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Automatisierung heißt: Keiner muss mehr danebenstehen und kontrollieren

Workflow im Rollenoffsetdruck

Projekt-Partner: Körner-Geschäftsführer Dr. Helmut Wohland (3.v.l.) mit Sven Jauch (2.v.l.) und Rolf Schmelzer (4.v.l.), Hans-Josef Pflipsen (Rima-System, l.) sowie Josef Aumiller (r.) und Markus Bader (beide Manroland).

Viele Jahre stützte man sich bei Körner auf koppelbare 16-Seiten-Maschinen. Nun hat der Sindelfinger Rotationsdrucker mit einer 64-Seiten Manroland Lithoman IV seine Produktionsphilosophie geändert. Die Maschine ist allerdings nur einer der Steine im neuen Workflow-Mosaik – wenn auch ein großer.

Körner produziert vor allem Kataloge und erzielt damit rund 75 Prozent seiner 75 Mio. Euro Umsatz. Etwa 55000 Tonnen Papier werden dafür bedruckt. Es sind zwar nicht die ganz dicken Bestellbücher oder ganz hochauflagigen Produkte, aber der Durchschnitt dürfte bei 150000 bis 200000 Exemplaren liegen.

Eine Zahl, die allerdings trügt: Längst sind die Katalog-Jobs eine Wundertüte aus Sprachversionen, deren Varianten bis in den einstelligen Tausender-Bereich absinken. Das heißt dann: viele Platten in kurzer Zeit und eine echte logistische Herausforderung am Ende der Produktionsstrecke, wo die Paletten sauber auseinanderzuhalten sind.

Niedrige Auflagen

Die Sindelfinger sehen im gedruckten Katalog weiterhin ein Produkt mit Zukunft. Gleichwohl ist der Trend zu niedrigen Auflagen und vielen Splits ungebrochen. Damit konnte die Produktionstechnik bei Körner aber immer schwieriger Schritt halten, war doch die älteste der bisher betriebenen vier Heatset-Maschinen schon 18 Jahre in Betrieb. Um neue Technik kam man nicht herum.

Rund eineinhalb Jahre lang hatte sich das Team von Körner Rotationsdruck um Geschäftsführer Dr. Helmut Wohland mit seinem Markt, der Kundenstruktur und einer Zukunftsvision für den Workflow auseinandergesetzt. Denn allein mit dem Bestellen einer neuen Druckmaschine kann es nicht getan sein – da war man sich schnell einig. Am Ende des Findungsprozesses standen schließlich Investitionsentscheidungen, die sich quer durch das ganze Unternehmen ziehen, die aber alle einem Ziel untergeordnet sind: der Automatisierung der Produktion.

Automatisierung und Standardisierung sind Stichwörter, die in der Argumentation von Dr. Wohland und seinen beiden Bereichsleitern Rolf Schmelzer (Druckvorstufe) und Sven Jauch (Druck und Postpress) kontinuierlich auftauchen, wenn sie über das neue Gesamtsystem sprechen.

Verkettung

Drucker Ferhat Bozkurt hängt einen kompletten Plattensatz in den Plattenlift.

Begonnen hatte der Umgestaltungsprozess 2008 in der Druckvorstufe, wo gemeinsam mit dem Lahrer Hersteller Nela bereits eine lückenlose CtP-Prozesskontrolle eingeführt wurde, als es nur ein Plattenformat im Hause Körner gab (siehe Bericht in DD 12/2009). Es folgten die neue Manroland Lithoman IV mit dem vollen Autoprint-Automatisierungspaket aus APL, Auto-Jobchange und Quickstart sowie die Rotationsentsorgung von Rima-System. Nach neunwöchiger Installation lief die Drucklinie erstmals am 23. Dezember 2010 und ging dann schrittweise vom 1- in den 2- und 3-Schicht-Betrieb. Die endgültige Verkettung der Produktionsstufen bei Körner soll Ende 2011 erfolgen, wenn das Auftragsmanagement von Hiflex seine Einführungsphase beendet hat.

Innovation, da gibt man sich bei Körner überzeugt, sei keine Frage von neuer Technik, sondern von intelligenter Verkettung der einzelnen Bausteine. Beispiele dafür kann man im Sindelfinger Werk auch jetzt schon erleben: So „steuern“ die beiden Knickarm-Roboter in den Palettierzellen praktisch die Rotation für den exemplar-genauen Auflagendruck. Dazu hat Manroland auf Wunsch des Kunden eine Ansteuerung der Maschine durch Rima-System ermöglicht. Wenn man sich beim Palettieren der Soll­auflage nähert, berechnet die Software exakt, wie viele Exemplare sich noch im Schuppenstrom zwischen Druckmaschine und Palette befinden und gibt der Druckmaschine im richtigen Augenblick das Signal zum Runterfahren. Dazu ist die Postpress-Strecke nicht nur mit zahlreichen Sensoren ausgestattet, sondern auch in das PPMS-System mit Job-Ticket integriert, was die komplette Voreinstellung der Weiterverarbeitung (Schneiden, Kreuzlegen, Palettieren) vom Leitstand aus erlaubt.

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