Was passieren kann, wenn Zylinderschäden nicht versichert sind


 

Abbildung 2: Pustel ähnliches Aussehen (50-fach vergrößert) mit eingelagerten Korrosionsprodukten.

Begutachtungen vor Ort

Bei den durchgeführten Begutachtungen vor Ort konnten von unserem Sachverständigen zahlreiche Korrosionsspuren an den Kanalkanten der Zylinder festgestellt werden (Abbildung 1). Mit Hilfe eines Digitalmikroskops wurden Vergrößerungen aufgezeichnet (Abbildung 2). Deutlich erkennbar ist der runde Verlauf der Pustel ähnlichen Erhebung. Im Kernbereich dieser Pustel sind rötliche Produkte erkennbar. Es handelt sich um Korrosionsprodukte, wie auch die weiteren labortechnischen Auswertungen zeigen.

Laboruntersuchungen

Von einem stark beschädigten Zylinder wurden Proben aus der Schicht genommen und im Labor mit Hilfe des Rasterelektronenmikroskops untersucht. Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass die Löcher aus der Probenentnahme vor Ort wieder mit Hilfe der Tampongalvanik verschlossen wurden, damit der Kunde weiter produzieren kann.

Die Untersuchungen von zahlreichen Querschliffen der entnommenen Proben erbrachten das Ergebnis, dass die Pusteln und die eingelagerten Korrosionsprodukte vom Zylindergrundkörper verursacht wurden. Der Zylindergrundkörper besteht aus einem nicht rostfreien, niedrig legierten Stahl. Der metallische Schichtaufbau der thermischen Spritzschicht ist nicht hinreichend dicht, sodass Betriebschemikalien kontinuierlich durch diesen Schichtaufbau gepresst werden, um dann allmählich den Zylindergrundkörper korrosiv zu beaufschlagen. Die dort entstandenen Korrosionsprodukte heben die metallische Deckschicht an und dringen durch die offene Porosität der Deckschicht wieder an die Oberfläche der Zylinderbeschichtung.

Erhebliche Schäden an den Zylindern sind vorhanden, da diese Zylinder ausgetauscht werden müssen. Tampongalvanische Reparaturen sind nachhaltig nicht möglich. Es wird immer wieder zu den Pusteln im Schichtaufbau kommen, da die thermische Spritzschicht beim Maschinenhersteller nicht korrekt nach Stand der Technik aufgebracht wurde. Fertigungs- bzw. Konstruktionsfehler beim Maschinenhersteller sind die Ur­sache für die vorhandenen Korrosionsschäden.

Versicherung

Schäden aufgrund von Fertigungs- bzw. Konstruktionsfehlern des Maschinenherstellers werden nach den Versicherungsbedingungen nicht reguliert, sind also grundsätzlich nicht versichert. Die Versicherung wird diese Schäden nicht bezahlen und auch weitere derartige Schäden als nicht versichert deklarieren. Es wurde der Druckerei empfohlen, Regress beim Maschinenhersteller zu nehmen.

Problemfälle aus grafischen Betrieben 

Der Autor Dr. Colin Sailer, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Druckmaschinen, Offset- und Tiefdruck, berichtet aus der Praxis. Er betreibt ein Ingeni­eur- und Sachverständigenbüro.

E-Mail: colin.sailer@web.de
Tel.: 089/69388594
www.print-und-maschinen­bau.de

Erschienen in DD32/2012

Seite « 1 | 2
Anzeige

Firmen-Suche


Weiterempfehlen Drucken Heft-Abo

Leserkommentare

Noch keine Kommentare. Geben Sie den Ersten ab!

print.de-News jetzt auch per Whatsapp

Druck&Medien Awards 2017 - die Gewinner

Die besten Events von print.de – Jetzt Tickets ordern!

Jetzt NEU

Die print.de-Karte der wichtigen Branchenkontakte

Mehr Details zu den einzelnen Anbietern in Ihrer aktuellen Ausgabe des Deutschen Druckers unter Service/Das Branchenverzeichnis A-Z
mehr

Top-Themen

Geschäftsführer Christian Aumüller (Aumüller Druck) hinterfragt den ökologischen Sinn von Forstwirtschaftszertifikaten für Druckereien.

"Fürs FSC/PEFC-Zertifikat werden Druckereien ordentlich gegängelt!"

Am Rande eines Interviews mit „print.de“ über das Engagement der Industriedruckerei Aumüller Druck in Regensburg in Sachen betrieblicher Umweltschutz berichtete Geschäftsführer Christian Aumüller über seine jahrelangen Praxiserfahrungen mit der FSC/PEFC-Zertifizierung und hinterfragt deren Sinnhaftigkeit für die Druckindustrie.
mehr

Ganz so unbedeutend ist die Druckbranche gar nicht

Wenn das Geschäft einer Druckerei nicht mehr auskömmlich ist, hört man immer wieder dieselben Begründungen: „Das Internet macht uns das Leben schwer.“ Oder: „Wegen des ruinösen Preiskampfes haben wir keine Chance.“ Warum solche negativen Statements der Printbranche nicht gerecht werden und warum Zeitschriften als Premiumprodukte auch häufiger als alle zwei Monate erscheinen können, erläutert Bernhard Niemela, Geschäftsführer Deutscher Drucker.
mehr

Aktuell bei Top 10

Die 10 besten Schriften 2016

Das sind die 10 besten Schriften des Jahres 2016 – zumindest wenn es nach der britischen Type Foundry "HypeForType" geht. Das britische Versandhaus für Schriften hat die aus seiner Sicht besten Schriften des vergangenen Jahres gekürt.
mehr

Druck&Medien Awards 2017 – Get-together und Dinner

Druck&Medien Awards 2017 – Die Verleihung

Umfrage

Aus Zweifel an den tarif- und arbeitsrechtlichen Bedingungen bei der Herstellung wurden in Dänemark 1.200 Wahlplakate eingestampft. Zurecht?

Jetzt abstimmen

Kommentare

Services

Bitte warten...