereinfachung der Verfahren zur Sicherstellung der Rückverfolgbarkeit der Rollen über die gesamte Lieferkette hinweg“.

Resumee von Dr. Weingarten: „Die von uns entwickelte Lösung ist gezielt auf die Prozessabläufe rund um das Papierrollenhandling zugeschnitten. Aufbauend auf den Erfahrungen aus dem produktiven Einsatz werden wir unser System in den nächsten Jahren kontinuierlich zu einer universellen Lösung für die gesamte Papierrollen-logistik entwickeln.“

Die Vision des Unternehmens sei der durchgängige Einsatz von RFID über den gesamten Lebenszyklus der Papierrolle, beginnend in der Papierfabrik mit der Entstehung der Papierrollen über alle Transport- und Weiterverarbeitungsprozesse bis hin zur vollständigen Verarbeitung beim Kunden. Die Einführung der Lösung im Bereich Packaging war der erste Schritt in diese Richtung. Im nächsten Schritt sollen vergleichbare Realisierungen im Zeitungsdruck und in anderen Bereichen der Druckindustrie folgen.

Über Stonegarden 

Die Stonegarden Technologies GmbH mit Sitz in Aachen beschäftigt sich als Systemanbieter mit der Realisierung von Auto-ID-Lösungen für die Papier-, Folien-, Druck- und Verpackungsindustrie. Das Unternehmen entwickelt Auto-ID-Lösungen zur Minimierung manueller Aufwände rund um das Waren-, Behälter- und Palettenmanagement in Produktion und Lagerung.

Zu den Lösungen von Stonegarden zählt zum einen das RFID-Tracking-System zur automatischen Papierrollenidentifikation und -verfolgung und zum anderen die universelle Lösung für den RFID-Einsatz am Stapler. www.stonegarden-technologies.com

Erschienen in DD 19/2011

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