Die Firma in der Box


 

Auch ein 1:1-Transfer der IT-Struktur auf die virtuellen Maschinen wäre möglich, man vergibt sich dann aber die Chance auf organisatorische Neuausrichtung. Von links: Matthias Vögele und Hans-Jürgen Mack (Druckerei Mack) so­wie Jan Beeken und Thomas Heinrich von der Sysdata GmbH.

Doch dazu bedarf es zunächst Grundüberlegungen, wohin man mit welcher IT-Struktur eigentlich will. So entwickelte die Mack-Geschäftsführung gemeinsam mit den „nebenberuflichen“ IT-Administratoren Thomas Bröckel und Matthias Vögele aus der Abteilung Media & Digitaldruck unter Beratung der Sysdata GmbH ein IT-Organigramm. Organisatorische Einheiten wurden gebildet, Gemeinsamkeiten von Benutzergruppen eruiert, entsprechende Standards für gruppenorientierte Musterarbeitsplätze entwickelt, Sicherheitsanforderungen abgeschätzt, Zugriffsrechte ausgearbeitet und eine schrittweise Vorgehensweise zur Umsetzung des virtuellen IT-Konzepts erarbeitet.
 Noch vor dem geplanten Aufbau der Active-Directory-Struktur galt es aber, den ersten Schritt abzusichern und Ausfallsicherheit für den VM-Server für die virtualisierten Clients zu schaffen. Thomas Bröckel: „Die Sicherheitsanforderungen sind einfach höher als zuvor bei den Einzelrechnern. Wenn früher ein PC ausfiel, schickte ich einen Mitarbeiter nach Hause. Wenn heute der VM-Server ausfallen würde, schicke ich alle nach Hause!“ Inzwischen (be-)stehen bei Mack mehrere virtuelle Serversysteme im eigenen Serverraum, die sich gegenseitig ersetzen können, als Redundanz (in Form einer Private Cloud). Wie wichtig dies ist, zeigte der unerwartete „Zusammenbruch“ des alten, anfälligen DHCP/Zeiterfassungsservers bei Mack ganz zu Beginn des Projekts. Er konnte durch ein Sicherungs-Image als virtuelle Maschine neu aufgebaut werden – dies war aber nur möglich, weil schon eine VM-Infrastruktur aufgesetzt war. Ein glücklicher Zufall!

Das Aufsetzten des Active Directory als Schritt 2 beinhaltet aktuell eine andere Strukturierung der Betriebssysteme und Software nach der Layer­ing-Technologie. Sie soll den Aufbau gruppenorientierter Musterarbeitsplätze ermöglichen, um nicht stets aufs Neue einzelne Arbeitsplätze ausrollen und separat warten/administrieren zu müssen. Jede Bedarfsgruppe im Haus erhält ihren Musterarbeitsplatz. Dieser wird einmal installiert, zentral zur Verfügung gestellt und muss entsprechend auch nur einmal zentral upgedatet werden. Persönliche Vorlieben können in einem Personal-Layer separat „drübergelegt“ werden. Derzeit arbeitet bei Mack bereits eines dieser Backendsysteme im AD; dieser „Master“ wird jetzt ausgerollt. Auch der Mailserver ist bereits als Groupware ausgerollt (inkl. Kalendern und Verzeichnissen), die Mitarbeiter haben ihre Systeme bereits „umgezogen“.

In einem dritten Schritt sollen dann auch die Produktionsserver zur virtuellen Maschine mutieren. Zwei Printready Cockpits wurden bereits virtualisiert, sind aber derzeit noch nicht im Active Directory. „Wie ideal diese Art der IT ist, zeigt uns, dass wir ständig darüber nachdenken, was man noch alles virtualisieren könnte“, berichtet Matthias Vögele, der sich bei Mack inzwischen ganz tief in die Materie eingearbeitet hat. „Selbst die Telefonanlage ist derzeit eine Option!“

Wieder Herr im eigenen (IT-) Haus

Hans-Jürgen Mack zeigt sich zufrieden mit dem Stand nach rund 1,5 Jahren Projektverlauf. Zurecht sieht er sein Unternehmen als Vorreiter für die Cloud-Technologie in der Branche – und gibt einige betriebswirtschaftliche Details preis: „Ein  1:1-Kostenvergleich zu früher ist unmöglich, da wir die IT ja vollkommen neu strukturiert haben. Der rein initiale Aufwand mit Dienstleistung/Projektierung, den Zero Clients und Servern ist sicher höher, als wenn man einfach wieder nur Rechner ausgetauscht hätte. Amortisieren wird sich das sicher erst im Laufe der nächsten Jahre, auch wenn man auf Dauer natürlich eine große Anzahl Hardware einspart. Doch was die neue, flexible und klare IT-Struktur in Sachen verbesserte interne Zusammenarbeit, vor allem aber in Sachen Zukunftsfähigkeit wert ist, ist gar nicht bezifferbar!“ Jan Beeken kann ihm da nur beipflichten: „Schon heute werden die Neuen Medien für die Branche immer wichtiger. Als Mediendienstleister muss man da zeitnah reagieren können. Cloud Computing macht eine schnelle Reaktion auf solche Trends durch einfache Integration in die IT möglich. Ein paar Klicks, ein paar neue VMs für eine weitere Anforderung – und schon kann es losgehen!“ Hans-Jürgen Mack beobachtet dies im eigenen Haus konkret im schnelllebigen Bereich Mailing/Personalisierungslösungen. „Früher hätte man die ganze IT umstellen müssen, wenn wir auf die Schnelle ein neues Geschäftsmodell verfolgen wollen. Heute setzen wir da einfach eine zusätzliche VM auf!“ – „Früher hatte man einen schlecht und langsam zu manövrierenden IT-Tanker“, ergänzt Jan Beeken schmunzelnd, „heute steht da ein virtuelles IT-Schnellboot!“

Autor: Michael Schüle

Erschienen in DD 37/2012

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