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Was passieren kann, wenn Zylinderschäden nicht versichert sind

Ein Gutachter berichtet aus der Praxis
 

Abbildung 1: Pusteln an der Zylinderoberfläche.

In der Schadensmeldung einer Druckerei an die Maschinen­bruchversicherung stand, dass an mehreren Plattenzylindern der Bogendruckmaschine Korrosionsschäden entdeckt wurden. Ein von der Versicherung beauftragter erster Sachverständiger stellte fest, dass die in der Druckerei verwendeten Verbrauchsmaterialien für die sichtbaren Korrosionsschäden verantwortlich seien.

Der Versicherer hatte jedoch Bedenken. Er glaubte der Feststellung des ersten Sachverständigen, dass die Schäden durch Komponenten wie Feuchtwasserzusätze, Alkoholersatzstoffe und möglicherweise auch Waschmittel hervorgerufen worden sein sollen, nicht und beauftragte unseren Sachverständigen mit der Erstellung eines zweiten Sachverständigengutachtens.
Mit dem vorliegenden Gutachten des Erst-Sachverständigen sollte sich unser Gutachter im Vorfeld auftragsgemäß detailliert auseinandersetzen, um dann gemeinsam mit der Versicherung die weitere Vorgehensweise abzustimmen.

Erstgutachten

Im Erstgutachten ist von sichtbaren Korrosionsprodukten mit den entsprechenden farblich typischen Veränderungen auf den Oberflächen der Plattenzylinder die Rede. Daraus resultierend zieht er den Schluss, dass hierfür ausschließlich die eingesetzten Betriebs­chemikalien verantwortlich sein können. Analytische Untersuchungen der Betriebschemikalien hinsichtlich ihres Korrosionspotenzials mit den entsprechenden Vergleichen der vom Maschinenhersteller zugelassenen Grenzwerte wurden vom Erstgutachter nicht durchgeführt.

Er zieht in seinem Sachverständigengutachten lediglich den nicht nachvollziehbaren Schluss, dass die vorhandenen Korrosionsspuren auf den Zylinderoberflächen durch die eingesetzten Verbrauchschemikalien verursacht wurden.
Aus Kenntnis unseres Sachverständigen sind die Zylinderoberflächen jedoch mit einer thermischen Spritzschicht bei der Zylinderherstellung versehen, welche aus einem rostfreien Stahl besteht. Der Chromgehalt dieser metallischen Spritzschicht liegt bei etwa 16%, sodass diese Spritzschicht selbst niemals korrodieren kann. Die Ausführungen und Begründungen im Erstgutachten sind falsch.

Betriebschemikalien

Zunächst wurden von allen eingesetzten Betriebschemikalien der Druckerei Proben gezogen, um diese im Labor hinsichtlich ihres Korrosionsverhaltens zu untersuchen. Es zeigten sich keinerlei Auffälligkeiten, alle relevanten Werte, wie Massenabtrag, Korrosionsnarben und elektrochemisches Verhalten waren unterhalb der zulässigen Grenzwerte.
Somit ist nochmals verifiziert, dass niemals die auf den Zylinderoberflächen vorhandenen Korrosionsspuren durch die Betriebschemikalien verursacht werden konnten.

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