Weiterempfehlen Drucken

Rolle vorwärts ins Netz

Wenn eine Rotationsdruckerei einen Internetshop betreibt

Stephan Bühler, Vertriebsleiter Zeitungsdruck bei Bechtle (l.), ist verantwortlich für den Onlineshop
„dierotationsdrucker.de“. Stefan Fischer (r.) hat den Internetauftritt programmiert und sorgt durch suchmaschinenoptimierte Gestaltung auch dafür, dass die Esslinger im weltweiten Netz auch gefunden werden.

Bechtle Druck & Service ist als Rollenoffsetdrucker eher in Nischen zu Hause. Aber bereits 2007 hat das Esslinger Unternehmen das Internet als zusätzlichen Vertriebskanal entdeckt, vor knapp zwei Jahren ging der Onlineshop „dierotationsdrucker.de“ in Betrieb. Das Geschäftsmodell, Standarddrucksachen im Rollenoffset zu produzieren, funktioniert. Allerdings nicht so, wie man sich das ursprünglich vorgestellt hatte.

Bechtle Druck & Service ist die Akzidenzdruck-Tochter von Bechtle Verlag & Druck, einem regionalen Tageszeitungsverlag und großen Coldset-Lohndruckunternehmen mit knapp 400 Mitarbeitern. Etwa 100 davon sind bei „Druck & Service“ beschäftigt. Mit zwei 16-Seiten-Heatsetrollen, je einer mit vier und einer mit fünf Doppeldruckwerken, sowie einer Bogenoffsetmaschine im IIIB-Format hat sich das Unternehmen auf Zeitschriften mit kleinen und mittleren Auflagen sowie Kataloge mit vielen Sprachwechseln spezialisiert.

Nicht zuletzt durch die Zeitungsproduktion verfügt Bechtle über eine gut ausgebaute Vorstufe und bietet zum Beispiel Database-Publishing für Katalogproduktion an. Bechtle ist sich seiner Stärken aber auch der Grenzen bewusst: „Wenn die Auflagen dann mal sechsstellig werden, dann verabschieden wir uns langsam“, erklärt Stephan Bühler, Vertriebsleiter Zeitungsdruck, im Gespräch mit Deutscher Drucker.  

Versuchsballon

Bühler ist auch verantwortlich für den Online-Vertriebskanal. Angeschoben hatte das Engagement im World Wide Web vor gut vier Jahren noch Bühlers Vorgänger. Mit der Website „diezeitungsdrucker.de“ wurde damals ein Versuchsballon gestartet, um die Nachfrage nach Zeitungsdruck im Internet auszuloten.
Stephan Bühler: „Ob Online die Lösung ist, wussten wir damals noch nicht. Heute kann man sagen, es ist zumindest eine Lösung.“ Allein über das Anfrageformular der Website kamen bereits viele neue Kontakte zustande. Das dürfte nicht zuletzt auf die entsprechenden Marketingkampagnen von Stefan Fischer zurückzuführen gewesen sein. Fischer, ein „Bechtle-Eigengewächs“, ist nach berufsbegleitendem Studium seit Juni 2008 beim Esslinger Medienhaus für Onlinemarketing verantwortlich. Aufbauend auf diesem erfolgreichen Testlauf wurde 2009 das Portfolio für den Internet-Vertriebskanal um Rollenakzidenzdruck erweitert und unter der weiteren URL „dierotationsdrucker.de“ ein Onlineshop gestartet. Nach Einschätzung von Bechtle war es damals der erste Onlineshop im deutschsprachigen Raum überhaupt, der Produkte aus dem Rollenoffsetdruck anbot.

"

Die Onlineshops sind mittlerweile ein wichtiger Umsatzbringer und nicht mehr wegzudenken.

Stephan Bühler

"

Dank der Fähigkeiten von Stefan Fischer war die Shop-Erstellung mit „Bordmitteln“ möglich – und dank der Unterstützung durch die Firma Pragma, deren Branchensoftware bei Bechtle im Einsatz ist. Pragma stellte die Schnittstelle vom Webshop zum Auftragsmanagement zur Verfügung.

Aufwand unterschätzt

Stephan Bühler: „Wir dachten damals, wir generieren hier zusätzliche Aufträge mit wenig Aufwand.“ Man irrte. Nicht etwa, dass der Vertriebsweg floppte. Doch wirklich vollständig „automatisierte“ Aufträge, die direkt vom Kunden im Shop kalkuliert und dort dann bestellt werden, gibt es bis heute wenige: etwa drei pro Monat, zwei für den Zeitungsdruck und einer für die Akzidenz.

