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Wie sich Druck und Weiterverarbeitung heute in den Workflow integrieren

Lichtjahre von den abschreckenden Beispielen früherer BDE-Terminals entfernt, TechnoBDEnet des Wiener MIS-Herstellers Rogler.

Zehn Jahre nach der Gründung der JDF-Initiative melden sich die Bereiche der Druckerei zur Vernetzung an, denen eher Rückständigkeit und mangelnde Computer-Affinität nachgesagt wird: Druck und Weiterverarbeitung. Warum rücken diese Produktionsabteilungen jetzt in den Mittelpunkt der Integrationsbemühungen, warum haben sie solange damit gewartet und welche Möglichkeiten bieten sich der Industrie heute?

Es ist wahr, zuallererst und jahrelang beherrschend ist die Druckvorstufe in den vernetzten JDF-Workflow eingestiegen. Das hat zwei einfache Gründe: Prepress ist seit Jahren bereits vollständig digital und damit leicht vernetzbar. Zum anderen wurde schnell deutlich, welch unmittelbaren und vehementen Vorteile die Integra-tion der Vorstufe in den durchgängig digitalen Kommunikationsablauf der Druckproduktion hat. Pionierbetriebe wie die Schweizer Stämpfli oder Vogt-Schild stellen heute schon 60 bis 70 % ihrer Druckformen vollautomatisch aus den im MIS erfassten Auftragsdaten mittels „JDF-Stripping“ und integrierten Vorstufenworkflows her.

Diese Produktions-Digitalisierung als wesentliche Integrationsvoraussetzung gab es zunächst im Druck weniger, in der Weiterverarbeitung kaum. Das machte es bisher schwierig, sich am Nutzen der Vernetzung zu beteiligen, beispielsweise:

  • Einen durchgängig digitalen Workflow zu erzielen
  • Durchgreifende Automatisierungen einzurichten, wie
  1. Digitale Auftragstasche
  2. Übernahme Auftragsdaten und automatische Voreinstellungen
  3. Optimierung der BdE und der Nachkalkulation
  • Die Planungsoptimierung mit Echtzeitplanungen und dem Auftragstracking und die damit verbesserten Nutzungsgrade der Produktionsanlagen.
  • Eine echte Transparenz der Produktion, schichtübergreifend.

Im Detail geht es bei den Automatisierungen natürlich um mehr: Die direkte Zuordnung von CIP4-PPF-Voreinstelldaten zum Auftrag, Arbeitslisten direkt aus der Planung, Live-Auftragstatus in der Plantafel, selbstständig generierte Materialzettel, automatisch gemeldete Korrekturaufwände. Das sind nur einige der sich derzeit rapide weiterentwickelnden Automatisierungen.

Integration der Weiterverarbeitung. Andererseits stellt sich die Frage, ob mit der Integ-ration auch die spezifischen Kommunikationsanforderungen von Druck und Weiterverarbeitung optimiert werden können? Gelten die oben formulierten Effekte auch für diese Abteilungen? Werden dortige spezifische Probleme damit gelöst und wie sehen die facheigenen Vorteile aus? Und um es konkret zu machen: Wird endlich die Buchbinderei bei der Druckformherstellung einbezogen und gibt es eine aktuelle Antwort auf die Frage, wieviel Zuschuss der Drucker tatsächlich geliefert hat? Kann man durch die Vernetzung jederzeit erfahren, dass sich Versandtermine geändert haben oder die Auftragsreihenfolge gewechselt wurde? Und gibt es dadurch auch vom Falzapparat oder sogar von der Tischarbeit (!) präzise Angaben darüber, warum Mehrkosten entstanden sind?

Lange Anlaufzeit. Bevor wir auf diese Punkte eingehen, sollten wir erklären, warum es tatsächlich so ist, dass der Drucksaal und die Buchbinderei heute mitten im Prozess der Vernetzung stehen und weshalb das jetzt erst passiert.
Die langfristigeren Investitionszyklen im Druck (vier bis sieben Jahre) und Postpress (fünf bis zwölf Jahre) gestatten erst jetzt die Einführung aktueller vernetzbarer Maschinen. Deren Digitalisierungsgrad hat sich in den letzten sieben Jahren dazu fortlaufend erhöht und war noch nie so hoch wie heute. Dazu gehören digitale Leitstände der Maschinen, interne digitale Steuerungen und ein Trend zur intelligenten Elektronik in allen Sparten des Maschinenbaus.

Auf der anderen Seite mussten Lieferanten und Kunden in der Druckindustrie eine Reihe grundsätzlicher Anforderungen der Integration klären, was durch den wachsenden „Druck auf Druck“ (neue Medien, Kurzlebigkeit von Druckerzeugnissen, mehr Aufträge in kürzerer Zeit) noch befördert wurde. So mussten Schnittstellen zwischen MIS und Produktionssystemen in JDF spezifiziert und in der Praxis entwickelt werden, Kunden wie Lieferanten zu einem neuen Prozessverständnis kommen. Grundlegende Abläufe der Druckmedienherstellung sollten erst einmal im MIS abgebildet werden, was eine erst durch wesentliche Weiterentwicklung der meisten kommerziellen Softwares ermöglicht wurde. Organisationsänderungen, Workflow-Neu-Definitionen und eine abteilungsübergreifende gemeinsame Veränderungsarbeit sind die Stichworte, unter denen diese vielfach erledigten Hausaufgaben der Druckereien gefasst werden können.

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