Faltschachteln im Flexo drucken, aber die Platte nicht vergessen


Schmalbahn-Flexodruckmaschine des Typs KM 150 von Gallus, hier mit Flachbettstanze.

Ablation oder Gravur? Die digitalen Polymerplatten und Sleeves werden zumeist mit einer schwarzen LAMS-Schicht versehen (die als Negativ dient), aus der die CtP-Anlage das Druckbild maskenartig herausbrennt. Unter dem Laserstrahl verdampft die dünne LAMS-Schicht und das freigelegte Polymer wird durch eine UV-Belichtung durchgehärtet und die nicht polymerisierten Teile (nicht druckenden Flächen) werden danach ausgewaschen. Die Alternative ist, mit Laserstrahlen die nicht druckenden Flächen aus der polymersisierten Beschichtung des Sleeves herauszubrennen  System für Endlos-Druckformen.

Die Direktgravur befindet sich im Flexo-druck in der Einführungsphase und ermöglicht hohe Auflagen und hohe Druckgeschwindigkeiten (600 m/min plus), wobei die Elastomere billiger werden. Die Direktgravur bietet zudem den großen Vorteil, dass man die druckenden Elemente im Hochlichtbereich niedriger halten kann eine Art Zurichtung was wiederum ermöglicht, mit einem höheren Anpressdruck bei Vollflächen zu operieren, ohne die feinen Hochlichtpunkte breitzuquetschen.

Die Praxiserfahrungen mit dem Hell-Premium-Direktgravur-Flexodruckformsleeve beweisen dies. Die Direktgravur hat derzeitig noch den Nachteil, dass die Herstellungs-zeiten pro m2  Druckform, abhängig von Druckbild, Rasterfeinheit, Auflösung und Gravurtiefe, etwas länger sind als bei der Ablation mit Auswaschen. Der Laser arbeitet dreidimensional mit einer Geschwindigkeit von 1 m2 /h. Hinzu kommt, dass die CtP-Gravur-Anlagen Investitionen um die 450 000 bis 750 000 Euro erfordern und damit für einen Faltschachteldrucker derzeitig nicht zur Diskussion stehen.

Reine Gravursleeves sind „Thermopolymer" von Rossini, „Novotec" von Polywest und „Optiflex“ von AKL. Flint liefert mit „Nyloflex Infinity“ ein mit Polymer beschichtetes nahtloses Sleeve, das ausgewaschen oder mit polymerisierter Beschichtung direkt graviert wird. Hinzu kommt das neue „Adless Sleeve“ von Asahi Fotoproducts/Böttcher. Hierbei wird ein Flüssigpolymer mit einem patentierten Verfahren nahtlos auf das Sleeve aufgetragen, wobei Adless eine schnellere Ablation der nicht druckenden Elemente und eine bessere Farbübertragung anbietet.

Sleeves. Welche Sleeves setzt man mit der Druckplatte ein? Prinzipiell sind es zwei Arten: Sleeve mit Hartschale oder mit kompressibler Oberfläche (Schaumschicht).

  • Die Hartschalensleeves sind preiswert (Durchschnittspreis um 286 Euro) und für alle Arbeiten einsetzbar, da durch die Wahl der Klebefolie die Härte des Unterbaus angepasst wird. Die Druckplatten werden mit doppelseitigem Klebeband von 0,10 bis 0,55 mm Stärke aufgeklebt, mit der Stärke des Schaumbelages erhöhen sich Elastizität und Rücksprungkraft, aber auch die Stärkentoleranzen. Bei der Wahl der Klebefolie ist die Shorehärte der Platten (52 bis 77 Shore A) und die Plattenstärke im Faltschachteldruck zumeist 1,14 mm zu berücksichtigen dickere, weichere Platten werden für Wellpappe, staubende Papiere, dicke Vollpappe und Laminate eingesetzt.
  •  Kompressible Sleeves gibt es in den Versionen weich, mittel oder hart. Sie erlauben eine bessere Druckqualität als die Hartschalensleeves, weil die Platten mit einer 0,10 mm dünnen harten Klebefolie aufgeklebt werden, die praktisch keine Stärkentoleranzen haben. Die kompressiblen Sleeves sind etwas teurer (etwa 20 % mehr) als Hartschalensleeves und werden leichter beschädigt, wenn man die Platten auf dem Sleeve beschneidet. Sie benötigen laufende Reinigung, damit die kompressible Oberfläche nicht durch Farb- und Waschmittelreste verkrustet und erfordern alle zwei Jahre eine Regenerierung, da die Elastizität und Rücksprungkraft im Laufe der Zeit nachlässt.

Ganzform oder Druckplatte? 

Prinzipiell stehen zwei Druckformtypen zur Auswahl die eingeführte Druckplatte oder das Ganzformsleeve (seamless Fotopolymer Sleeve), das sich in den letzten Jahren vermehrt im Markt etabliert. Die Ganzform besteht aus einem Sleeve, dessen Oberfläche mit einem Fotopolymer oder einem Elastomer beschichtet ist, wobei eine echte Nahtlos-Beschichtung mit Flüssigpolymer derzeitig nur Asahi mit Adless anbietet. Zurzeit werden überwiegend Fotopolymerplatten, vor der Belichtung, auf ein Sleeve mit einer Klebefolie aufkalandriert, verschweißt und abgeschliffen (PoS Plate on Sleeve). Bei den Elastomeren wird das Druckbild durch eine Lasergravur erstellt, welche die nicht druckenden Flächen herausbrennt. Sleeves mit einer Fotopolymerbeschichtung können mit dem Laser direkt graviert oder es kann eine LAMS-(Laser Ablated Mask)-Schicht durch Laserstrahl bebildert (Ablation) und danach traditionell ausgewaschen werden, wobei letztere Methode derzeit überwiegt. Die druckenden Elemente werden dabei aus der zuvor aufgetragenen LAMS-Maskenschicht herausgebrannt. Bei der anschließenden Belichtung unter UV-Licht wird die freigelegte Polymerschicht als Druckelemente polymerisiert, und die nicht druckenden Flächen werden danach in einem Lösemittel- oder Wasserbad herausgewaschen  gefolgt von einer Trocknung und Nachhärtung.

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