Kataloge, Kundenzeitungen oder Zeitschriften sind offenbar keine Produkte, die man mal so einfach per Mausklick in Auftrag gibt. Viele nutzen aber die Kalkulationsmöglichkeit, um eine „ungefähre Hausnummer“ für die voraussichtlichen Kosten zu bekommen. Das senkt die Hürde für eine Anfrage per Mail oder Telefon.

So wurde Bechtle durch die Website samt Online-Kalkulationstool im Netz bekannt und für ganz neue Kundenkreise aus einem viel größeren Einzugsgebiet erreichbar, denn über den klassischen Vertriebsweg – also per Außendienst – konzentriert sich Bechtle nur auf Süddeutschland, Österreich und die Schweiz. Dass die Website viele Neukunden beschert, sieht das Bechtle-Verkaufsteam daran, über welche Telefonnummern und Mailadressen die Anfragen ins Haus kommen. Alle Innendienstler, die für „dierotationsdrucker.de“ arbeiten, kommunizieren grundsätzlich zweigleisig: hier Bechtle Druck & Service, dort die Web-Kundschaft.

Seite 1 | 2 »
Anzeige

Firmen-Suche

Leserkommentare

Noch keine Kommentare. Geben Sie den Ersten ab!

Management

Download: "Recht in der Druckbranche – Teil 3"

Leiharbeit, Werkverträge und der Umgang mit Smartphones

Das deutsche Arbeitsrecht ist immer im Wandel und wird zunehmend komplexer. So hat der Bundestag jüngst einen politisch höchst umstrittenen Gesetzentwurf beschlossen, der dem Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen vorbeugen soll. Teil 3 der eDossier-Reihe „Recht in der Druckbranche“ fasst die Kernpunkte, die sich mit Wirkung zum 1.4.2017 ändern, übersichtlich zusammen.

» mehr

print.de-News jetzt auch per Whatsapp

Die besten Events von print.de – Jetzt Tickets ordern!

Deutscher Druck- und Medientag 2017

Jetzt NEU

Die print.de-Karte der wichtigen Branchenkontakte

Mehr Details zu den einzelnen Anbietern in Ihrer aktuellen Ausgabe des Deutschen Druckers unter Service/Das Branchenverzeichnis A-Z
mehr

Top-Themen

Geschäftsführer Christian Aumüller (Aumüller Druck) hinterfragt den ökologischen Sinn von Forstwirtschaftszertifikaten für Druckereien.

"Fürs FSC/PEFC-Zertifikat werden Druckereien ordentlich gegängelt!"

Am Rande eines Interviews mit „print.de“ über das Engagement der Industriedruckerei Aumüller Druck in Regensburg in Sachen betrieblicher Umweltschutz berichtete Geschäftsführer Christian Aumüller über seine jahrelangen Praxiserfahrungen mit der FSC/PEFC-Zertifizierung und hinterfragt deren Sinnhaftigkeit für die Druckindustrie.
mehr

Ganz so unbedeutend ist die Druckbranche gar nicht

Wenn das Geschäft einer Druckerei nicht mehr auskömmlich ist, hört man immer wieder dieselben Begründungen: „Das Internet macht uns das Leben schwer.“ Oder: „Wegen des ruinösen Preiskampfes haben wir keine Chance.“ Warum solche negativen Statements der Printbranche nicht gerecht werden und warum Zeitschriften als Premiumprodukte auch häufiger als alle zwei Monate erscheinen können, erläutert Bernhard Niemela, Geschäftsführer Deutscher Drucker.
mehr

Aktuell bei Top 10

Die 10 besten Schriften 2016

Das sind die 10 besten Schriften des Jahres 2016 – zumindest wenn es nach der britischen Type Foundry "HypeForType" geht. Das britische Versandhaus für Schriften hat die aus seiner Sicht besten Schriften des vergangenen Jahres gekürt.
mehr

Ganz großes Kino für Print: Wie die Creatura-Initiative begeistert

CGI – So sieht die Zukunft der Bildbearbeitung aus

Umfrage

Ist der Aufschwung auch bei Ihnen angekommen?

Jetzt abstimmen

Kommentare

Services

Bitte warten...