Qualitätsmängel bei einer Festbandauflage


Es waren keine besonderen Qualitätsmerkmale vereinbart, lediglich bestand die Übereinkunft, dass ein vier Jahre vorher hergestellter vergleichbarer Herstellerkatalog als qualitativer Maßstab gelten sollte. Es war folglich das branchenübliche Qualitätsniveau für industriell gefertigte Druck- und Bindeerzeugnisse einzuhalten. Die genannten Fehlerarten waren weder in ihrer Wirkung auf das konkrete Erzeugnis gewichtet, noch deren Häufigkeit anhand einer statistisch gesicherten Stichprobengröße bestimmt worden.
Unter diesen Umständen war eine Annäherung der konträren Standpunkte beider Parteien nicht zu erwarten.
Untersuchungen. Deshalb wurde nach DIN 2859 der statistisch gesicherte Stichprobenumfang abhängig vom Losumfang 28050 Exemplare nach allgemeinem Prüfniveau mit 315 Exemplaren festgelegt und aus der Gesamtauflage zufällig entnommen. In DIN 55350 sind vier Fehlerklassen definiert und bezogen auf grafische Erzeugnisse gilt folgende Unterteilung: Kritische Fehler (K), die für den Benutzer unsichere oder gefährliche Situationen bewirken; Hauptfehler (A), die das Produkt für den vorgesehenen Zweck unbrauchbar machen; Hauptfehler B (B), die die Brauchbarkeit des Produktes für den vorgesehenen Zweck stark ändern; Nebenfehler (C), die die Brauchbarkeit des Produktes für den vorgesehenen Zweck nur wenig beeinträchtigen.

In der Prüfrichtlinie Bücher, herausgegeben vom Institut für rationale Unternehmensführung in der Druckindustrie (IRD), werden die Fehlerarten den Fehlerklassen zugeordnet. Mehrere Prüfpersonen erfassten die Häufigkeit der Fehlerarten in der gesamten Stichprobe, die als prozentualer Anteil, bezogen auf die Stichprobenmenge, dargestellt wurden.

Aus- und Bewertung

Die Auswertung ergab, dass als Hauptfehler A die starke Wellenbildung der Seiten im Imageteil bei 7% der Stichprobe (siehe Abbildung) und starke Kratzer auf der Buchdecke bei 6% der Stichprobe auftraten. Alle anderen Fehler waren den Fehlerklassen B und C zuzuordnen und wiesen unterschiedlich große Häufigkeiten von 51% bis 6% der Stichprobe auf. Dabei sind die Welligkeit, Flecken in den lackierten Bildern, fleckiger Lack sowie Ablegen und flächiges Karbonieren hinsichtlich der Häufigkeit groß. Sie beeinträchtigen das Erscheinungsbild und damit die vom Auftraggeber gewünschte Imagewirkung. Der Gebrauchswert als Katalog wird dadurch nicht eingeschränkt. Da innerhalb der Stichprobe mehrere Fehler unterschiedlicher Fehlerklassen auftraten, waren für die Bewertung über die Zurückweisung nur die Hauptfehler A heranzuziehen. Die Häufigkeit dieser Hauptfehler rechtfertigte nicht die Zurückweisung der gesamten Auflage. Dafür sprachen insbesondere wirtschaftliche Überlegungen.

Fazit

Diese statistisch gesicherte Bewertung von Druck- und Weiterverarbeitungsfehlern ist gut geeignet, konträre Standpunkte anzunähern. Im vorliegenden Fall führte das zu einer Kompromisslösung. Der dabei notwendige Aufwand ist aber nur bei großen Streitwerten gerechtfertigt.

Autor: Dr.-Ing. Peter Hofmann. Der Sachverständiger für Druckmaschinen und Druckverfahren, berichtet aus der Praxis. Er ist im Sächsischen Institut für die Druckindustrie (SID) Leipzig tätig.

Kontakt:
hofmann@sidleipzig.de
Tel.: 03 41/25 94 20
www.sidleipzig.de

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