Metamorphose zum Hightech-Produkt: Wie sich Skalenfarben verändert haben


Abbildung 1: Verschiedene Farbserien haben unterschiedliche Stärken beziehungsweise „Talente“. Es zeigt sich, dass ein Anwender beim Einsatz einer Druckfarbe, die in einer Eigenschaft besonders stark ist, oft bei anderen Kriterien Abstriche machen muss. Eine Farbe, die hingegen alle Kriterien möglichst gut erfüllen soll, deckt keine der Eigenschaften maximal gut ab.

Entwicklung. Zugegeben, die Innovationskraft bei Druckfarben ist schwer zu erkennen, da sie schleichend und unspektakulär ist. Offenbaren würden sich die Verbesserungen erst, wenn man den Versuch unternähme, mit einer beliebigen Skalenserie von 1990 auf modernem Equipment einen Auftrag mit heutigen Durchlaufzeiten zu fertigen. Manche Zusammenhänge stellen sich jedoch auch über die Zeit hinweg als gültig heraus: So eignen sich in Sachen Scheuerfestigkeit die oxidativ trocknenden Farben besser, wenn ohne Schutzlackierung auf matt gestrichene Substrate gedruckt wird. Hochpigmentierte Farben sind auf ungestrichenen Papieren im Regelfall scheuerempfindlicher als normal pigmentierte Skalenfarben – ganz abgesehen von den Nachteilen bei der Farb-Wasser-Balance, wenn nur leichte Formen gedruckt werden. Schnell ist das Ersparte auf der Farbseite von einem Mehr an Makulatur aufgefressen.

In Bezug auf das Karbonieren ist die Trocknungszeit ausschlaggebend. Haben die Drucke 24 bis 48 Stunden Zeit zum Trocknen, dann erzielen die rein oxidativ trocknenden Farben auf gestrichenen Bedruckstoffen ordentliche Ergebnisse. Matt gestrichene Papiere sind hier erkennbar empfindlicher als glänzende. Generell: Die Empfindlichkeit eines Bedruckstoffes kann nicht durch die Druckfarbe aufgefangen werden. Zusammenfassend heißt das: Den meisten Druckereien wird es unter Berücksichtigung der jeweiligen Anforderungen und der Verschiedenheit der Aufträge heute nur schwer gelingen, mit nur einer Sorte von Bogenoffset-Skala zurechtzukommen. Es gibt vielseitige Skalenserien, die eine bestmögliche Kombination aller Eigenschaften aufweisen, was aber bedeutet, dass die maximale Leistungsfähigkeit in einzelnen Kriterien nicht erreicht wird. Die vielseitigen Farbserien sind heute besser denn je, aber unter kritischen Bedingungen kann es die optimierte Serie eben ein bisschen besser – und das ist oft ausschlaggebend. Die Spinnendiagramme (Abb. 1) verdeutlichen die „Talente“ der einzelnen Farbserien. Dabei liegen die Bewertungsachsen der sich gegenseitig beeinflussenden Eigenschaften gegenüber. Angepasst auf Anwendung und Verarbeitung kann unter Zuhilfenahme eines solchen Spinnendiagramms die jeweils geeignete Farbserie leicht bestimmt werden.

Verpackungsdruck. Bei näherer Betrachtung hat sich wohl bei den Druckfarben für die Faltschachtel-Produktion die bedeutendste Innovation ereignet, vor allem im Bereich der Lebens- und Genussmittelverpackung. Die wachsenden Möglichkeiten in der Analytik haben bereits in den 90er-Jahren eine Veränderung des Sicherheits-Verständnisses ausgelöst. Es folgten Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen, wie zuletzt die Bedarfsgegenstände-Verordnung des Schweizer Eidgenössischen Departements des Inneren (EDI). Die Philosophie hinter den Rezepturen ist einfach: Die Farbe riecht nicht und die Bestandteile dürfen nicht durch den Karton migrieren, außer limitierte Mengen derjenigen Substanzen, die bewertet sind und/oder unter festgelegte Grenzwerte fallen. Doch einfach eine Druckfarbe zu verarbeiten, die den Anforderungen entspricht, reicht nicht aus, um am Ende eine gesetzeskonforme Verpackung zu erhalten. Auch andere Materialien und Verarbeitungsumstände spielen eine Rolle. Natürlich gibt es nicht nur „migrations- und geruchsarme“ Skalen-, sondern auch die im Verpackungsdruck häufig eingesetzten Schmuckfarben, die einer Marke ihre Identität geben und entsprechend heute mehr leisten müssen als nur den richtigen Farbton zu treffen.

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