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Wirtschaftlichkeit ökologischer Betriebsführung wird verkannt

Wolfgang Frerich oberhalb der neuen, natürlich wassergekühlten Speedmaster XL 105: “Betrieblicher Umweltschutz hat eine soziale Komponente, die man nicht unterschätzen sollte.“

Betrieblicher Umweltschutz, Qualitätsmanagement und Ökonomie schließen einander nicht grundsätzlich aus. Bei Kolbe-Coloco gehen sie unter Federführung des Umweltbeauftragten Wolfgang Frerich seit Jahren erfolgreich Hand in Hand.

Wolfgang Frerich, Projektmanager und Umweltbeauftragter bei der Spezialdruckerei Kolbe-Coloco in Versmold, gilt als ausgewiesener Fachmann in Sachen Umwelt- und Qualitätsmanagement in Druckereien. Bei Kolbe führte er Mitte der 90er-Jahre ein Umweltmanagementsystem (UMS) nach EMAS ein, zu einer Zeit, als sich die Verordnung selbst erst in der Entstehung befand. Im Gespräch mit Deutscher Drucker berichtet Frerich nicht nur darüber, sondern macht auch deutlich, dass betrieblicher Umweltschutz eigentlich immer auch ökonomisch sinnvoll ist – so man ihn denn dauerhaft und als ganzheitliche Aufgabe betrachtet.

DD: Herr Frerich, bereits 1994 sind Sie bei Kolbe-Coloco das Thema UMS aktiv angegangen. Inwieweit leisteten Sie damals Pionierarbeit für den betrieblichen Umweltschutz in der grafischen Industrie?

Wolfgang Frerich: Wie auch heute verpflichtete man sich damals bei einem UMS dazu, gewisse Umweltregeln einzuhalten und stetig zu optimieren; weiterführende Informationen zu diesen Regeln und wie man sie in der Praxis umsetzen könnte, waren jedoch noch nicht zu erhalten, da sich die EMAS-Verordnung selbst noch im Aufbau befand. All dies mussten wir uns somit selbst erarbeiten – in Zusammenarbeit mit und bewertet durch Ämter, durch das Studium von Verwaltungsvorschriften und Baugenehmigungen et cetera. Auch die Checklisten zur Umsetzung des UMS haben wir im Anschluss selbst entwickelt.

Trotz dieser Unwägbarkeiten war es ein spannender Prozess und in gewisser Weise auch Pionierarbeit, ja. Es gab unter den teilnehmenden Unternehmen sogar einen sportlichen Anreiz, der erste „Validierte“ zu sein. Jedoch mangelte es noch an den auf die grafische Branche spezialisierten Umweltgutachtern, sodass uns und unsere Umwelterklärung letztlich der TÜV validiert hat. Zeitgleich haben wir auch ein Qualitätsmanagementsystem (QMS) eingeführt und zertifiziert, weil dies nach unserem Verständnis ganz klar zusammengehört. „Streamlining“ von Qualität und Ökologie in der Produktion würde man heute wohl dazu sagen.

DD: Das UMS von Kolbe wurde dann mehrfach revalidiert. Warum haben Sie 2002 damit gebrochen?

Frerich: Der Verwaltungsaufwand sowie die Kosten für eine erneute Bestätigung der Managementsysteme in kleinen QMS-Audits jährlich und in großen Audits für QMS/UMS plus Umwelterklärung alle drei Jahre sind schon enorm. Wir reden hier im Fall Kolbe immerhin von fünfstelligen Summen. Und das letztlich „nur“, um ein Stück „Papier“ in der Hand zu halten?

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