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Blocken von Buchdeckenbezügen im Bereich der Eckeneinschläge

Gutachten aus DD8/2017
 

Blockende Eckeneinschläge bei Buchdecken.

Für eine Buchauflage wurden die Bezüge der Buchdecken nach dem Druck mit einer OPP-Softtouch-Folie kaschiert und mit UV-Spotlackierungen versehen. Für die Herstellung der Buchdecken kam ein konventioneller Gallertleim (Kollagenklebstoff) in der Deckenmach-Maschine zum Einsatz. Die gefertigten Buchdecken wurden liegend ausgelegt und in Stapellagerung bis zur Weiterverarbeitung aufbewahrt.

Was wurde beanstandet?

Bei der Weiterverarbeitung in der Buch-Fertigungsstraße wurde festgestellt, dass die abgestapelten Buchdecken stark aneinander hafteten und bei der Trennung teilweise die Bezüge, speziell an den Eckeinschlägen aufgerissen wurden (siehe Abbildung). Für die Untersuchungen standen Bilder des Blockverhaltens der Buchdecken in der Buchbinderei und zwei Original-Buchdecken aus der Auflage zur Verfügung.

Die beiden Buchdecken waren bereits getrennt worden, so dass lediglich die aufgerissenen Einschläge im Bereich von jeweils einer Ecke beurteilt werden konnten. Eine Beurteilung des Trennverhaltens (Ablöseverhalten, Spaltung des Bezugs, Spurenanalyse auf Klebstoffreste) bei den beschädigten Decken wurde dadurch erschwert.

Untersuchungen zur Klärung der Reklamationsursachen: Bei Reklamationen, die das Blockverhalten von Buchdecken an den Einschlägen der Deckenbezüge betreffen, lassen sich folgende Ursachen vermuten:

  • Durchlässigkeit (Permeabilität) des Decken-Bezugsmaterials gegenüber dem aufgetragenen Medium (Wasser enthaltender Klebstoff) unter Druckbelastung.
  • Zu geringe Feuchtblock-Beständigkeit des Deckenbezug unter Druckbelastung und eventueller Wärmeeinwirkung.
  • Klebstoffaustritt an den Kanten und Ecken des Deckenbezugs
  • Kontamination von Maschinenteilen der Buchdeckenmaschine mit Klebstoff

Da die Deckenbezüge mit einer Folie kaschiert waren, konnte mindestens der erste Punkt der Aufstellung von möglichen Ursachen und somit die „Durchlässigkeit des Materials gegenüber dem Klebstoff“ mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Die nachfolgend aufgeführten Punkte mussten schrittweise durch entsprechende Tests untersucht werden.

Für die Prüfung der Blockstabilität lässt sich ein standardisierter Feuchtblocktest anwenden, bei dem entsalztes Wasser auf Löschkarton aufgebracht und auf die Rückseiten des zu testenden Materials gelegt wird. Die Vorderseiten der Proben werden gegeneinander gelegt und mit unterschiedlichen Belastungen (5, 10 und 100 N/cm2) beaufschlagt.

Nach 24 Stunden Lagerung unter Druckbelastung wird geprüft, ob die Proben eine Tendenz zum Anhaften gegeneinander aufweisen. Das Ergebnis des Tests zeigte, dass keine Hafterscheinungen und noch weniger eine Spaltung des Bezuges bei der Trennung der Proben verursacht werden.

Die nächsten Schritte des Tests konzentrierten sich folglich auf klebende Verunreini-gungen der Deckenbezüge durch ausgetretenen Klebstoff oder auf den Klebstoffübertrag von verschmutzten Maschinenteilen auf deren Oberflächen.

Die Buchdecken wurden mit einem Digitalmikroskop im Bereich der aufgerissenen Eckeneinschläge auf die Sichtbarkeit von Klebstoffresten untersucht. Aufgrund der farbintensiven, dunklen Rastertonflächen der Deckenbezüge war jedoch die Erkennbarkeit von eventuell ausgetretenem Klebstoff problematisch. Die Makroaufnahmen der Einschläge machten jedoch deutlich, dass die Blockerscheinungen unmittelbar von den Kanten der Einschläge ausgingen. In unmittelbarer Nähe des Randbereiches von Eckeinschlägen ist die Außenseite der Folienkaschierung aufgerissen. Dadurch bestand der Hinweis, dass entlang dieser Linie eine Klebrigkeit vorlag, die im Stapel zu dem Blocken führte.

Die Schneidkanten der Deckenbezüge wurden hierauf mit einer speziellen Lösung benetzt, mit der sich Farbreaktionen an Eiweißstoffen (Kollagen), Stärke und Zellulose ergeben. Eine Blindprobe mit dem Reagens erfolgte auf den freien Flächen des Gallertleims im Bereich der Buchfälze, wobei sich eine intensive rotbraune Färbung zeigte, die für Kollagen typisch ist. Die gleiche Reaktion ließ sich im Bereich der „eingeknipsten“ Eckeinschläge der Buchdecken beobachten.

An den Eckeinschlägen mit den Blockerscheinungen ließ sich auch bei längerer Druckbelastung mit einem angefeuchteten Finger eine schwache Restklebrigkeit feststellen, mit der sich die aufgerissenen Eckeinschläge bei einer Ablösung des Fin-gers mit anheben lassen. Die vorgenommenen Untersuchungen belegen, dass auch auf der Folienseite der Deckenbezüge Klebstoffreste und somit eine gewisse Klebrigkeit vorhanden ist, die bei einer Stapellagerung in Verbindung mit Restfeuchtigkeit des Gallertleimes zu den Blockerscheinungen beigetragen hat.

Fazit aus den Untersuchungen und Abhilfemaßnahmen zur Vermeidung des  Blockens:

  • Die Feucht-Blocktests und die Tests nach der vollständigen Austrocknung der Proben unter erhöhter Temperatur belegen eindeutig, dass die eingesetzte Kaschierfolie keine Klebrigkeit der Oberfläche aufweist, die zu einem Blocken beitragen würde. 
  • Die mikroskopischen Untersuchungen der Blockstellen liefern Hinweise, dass nur an den Schnittkanten von einigen Eckeinschlägen der Bezüge eine Blocktendenz vorliegt. Von diesen Stellen ausgehend, wird das Papier des Deckenbezuges aufgerissen.
  • Durch Farbreaktionen bei Einsatz eines Reagens wird deutlich, dass auch entlang der Schnittkanten der Einschläge in unmittelbarer Nähe der Blockerscheinungen ein Austritt von Gallertleim bei der Deckenherstellung aufgetreten ist.
  • Bei Druckbelastung der blockenden Eckeinschläge mit feuchten Fingern lässt sich ebenfalls noch eine geringe Restklebrigkeit feststellen.  

Der Gutachter 

Peter Stadler ist freier Berater (Firma Info Star, München) und ehemaliger Abteilungsleiter der Abteilung Druckweiterverarbeitung, Druckpapier und ID-Kartenprüfung bei der Fogra.

infostar@stadler-muenchen.de

Tel. 0 89/74 10 00 23

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