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Gutachterfall: Nicht ausgehärtete UV-Tinte sorgt für fehlerhafte Werbebanden

Ein Gutachter berichtet aus der Praxis
 

Abbildung 1: Druckmuster mit Wassereinwirkung 30 Minuten (rote Markierungen).

Eine Druckerei bedruckte Werbebanden für den Außeneinsatz mit UV-Tinten auf einem großformatigen Tintenstrahldrucker. Diese Werbebanden sind für Großveranstaltungen konzipiert. Nach jeder Veranstaltung werden sie mit dem LKW ins nächste Stadion transportiert und dort wieder aufgebaut. Bereits nach dem ersten Umzug zeigten sich deutlich sichtbare und lokal unterschiedliche Verblassungen.

Die Verblassungen traten bei den bedruckten Flächen auf, vor allem bei hoher Farbdeckung. Die Analysen mit dem Maschinenhersteller des UV-Drucksystems erbrachten keinerlei Erkenntnisse. Auch zeigte sich der Maschinenhersteller äußerst unwillig, diese drucktechnischen Probleme anzugehen, sodass die Druckerei selbst auf Fehlersuche ging. Unser Sachverständiger wurde damit beauftragt, die notwendigen Untersuchungen vorzunehmen und die Ergebnisse in einem Sachverständigengutachten niederzuschreiben. Man wollte vor allem wissen, wer für den Schaden im höheren fünfstelligen Euro-Bereich verantwortlich zu machen ist, und des Weiteren war eine Lösung für die Zukunft gefragt, damit diese Mängel nicht mehr auftreten.

Ortstermin 

Zunächst wurde in der Druckerei die Funktion und der technische Zustand des UV-Tintenstrahldrucksystems detailliert in Augenschein genommen. Dabei wurden auch Banden genauso gedruckt, wie die reklamierten Banden bedruckt wurden. Auch UV-Drucktinte aus der gleichen Charge wurde bei den Testproduktionen verwendet. Die Lagerung dieser Drucktinte erfolgte korrekt in UV-Schutzfolienbehältern und auch das angegebene Verfallsdatum war noch lange nicht erreicht. Die Oberflächenspannungen der zu bedruckenden Materialien lagen ebenso im empfohlenen Bereich, sodass ein ausreichendes Haften der Tinten am Substrat gewährleistet war.

Während des Ortstermins wurde mit Hilfe von UV-Teststreifen von Tesa die UV-Bestrahlungsleistung der UV-Strahler in der Druckmaschine gemessen. Dabei wurde mit denselben Einstellungen am Drucker wie beim Drucken selbst bestrahlt (UV-Leistungseinstellung am Drucker = 16, Trocknung mit einem Strahler, 2-Pass-Mode). Die Auswertung der UV-Teststreifen sofort nach der Bestrahlung ergab folgende Ergebnisse:

  • Streifen 1: 206 mJ/cm²,
  • Streifen 2: 224 mJ/cm²

Diese gemessenen Strahlerleistungen der UV-Strahler des Drucksystems liegen oberhalb des für die einwandfreie Aushärtung der verwendeten UV-Tinten erforderlichen Grenzwertes.

Mangelhafte Druckprodukte 

Die beim Ortstermin hergestellten Druckprodukte wurden im Labor untersucht. Zunächst erfolgte praxisgerecht die Simulation des Einflusses von Staunässe. Dafür wurden auf die ebenen Platten geringe Mengen Laborwasser (Wasser mit definierter deutscher Härte von 10°) aufgebracht (siehe Abbildung 1). Nach etwa dreißig Minuten wurden diese Wasserlachen mit Hilfe eines Laborsaugers abgesaugt, um mechanische Einwirkungen auf die bedruckten Bereiche zu vermeiden.
Deutlich erkennbar sind die Verblassungen an den Bereichen, wo die Staunässe vorhanden war (siehe Abbildung 2).

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Leserkommentare (1)

Jan Lukat | Dienstag, 10. März 2015 12:26:03

Nicht ausgehärtete UV-Tinte sorgt für fehlerhafte Werbebanden

Ich kenne dieses Verhalten – doch leider ist die Lampenstärke nicht alleine für die Aushärtung verwantwortlich. Bei uns hier vor Ort nimmt die Stärke der Lampe ab einem gewissen Zeitpunkt auch über Monate hinweg nicht mehr ab, aber die Trocknung lässt nach. Da muss also noch etwas anderes sein – die Wellenlänge des Lichtes ändert sich vielleicht?

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