Feuer im Trockner durch falsche Handhabung beim Gummituchwaschen


In modernen Heißlufttrocknern herrschen Trocknungstemperaturen bis zu 320°C. Gemische brennbarer Gase oder Dämpfe mit Luft sind innerhalb eines bestimmten Konzentrationsbereichs generell explosionsfähig. In vorliegendem Brandfall war dieser Konzentrationsbereich nahe der unteren Explosionsgrenze (UEG). Im Trockner sollen 85% der eingesetzten Öle aus Waschmitteln und Heatset-Farbe verdampfen. Die Temperaturen dieser Dämpfe liegen teilweise deutlich über den Flammpunkten der enthaltenen Mineralöle und Lösemittel in den Waschmitteln und Druckfarben, sodass ausreichend brennbare/ explosible Gase im Inneren des Trockners frei­gesetzt werden.

Im normalen Produktionsbetrieb ist der Abluftvolumenstrom im Trockner so groß, dass sich im Inneren des Trockners keine gefährlichen, explosionsfähigen Lösemitteldampf-/Luftgemische bilden können. Üblicherweise liegen die Lösemittelkonzentrationen unterhalb von 25% der unteren Explosionsgrenze und sind somit un­gefährlich.

Bei manuellem Waschen der Gummitücher ist hingegen der Abluftvolumenstrom im Trockner nicht gesteuert/geregelt. Beim Tipp-Betrieb gelangt Waschmittel auf die Papierbahn und diese in den Trockner. Es entsteht dort ein zündfähiges/explosibles Lösemittel-/Luftgemisch im Bereich der unteren Explosionsgrenze (UEG).

Schlussfolgerung

Zwischen Durchlauftrockner und Gummituchwaschanlagen besteht eine problematische Schnittstelle. Grundsätz­lich dürfen manuell durchgeführte Waschvorgänge an den Gummitüchern nicht bei eingezogener Papierbahn durchgeführt werden. Diese Betriebsstellung des manuellen Gummituch-Reinigens verbieten alle Rollendruckmaschinenhersteller in ihren Bedienungshandbüchern.  

Der Autor 

Der Autor Dr. Colin Sailer, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Druckmaschinen, Offset- und Tiefdruck, berichtet aus der Praxis. Er betreibt ein Ingeni­eur- und Sachverständigenbüro. 

E-Mail: colin.sailer@web.de
Tel.: 089/69388594
www.print-und-maschinen­bau.de

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