Prinovis: Medienbruch im Proofprozess gehört der Vergangenheit an


Jürgen Freier

Schlüssige Integrationskonzepte. Inzwischen hat Prinovis große Teile seiner Rotationen schon mit den Softproofstationen ausgestattet; bis zum Jahresende sollen dann alle der mehr als 30 Maschinen über die modernen Eizo-Monitore und Softproofkabinen von Just verfügen. Das Gesamt-Investitionsvolumen liegt nach eigenen Angaben im mittleren sechsstelligen Euro-be­reich. Die einzelnen Standorte handeln dabei finanziell autark, die Planung, Umsetzung und Koordination erfolgt jedoch zentralisiert vom Standort Dresden aus, genauso wie die Softprooflösung dort schon bald als Zentralsystem aufgesetzt wird (Basis: Dalim Dialogue), sodass die einzelnen Standorte, aber auch die Kunden, direkt auf nur noch ein System zugreifen können. Voraussetzung hierfür ist natürlich eine hochperformante Hardware-Basis in Dresden. Itzehoe, Ahrensburg und Nürnberg sind inzwischen schon „gegen das Dresdner System“ gestartet. Selbst Liverpool mit dem News International-Kundensystem Karma konnte per Web-Interface angebunden werden.
Doch auch die Integration in bestehende Workflow- und Planungssoftware spielte eine entscheidende Rolle im Projekt. Dr. Wulf: „Einerseits hatten wir ziemlich harte Randbedingungen, was das Softproofsystem an Sicherheit, Abschottung aber auch Remote-Zugriffsmöglichkeiten (inkl. Logging) bieten musste. Andererseits musste es eben auch einfach zu integrieren sein. Dalim Dialogue ES hatte hier den Vorteil, dass wir im Seitenverarbeitungsworkflow schon Dalim-Produkte einsetzen, welche dadurch entsprechend leicht anzubinden waren. So setzte es sich gegen vergleichbar smarte Lösungen durch. Bei der Planungssoftware ist Prinovis eher heterogen aufgestellt, sodass wir in Itzehoe, Ahrensburg und Dresden eine Lösung namens IPS (Gruner+Jahr-Eigenentwicklung) anzubinden hatten, in Liverpool und Nürnberg wiederum war es Diso.“ Die Integ-ration der Lösungen wurde von der Prinovis-IT selbst gemeistert. Ein Systemintegrator musste nicht zu Rate gezogen werden. Was den Datenfluss betrifft, so ist das Softproof-System dazu in der Lage, gleichermaßen original Kunden-PDFs wie auch den gravierfertigen, „normierten“ Datenbestand (unabhängig von der späteren Näpfchen-Geometrie) entsprechend der Profilierungen farbrichtig für die Ab-stimmung zu visualisieren.

