Die Firma in der Box


 

Bessere und ökologisch sinnvollere Ausnutzung der Hardware-Ressourcen durch das Hosten mehrerer virtueller Maschinen auf einem Server.

Paradigmenwechsel

Der Weg von der hardwarebasierten zur nach Bedarf abrufbaren, servicebasierten IT aus der „Wolke“ bedeutet für die Informationstechnologie natürlich einen Paradigmenwechsel – passt aber genau ins heutige Bedarfs-Bild. Unternehmen wollen nicht länger kurzzyklische, kapitalintensive Investitionen in Hard- und Software tätigen. Auch die Kopplung von Softwarelizenzen an ein Gerät ist nicht mehr zeitgemäß. Lieber nimmt man berechenbare kontinuierliche Dienstleistungen in Kauf, die als operative Kosten auch viel leichter auf Einzelarbeitsplätze umlegbar sind. Ein in „Zeitscheiben verkauftes Nutzungsrecht“ ist heute erwünscht. So verzeichnete die Sysdata GmbH (Sandhausen), ein Spezialist für Systemintegration und IT-Konzepte, der der Druckindustrie aufgrund seiner Zugehörigkeit zur BSH GmbH (Heinrich+Siegel, Printdata) nahe steht, in den letzten Monaten in der Branche einen unheimlichen Anstieg an Kundenanfragen zu den Themen Cloud Computing bzw. Software-as-a-Service (SaaS). Der Kunde erkennt also immer mehr die Vorteile der Technologie. IT-Systemhäuser oder beispielsweise HP als Hardwareanbieter jedoch stehen in einem gewissen Interessenkonflikt: Einerseits muss/will man die innovative Technologie natürlich auch selbst anbieten, andererseits greift diese das einträgliche „konventionelle“ IT-Geschäft (mit seiner hohen Betreuungs­intensität und dem großen Hardwarebedarf) an.
 Lösungsanbieter wie Heidelberg, Fujifilm oder Agfa verkaufen zudem ihre Workflows als Komplettlösung (mit teilweise fünf bis acht Servern plus Workstations) und geben nur für diese Serverkonfiguration funktionelle Gewähr. Im Sinne der Virtualisierung, die auch im Produktionsbereich möglich wäre, ist dies natürlich hinderlich. „Schließlich wollen wir keine problemfreien Lösungen für Zulieferer schaffen, sondern für unsere IT-Kunden“, so Sysdata-Geschäftsführer Jan Beeken.

Blick in die Praxis

 
 

Entkopplung der Funktionalität eines Systems von der Hardwareplattform durch Einziehen einer Virtualisierungsschicht zwischen Hardwarekomponenten und das Betriebssystem/die Anwendungen.

Ganz aktuell tut Sysdata dies bei Mack in Schönaich, einem mittelständischen Druck- und Mediendienstleister mit ca. 65 Mitarbeitern. Ausgangspunkt für das Thema Virtualisierung war hier die Aktualisierung der Branchenlösung SSB Diso auf dem Terminalserver IBM AS-400, die den etwa 20 Clients (Vertriebsinnendienst/Arbeitsvorbereitung) aufgrund einer neu­en grafischen Benutzeroberfläche eine höhere Rechenleistung abforderte. Da diese PCs und ihre Betriebssysteme jedoch veraltet waren, musste zügig eine IT-technisch smarte Lösung für dasProblem gefunden werden. Durch Virtualisierung der einzelnen Desktops als Zero Clients beschritt Mack hier erstmals neue Wege – und konnte auch Einiges an Hardware einsparen. Doch Geschäftsführer Hans-Jürgen Mack wollte mehr als nur „günstigere Hardware“ und bessere Zugangs- und Vernetzungstechnik in diesem Bereich. Es sollte eine grundlegende Alternative zu den aus der Historie heraus gewachsenen Einzel-PC-Arbeitsplätzen im Unternehmen geschaffen werden, nicht zuletzt aufgrund der kontinuierlich steigenden IT-Kosten (ständig neue Technik/hoher administrativer Aufwand). Gewünscht war also eine völlig neue virtuelle IT-Struktur auf Basis eines Active Directory (zentraler Verzeichnisdienst zur Netzwerk-Gliederung), um mit weniger Aufwand neue Arbeitsplätze einrichten und die bisherigen ortsunabhängig administrieren zu können.

Aufgrund der Heterogenität der gesamten Mack-IT war dies gleichbedeutend mit einer Grundumwälzung, die nicht von heute auf morgen realisierbar ist. Jan Beeken: „Das ist häufig so. Aufgrund der gewachsenden Strukturen wird schnell klar, dass gar nicht die technische, sondern die strukturelle Veränderung die Herausforderung ist. Denn viele Unternehmer wurden quasi über Jahre hinweg von einer unflexiblen, von inkompatiblen Insellösungen geprägten IT-Struktur ,gesteuert’. Durch Virtualisierung gewinnen sie die Flexibilität zurück, wieder selbst schnell Einfluss auf die strategische Unternehmenssteuerung zu nehmen.“

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