Spurensicherung


Mikroskopie. Nach sorgfältiger Präparation der Schraubenbruchfläche wurde diese zunächst mit Gold bedampft, um Streuwirkungen der Metalloberfläche im Rasterelektronenmikroskop weitgehend zu vermeiden. Es bedarf dann einiger Zeit und viel Erfahrung, um an den Kern der Bruchursachen zu gelangen. Für den Spezialisten zeigte sich ein Bruchbild wie aus dem Schulbuch. Beim Bruch der Schraube handelte es sich um einen Schwingbruch, der mit einem Restgewaltbruch endet und der Schraubenkopf sich löst.

Die Mitte des Schwingbruchs zeigte im REM ein so charakteristisches Bruchbild, welches eine Auszählung der Bruchlinien erlaubte. Jede Bruchlinie gibt dabei einen Lastwechsel wieder, und jeder Lastwechsel steht für eine Zylinderumdrehung. Insgesamt fanden sich bis zum Restgewaltbruch ungefähr 34000 vorhandene Bruchlinien im Bereich der Schwingbruchfläche.

Ergebnis. Das elektronische Logbuch lieferte vom Druckbeginn bis zum Maschinenbruch eine Produktions- und Einrichtezeit von 175 Minuten. Diese Zeit entspricht sehr genau den 34000 Lastwechseln beziehungsweise Zylinderumdrehungen. Weitere Nachforschungen ergaben, dass vor Druckbeginn die Greiferleiste ausgetauscht wurde. Dabei war die gebrochene Schraube nicht ordnungsgemäß befestigt worden. Somit war die Ursache für den Maschinenbruch also eindeutig menschliches Versagen, ein Konstruktionsfehler konnte also ausgeschlossen werden. Die Versicherung musste den Schaden komplett regulieren.

Der Autor Dr. Colin Sailer, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Druckmaschinen, Offset- und Tiefdruck, berichtet in einer fortlaufenden Serie aus der Praxis. Er betreibt ein Ingenieur- und Sachverständigenbüro. ( colin.sailer@web.de; Tel.: 0 89/69 38 85 94; www.print-und-maschinenbau.de )

Erschienen in DD 8/2010

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