Komplett-Digitalisierung noch selten. Wie aber sieht die Akzeptanz auf Kundenseite aus, wo ja für dieselben Abmusterungsbedingungen und einheitliche Kalibrationszyklen bei identischer Technik gesorgt werden muss? Das Interesse ist zumindest groß: Ende 2009 startete Prinovis Dresden mit dem Auftrag „Frau im Spiegel“ (WAZ-Gruppe), zeitgleich wurde ein Testbetrieb an allen Prinovis-Standorten eingeführt. Seit April 2010 werden in Nürnberg sämtliche Zeitschriften des Wort & Bild Verlags (Apotheken Umschau A und B, Baby und Familie, Senioren-Ratgeber, Diabetes-Ratgeber und Hausarzt) über Softproof abgewickelt.
Auch mit Versandhäusern und führenden Vorstufendienstleistern wurden bereits Softproofaufträge durchgeführt; so wickeln die Versandhäuser Baur und Klingel ihre Jobs zwischen Repro, Herstellung und Einkauf bereits seit einiger Zeit ausschließlich über Softproof ab – es werden lediglich noch für den Drucker Hardproofs erstellt. Baur lässt an den Prinovis-Standorten Dresden und Nürnberg produzieren. Hier laufen aktuell Druckabstimmungen auf Softproofbasis, um auch dieses letzte Stück der Produktionskette zu digitalisieren und so den Medienbruch zu unterbinden (siehe Grafik links).
„Noch ist die Anzahl ‚komplett digitalisierter‘ Kunden eher gering“, berichtet Jürgen Freier, Geschäftsführer Vertrieb bei Prinovis. „Sie liegt im oberen einstelligen Prozentbereich. Deutlich größer ist die Zahl derjenigen Kunden, die inzwischen komplett auf eine Proofabwicklung bis hin zum Druck verzichten. Aber wir befinden uns mit Softproof auch erst am Anfang einer Entwicklung. Insofern lassen sich allgemeine Aussagen zur Akzeptanz von Kunden noch nicht wirklich treffen. Was wir allerdings beobachten ist, dass große Kunden diese Abwicklung schon mit ihren Reprohäusern fahren und deshalb sehr offen sind für diese Technologie. Hier geht es dann oft ganz schnell, quasi nur eine Frage der Abstimmung bestehender Workflows zwischen uns und dem Kunden. Bei anderen Kunden wiederum müssen wir hinsichtlich der Vorzüge von Softproof auch Überzeugungs-, manchmal sogar Aufklärungsarbeit leisten. Hat ein Kunde aber erst einmal einen Versuch mit Softproof unternommen, ist die Sache meist schnell in trockenen Tüchern.“
In der Regel läuft das wie folgt ab: Bei Periodika wird mit dem interessierten Kunden verabredet, dass man einfach mal drei bis vier Ausgaben in einem Projekt parallel mit Softproof produziert, den Kunden beim ersten Mal mit an die Maschine nimmt, damit er ein Gefühl für die Abläufe bekommt. Im Nachklapp bewerten Prinovis und Kunde dann gemeinsam die Ergebnisse mit Softproof im Vergleich zum Hardproof. Die nächsten Ausgaben sollen dann die Sicherheit bringen, dass die Qualität auch wirklich wiederholbar ist. Erst dann trifft man sich wieder und fällt die Entscheidung, ob man endgültig auf die Hardcopys verzichtet. Akzidenzkunden wie etwa die Versandhändler (Zitat Dr. Wulf: „die Katalogdrucker”) sind da wie erwähnt meist schon etwas weiter. Dort sprechen sich die neuen Möglichkeiten des Druckdienstleisters schnell rum – durchaus auch eine Chance für Prinovis, vielleicht an andere Jobs aus der jeweiligen Handelsgruppe zu kommen.

Volldigitale Abmusterung ohne Hardcopyproofs: Dr. Hans Wulf, Projektleiter Softproofing Gesamtkonzern Prinovis (r.), und Alexander Strobel, Systemadministrator bei Prinovis Nürnberg, an der Softproof- kabine am Leitstand einer der 4,32 Meter breiten Tiefdruckrotationen in Nürnberg: „Ein Tiefdrucksaal mit Hallendeckenbeleuchtung ist doch kein Repro-Studio.“

Zweigleisige Planung. Für einen gewissen Übergangszeitraum wird Prinovis weiter zweigleisig fahren müssen und denjenigen Kunden, die Hardproofs zur Kundenabnahme wünschen, diese auch anbieten. Dies wurde von Prinovis bei der Invest-Kalkulation zur Errechnung des ROI aber berücksichtigt – allerdings mit einem klaren Steigerungsplan an Kunden, die zeitnah auf Softproofing umschwenken werden. Doch dank der Katalogdrucker mit ihrem riesigen Volumen an zu proofenden Seiten liege man hier schon jetzt weit über den Erwartungen, so Dr. Hans Wulf abschließend.

Erschienen in DD 36/2010

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