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Süßes Druckprodukt: Beim Inkjetdruck auf Schokolade Verarbeitungsbedingungen einhalten

Ein Gutachter berichtet aus der Praxis

Abbildung 1: Schokoladentafel und Lutscher – im Inkjetverfahren bedruckt.

Ein Schokoladenfabrikant, der auf handwerklichem Wege tafel- und scheibenförmige Schokoladenteile herstellt, will diese vierfarbig bedrucken. Er kauft eine Spezialdruckmaschine und stellt nach der Inbetriebnahme fest, dass seine Erwartungen hinsichtlich Druckqualität und Leistung nicht erfüllt werden.

Er klagt gegen den Maschinenhersteller und fordert eine Rück­abwicklung der Kaufhandlung. Der berichtende Sachverständige sollte die unbefriedigenden Ergebnisse dokumentieren und die Ursachen dafür benennen.

Darstellung der Situation

Der Kläger kaufte eine Spezialdruckmaschine, die zur Bebilderung Druckköpfe nach der Drop-on-Demand-InkJet-Technologie verwendet. Die Farben auf Wasserbasis müssen den strengen Bestimmungen für Lebensmittel genügen und unterscheiden sich erheblich von normalen Tinten für den Inkjetdruck. Der Kläger traf seine Kaufentscheidung anhand von Abbildungen bedruckter Schokoladenteile, die gleichzeitig als Maßstab für die zu erreichende Druckqualität dienen sollten (Abbildung 1).

Bei der Inbetriebnahme mit handgefertigter Schokolade des Klägers traten folgende Mängel auf: Die Farbe spreitet nicht über die zu bebildernde Fläche, die Oberflächenspannung bewirkt ein Zusammenziehen der Farbe, was zu einem regelrechten Farbumschlag führt. Die Tafeln sind nicht gleichmäßig dick und in sich nicht planparallel. Die dadurch unterschiedlichen Abstände zwischen Druckkopf und Substratoberfläche führen zu nicht gleichmäßigem Ausdruck. Dickenunterschiede von ± 1mm werden durch das Inkjet-Druckverfahren toleriert. Die zu bedruckenden Teile zeigten erhebliche Abweichungen von diesen Toleranzen. Die Stückleistungen entsprachen nicht den Erwartungen, weil das manuelle Be- und Entladen der Maschine leistungsbegrenzend wirkt.

Bei der Ortsbesichtigung sollte die Maschine, die über mehrere Monate unbenutzt war, wieder in Betrieb genommen werden. Das erfolgte durch Personal des Herstellers ohne größere Probleme. Das Be- und Verdrucken der vom Kläger selbst gefertigten weißen Schokolade gestaltete sich schwierig. Die Dickenunterschiede innerhalb der Tafeln betrugen bis zu vier Millimeter und außerdem waren die Oberflächen nicht planparallel. Industriell gefertigte Tafeln waren hinsichtlich der Dickentoleranz günstiger.

 
 

Abbildung 2: Unterschiedliche Farbannahme.

Die handwerklich gefertigten Schokoladenteile stellen aus Sicht des Klägers ein Alleinstellungsmerkmal dar, wovon er nicht abweichen will. Nur mit größerer Genauigkeit der handwerklichen Herstellung lässt sich dieser Mangel beseitigen. Das Benetzungsverhalten der Farben ist bei den vom Kläger hergestellten Schokoladenteilen schlecht und bei den industriell hergestellten Tafeln auch nur befriedigend. Abbildung 2 zeigt die unterschiedliche Farbannahme bei vom Kläger hergestellten Tafeln.

Die Versuche anlässlich des Ortstermins belegten die Feststellungen bezüglich Druckqualität und erreichbare Stückleistungen. Um im Digitaldruck Schokoladenteile erfolgreich zu bedrucken, sind die Farben zu optimieren, ist die Form der Teile zu verbessern und für die Druckmaschine eine rationelle Zu- und Abführung der Teile zu schaffen.

Fazit

Es handelt sich um ein klassisches Beispiel der Anwendung von Druckverfahren als Teil eines Verarbeitungsprozesses, der nicht der grafischen Technik zugerechnet werden kann. Die dabei auftretenden Probleme sind größtenteils verfahrenstechnischer Natur und weniger bedingt durch die verwendeten Maschinen. Der Kläger wollte und konnte nicht die erforderlichen Veränderungen vornehmen und war deshalb bestrebt, den Kauf rückgängig zu machen.

Problemfälle aus grafischen Betrieben 

Dr.-Ing. Peter Hofmann, Sachverständiger für Druckmaschinen und Druckverfahren, berichtet aus der Praxis. Er ist im Sächsischen Institut für die Druckindustrie (SID) Leipzig tätig.
E-Mail: hofmann@sidleipzig.de
Tel.: 03 41/25 94 20
www.sidleipzig.de

Erschienen in DD22/2014

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