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Schlechte Laufleistung von Belegen am Laserdrucker – Was ist die Ursache?

Ein Gutachter berichtet aus der Praxis
 

(Abb. 1) Mikroaufnahmen der Perforation: streitgegenständliche Lieferung (l.), Nachproduktion (r.)

Der Beweis­beschluss, welcher der Ausarbeitung des Gerichtsgutachtens zugrunde lag, lautete: „…ob die vom Kläger gelieferten Rechnungsformulare DIN A3 bei Lieferung mit einem Sachmangel behaftet waren, d. h. ob sich die Rechnungs­formulare für die gewöhnliche Verwendung in Laserdruckern eigneten und eine Beschaffenheit aufwiesen, die bei Sachen der gleichen Art üblich ist und der Käufer nach Art der Sache erwarten kann.“ Was lag vor?

Der Grund für die Beanstandung der Beklagten war, dass die vom Kläger erworbenen, vorgedruckten und perforierten Rechnungsformu­lare in handelsüblichen Laserdrucksystemen nicht zu verarbeiten waren, da bereits nach kurzer Laufzeit Stopper und Papierstau auftraten. Der Kläger wies jegliche Schuld von sich und vermutete die Ursachen der Probleme in einer nicht sachgerechten Lagerung der Formulare oder in nicht sachgemäßer Bedienung der Druck­systeme.

Visuelle Untersuchungen

Zur Untersuchung wurden die streitgegenständlichen Rechnungsformulare und Formulare einer nicht beanstandeten Nachproduktion vorgelegt. Messungen der relativen Papierfeuchte an diesen Mustern ergaben für beide Produktionen rela­tiv hohe Feuchtigkeitswerte im Bereich von etwa 64 % rel. Feuchte. Bei freier Lagerung der Formulare aus beiden Lieferungen im Normklima bei 50 % rel. Feuchte und 23 °C und im trockenen Klima waren jedoch keine Verspannungen oder klimabedingte Verformungen im Papier zu erkennen.

Durch die vorstehenden Untersuchungen konnte somit vorab geklärt werden, dass das Papier an sich, welches für den Druck der streitgegenständlichen Rechnungsformulare eingesetzt wurde, keinen herstellungsbedingten Verspannungen aufweist, was zu Laufproblemen im Laserdrucker führen könnte.

Mikroskopische Untersuchungen

Die streitgegenständlichen Rechnungsformulare und die Formulare der Nachproduktion weisen in Längs- und in Querrichtung Perforationen auf, um ein Rechnungsformular, ein Bestellformular und einen Rücksendeschein aus dem DIN-A3-Format heraustrennen zu können. Untersuchungen unter dem Mikroskop zeigten, dass die Perforationen bei der streitgegenständlichen Lie­ferung im Schnitt/Steg-Verhältnis 2 : 1 und die Formulare der Nachproduktion mit einer Mikroperforation produziert wurden (Abbildung 1).

Papiertechnische Checks

Für einen problemlosen Papiertransport im Laserdrucker ist ein gewisses Maß an Steifigkeit Voraussetzung. Um prüfen zu können, ob die streitgegenständlichen Rechnungsformulare störungsfrei bedruckt werden können, erfolgten an vier verschiedenen Laserdrucksystemen Druckversuche. Dazu wurden die streitgegenständlichen Formulare zunächst in der Hälfte, also auf DIN A4 geteilt. Dadurch liefen die A4-Formulare mit richtiger Laufrichtung, also in Schmalbahn und ohne Perforation durch die Laserdrucker.

Dieser Testlauf verlief bei allen Systemen störungsfrei. Es konnte somit geklärt werden, dass die streitgegenständlichen Formulare eine generelle Lasereignung aufweisen. Beim Test im A3-Format zeigten die streitgegenständlichen Formulare jedoch auf allen Laserdrucksystemen bereits nach kurzer Zeit Produktionsstopps wegen Papierstau. Die nachproduzierten, nicht beanstandeten Formulare im A3-Format konnten dagegen auf allen Laserdrucksystemen problemfrei verarbeitet werden.

Ursachenbestimmung

Abb. 2: Freies Hängen der Belege über eine Kante

Nach den durchgeführten Untersuchungen und Beobachtungen konnte als Ursache für die Laufstörungen der streitgegenständlichen Formulare an den Laserdrucksystemen genannt werden, dass offensichtlich bei der Produktion der streitgegenständlichen Exemplare eine ungünstige Verkettung von mehreren Faktoren aufgetreten ist.

Die Perforation im Schnitt/Steg-Verhältnis 2:1 führt möglicherweise zu mechanischen Verzahnungen im Stapel der streitgegenständlichen Formulare, was zu Laufstörungen führen kann, weil sich die Einzelblätter nicht richtig trennen. Weiterhin wird die Steifigkeit des Papiers in der Richtung, wie die Belege den Verarbeitungsgeräten zugeführt werden, durch die gewählte Perforationsart herabgesetzt. Die gewählte Faserlaufrichtung des Papiers der streitgegenständlichen Formulare in Breitbahn sowie die im Vergleich zum Papier des Nachdrucks geringere Steifigkeit führt hauptsächlich in Verbindung mit der oben genannten Ausführung der Perforation zu den Laufproblemen.

Die Frage des Beweisbeschlusses (siehe Vorspann) konnte dahingehend beantwortet werden, dass die streitgegenständlichen Rechnungsformulare in der Beschaffenheit, wie sie von der Klägerin geliefert wurden, auf gängigen Digitaldrucksystemen nicht verarbeitbar sind und somit nicht die übliche Beschaffenheit aufweisen, die von einem Käufer nach Art der Sache erwartet wird. Eine nicht sachgerechte Lagerung der streitgegenständlichen Rechnungsformulare oder nicht sachgerechte Bedienung der Digitaldrucksysteme seitens der Beklagten konnte ausgeschlossen werden.

Der Gutachter 

Michael Kirmeier, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für die Qualitätsbeurteilung von Druckerzeugnissen, betreibt ein Sachverständigenbüro in München und ist für die Firma Prüfbau tätig.

mk@druckgutachten.de
Tel. 089/62 26 94 03
www.druckgutachten.de

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