Was ist die Ursache von Klebestörungen bei Büchern mit Fadenheftung?


Durch weitere Tests der Bücher in einem Klimaschrank, bei dem die gebundenen Bücher für den Zeitraum von einigen Wochen leicht erhöhten Temperaturen von 40 °C ausgesetzt wurden, konnte diese Wechselwirkung bestätigt werden. Bei Tests im wöchentlichen Abstand wurde eine zunehmende Erweichung des Hotmelts ersichtlich. Teilweise traten Auswanderungen von Wachsen aus dem Klebstoff auf, die sichtbare, fettig aussehende Flecken an dem Hinterklebematerial und Vorsatz bildeten. Die Tests haben gezeigt, dass lediglich das „alte Problem der Wechselwirkungen Druckfarbe/Hotmelt im neuen Kleid einer Two-Shot-Bindung“ versteckt, auftrat.

Fazit aus den Untersuchungen

Entsprechend der oftmals vertretenen Ansicht von Buchbindereien wird durch die Beleimung des Buchrückens mit der wässrigen Klebedispersion vor dem Auftrag von Hotmelts eine Sperrschicht gebildet. Die Hotmelt-Komponente des Systems steht somit nicht mit dem farbintensiv bedruckten Buchblock in unmittelbarem Kontakt. Weiterhin besteht in vielen Buchbindereien auf breiter Basis die Meinung, dass mit dem Einsatz von mineralölfreien Druckfarben das früher bekannte Problem der „Wechselwirkungen von Hotmelts und Mineralölen“ abgeschafft wäre.

Das über lange Zeit verstärkt vorhandene Problem dieser Wechselwirkungen wurde durch die Entwicklung der Hotmelts auf Basis von PUR für die Klebebindung beseitigt. Dadurch entsteht der Eindruck, die Problematik von möglichen Wechselwirkungen kommt zunehmend in Vergessenheit.
Es gilt jedoch nach wie vor, dass in Verbindung mit farbintensiven Abbildungen oder Vollflächendrucken, die im Bogenoffsetverfahren erstellt wurden, Klebestörungen auftreten können, wenn EVA-Hotmelts eingesetzt werden. Durch die in den Druckfarben enthaltenen Öle wird eine beschleunigte Alterung von EVA-Hotmelts, verbunden mit Klebestörungen und Erweichung des Systems, herbeigeführt. Ein Unterschied zwischen verschiedenen Herstellern und somit ein Qualitätsmerkmal für die EVA-Hotmelts lässt sich bei diesen Reaktionen in keinem Fall feststellen. Nach dem Prinzip „gleiches löst gleiches“ in der Chemie werden auf Kohlenwasserstoffen basierende Hotmelts von allen Ölen, die ebenfalls auf Kohlenwasserstoffen beruhen, geschädigt.  

Druckfarben für den Offsetdruck enthalten Mineralöle oder alternative Öle (Fettsäureester), die bei der Druckfarbenherstellung als Lösemittel für die Harze eingesetzt werden. In der gelösten Form dienen die Harze als Bindemittel für die Pigmente der Druckfarbe auf den Papieroberflächen. Reste der Öle verbleiben auf Dauer innerhalb der Druckfarbenschicht und in dem Papiergefüge. Diese Öle sind jedoch nicht fest an eine bestimmte Phase (Papier oder Farbschicht gebunden) und können innerhalb dieser Phasen nahezu beliebig wandern. Sowohl der direkte Kontakt oder der indirekte Kontakt zwischen Bogenoffest-Druckfarben und konventionellen Hotmelts über einen Dampfraum innerhalb von geschlossenen Verpackungen und umhüllten Paletten kann zu Klebstoffveränderungen beitragen. Selbst Aussparungen im Bereich des Bundsteges können sich als nutzlos erweisen, da durch die Chromatographie-Wirkung (Saugverhalten) der Papiere die Öle bis zu den Formaträndern wandern können. Eine Überlackierung des Druckes mit wässrigem Dispersionslack oder der Einsatz eines Dispersionsklebstoffes als Primer vor dem Auftrag von Hotmelt stellt keine Sperrschicht dar, die Wechselwirkungen unterbinden könnte. Durch diese Verfahren wird die Wirkung der Drucköle auf den EVA-Hotmelt lediglich verzögert.

Problemlösung

Als Problemlösung für die Ableimung von Buchblöcken mit hoher Druckfarbenbelegung in den Buchfertigungsstraßen dient somit lediglich das bewährte Verfahren der Ableimung mit Dispersion, Hinterklebung und Dispersionsbeleimung oder der eventuelle Einsatz einer Gallerte.
Wie die vergangene Drupa zeigte, bestehen in den Buchfertigungsstraßen vielfältige Möglichkeiten des Klebstoffeinsatzes für kritische Produkte, die sich auch auf PUR-Hotmelts erstrecken.

Problemfälle in grafischen Betrieben 

Der Autor Peter Stadler ist freier Berater (Firma Info Star, München) und ehemaliger Abteilungsleiter der Abteilung Druckweiterverarbeitung, Druckpapier und ID-Kartenprüfung bei der Fogra.
E-Mail: infostar@stadler-muenchen.com
Tel. 0 89/74 10 00 23

Erschienen in DD18/2016

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