Wirtschaftlichkeit ökologischer Betriebsführung wird verkannt


DD: Kolbe-Coloco hat 165 Mitarbeiter; fehlt es kleineren Druckereien zur Einführung von UMS nicht an der Manpower, Zeit und am Know-how?

Frerich: Um ein UMS zu etablieren, bedarf es freigestellter Fachleute. Wir haben Mitarbeiter im Betrieb, die sich bis ins Kleinste mit den Prozessen beschäftigen und sich dementsprechend auskennen. Für KMUs hingegen dürfte es ja schon schwierig sein, überhaupt einen Hauptverantwortlichen freizustellen. Eins jedoch ist klar: Als Beiwerk parallel zum Tagesgeschäft ist die Durchführung solcher Projekte schlichtweg unmöglich. Da kann ich nur warnen.

Für einen erfolgreichen Start in den betrieblichen Umweltschutz und hinführend zu UMS gibt es aber noch betriebliche Umweltprogramme, die hier sehr nützlich sein können. Beispielsweise Ökoprofit oder noch weiter vorn ansetzend die ebenfalls vom Land Nordrhein-Westfalen geförderte „Initialberatung betrieblicher Umweltschutz“.

DD: Welche Maßnahmen konnte Kolbe im Laufe der Jahre im Rahmen des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses seines UMS noch umsetzen?

Frerich: Zahlreiche. Um Industriefläche zu renaturieren haben wir beispielsweise 1997 die großflächig versiegelte Parkplatz-/LKW-Bewegungsfläche aufgebrochen und so neu angelegt, dass das Regenwasser wieder unmittelbar in den Untergrund gelangen kann und so nicht mehr in die energieintensive Abwasseraufbereitung fließt. Regenwasser von den Gebäuden wird in einer Zisterne aufgefangen, um im Sommer die Grünflächen bewässern zu können. Überschüssiges Wasser gelangt in eine von uns angelegte Versickerungsmulde. Innerhalb der Grünfläche haben wir ein Kundencenter gebaut, das überwiegend aus nachwachsenden Rohstoffen besteht. Nach der Liberalisierung der Energiemärkte 1998 haben wir uns im Jahr 2000 speziell dieses großen Themas angenommen. Aus einem Energiegutachten ging hervor, dass bei uns bestimmte Anlagen in der Haustechnik verbesserungswürdig waren. Zudem verfügten wir über eine ziemlich schlechte Luftbilanz. Wir haben dann 2001 eine raumlufttechnische Anlage geplant, die über Messgeber sogar den Zustand der Produktionsmaschinen hinsichtlich ihrer Prozessabluft berücksichtigt. Diese regelt den notwendigen Luftaustausch – für eine stets optimale Menge warmer beziehungsweise kalter Luft in allen Räumen bei idealer Luftfeuchtigkeit – und sorgt auch dafür, dass kein Über- oder Unterdruck entsteht.

Diese ungewöhnliche, sehr teure Maßnahme hat immerhin dazu geführt, dass wir unseren Bedarf an Wärmeenergie von 2,5 Gigawattstunden auf 1,25 halbieren konnten. Sie hat sich deshalb schnell amortisiert. Unser Energieversorger traute in der Folge wohl seinen Verbrauchszählern nicht mehr und tauschte sie kurzerhand aus. Anscheinend waren Energieeinsparungen in dieser Größenordnung für ihn schlicht undenkbar.

DD: An welchen Projekten sind Sie ganz aktuell dran?

Frerich: Wir verbrauchen immer noch zu viel (Erdgas-)Energie, um unser Gebäude zu erwärmen. Zukünftig wollen wir dies zum größten Teil über die Abwärme unserer Druckmaschinen leisten. Wir kühlen hier schon lange nicht mehr mit Luft, sondern fangen die Energie im Medium Wasser. Bei jeder Neuinvestition der letzten Jahre, insbesondere den hitzeintensiven UV-Maschinen, wurde auch in die Wasserkühlung investiert, sodass wir inzwischen genug Energie zum Heizen haben sollten. Bei Bedarf würden wir dann über eine eigene Wärmepumpe mit Erdwärme auffüllen. Das Ganze soll uns letztlich völlig autark von den Energieversorgern machen. Außerdem planen wir einen Anbau, der unsere Produktionsfläche nahezu verdoppeln wird. Für diesen Neubau gilt natürlich auch all das gerade Erwähnte – mit dem kleinen Unterschied, dass wir hier durch moderne Baumaßnahmen viel einfacher zu umweltorientierten Ergebnissen kommen können, als bei dem Bestandsgebäude.

Erschienen in DD 7/2009

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