Faltschachteln im Flexo drucken, aber die Platte nicht vergessen


Der Bedarf an Rasterwalzensleeves erhöht sich mit den verschiedenen Rasterweiten und Volumen, die passend zum Druckträger eingesetzt werden. Wasser- und UV-Farben erfordern verschiedene Rasterwalzen. Eine Druckplatte mit 60-L/cm-Rasterung erfordert Rastersleeves um 500 L/cm, wohingegen für einen 48-L/cm-Raster 360 L/cm ausreichen. Neben der Rasterfeinheit spielt auch das Volumen und die Näpfchenform eine Rolle. Für UV-Farben sollte man statt Sleeves Rasterwalzen einsetzen, weil diese durch Wasserdurchlauf temperaturkontrollierbar sind (die Druckmaschine muss dafür ausgelegt sein) die optimale Farbtemperatur für UV-Farben beträgt 30 bis 32°C. Das Volumen des Rastersleeves bestimmen vor allem der Druckformraster, der Druckträger, das Druckbild und die Farbe. Der Aufbau der Repro und die Gestaltung der Farbauszüge wird vor allem durch die Druckkennlinie der Maschine, die Auswahl an Rasterwalzen und die Zahl der Druckwerke festgelegt.

Farbauszüge. Die Farbauszüge entscheiden mit der Gammalinie weitgehendst den Druckausfall im Flexo. Der Flexo benützt im Allgemeinen mehr Farben als der Offsetdruck, was teilweise auf der bedeutend höheren Farbschichtübertragung beruht  wo der Bogenoffset vier Skalen- und zwei Schmuckfarben einsetzt, verwendet der Flexodruck meist sieben bis acht Farben, wobei der Flexo selten mit zwei Farben eine schwere Volltonfläche zu erzielen versucht.

Der Flexo ist ein Hochdruckverfahren mit einer dreidimensionalen Druckform, weswegen der Punktzuwachs größer ist als im Offset- oder Tiefdruck. Der größere Punktzuwachs, vor allem im Hochlichtbereich, wird durch eine Veränderung der Gammalinie des Farbauszuges kompensiert  im Druck erreicht man einen Tonwertumfang, der vom 4-%-Hochlichtpunkt bis zu einem 97 % offenen Tiefenpunkt geht (60 L/cm), wobei ein Verlauf ins Papierweiß wie im Offset heute noch nicht möglich ist. Die Druckplatte reproduziert zwar einen 1-%-Lichtpunkt, der jedoch im Druck als 4-%-Punkt resultiert, bedingt durch die Druckspannung, welche die Vollflächen erfordern. Ist der Lichtpunkt bei einem feinen Raster kleiner als 1 % auf der Platte, besteht die Gefahr des Punktausbruchs beim Druck oder beim Plattenwaschen.

Druck mit UV-Farben. Beim Druck mit UV-Farben ist der Punktzuwachs geringer, weil die Farbschicht bedeutend geringer ist als im konventionellen Druck und der Punkt bei der Härtung unter dem UV-Licht  schrumpft. Bei Wasser- oder Lösemittelfarben wird beim Druck auf Karton und Papier etwas vom Druckträger absorbiert deswegen ist beim Druck auf nichtsaugende Folien der Punktzuwachs etwas größer. Der Punktzuwachs kann beim Rasterdruck reduziert werden, wenn man eine Aufsplittung in Hochlicht- und Tiefenplatte vornimmt was aber die Kosten ansteigen lässt.

Fazit. Wie die Ausführungen zeigen, muss der Drucker mit den Zulieferanten von Druckfarben, Rasterwalzen, Druckformsleeves, Druckformplatten sowie Karton und den Papierfabriken detaillierte Gespräche führen, um die geeigneten Entscheidungen in der Druckvorstufe zu treffen. In der Druckvorstufe des Flexodrucks sind keine großen Kosteneinsparungen möglich, sie entstehen bei der Druckveredelung, dem Fertigmachen und der Produktion in einem Maschinendurchlauf  von der Rolle zum versandbereiten Faltschachtelstanzling. Es ist auf jeden Fall ratsam, zu Beginn die Druckform von Reprobetrieben zu beziehen, die über große Erfahrung mit verschiedenen Materialien und Produkten verfügen.

Autor: Helmut Mathes
Erschienen in DD 2/2009

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