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"Die Attraktivität des Berufs "verkaufen""

Interview über die Ausbildung zum Buchbinder

Theo Zintel, Abteilungsleiter Bildungspolitik beim Bundesverband Druck und Medien.

Sie sind gesucht, aber schwer zu finden: Auszubildende für den Beruf des Buchbinders. Die Zahlen sind seit Jahren rückläufig, die Bewerberquote negativ. Dabei sind die Chancen, nach der Ausbildung in  der Druck­weiterverarbeitung in eine Führungsposition aufzusteigen, sehr gut. Deutscher Drucker sprach mit Theo Zintel, Abteilungsleiter Bildungspolitik beim Bundesverband Druck und Medien, über das „neue“ Berufsbild.

Deutscher Drucker: Der Bundesverband Druck und Medien (BVDM) übernimmt nach der Selbstauflösung des Verbandes deutscher Buchbindereien für Verlag und Industrie (VDB) die alleinige arbeit­geberseitige Zuständigkeit in der Ausbildung im Zentralfachausschuss Berufsbildung Druck und Medien (ZFA). Was bedeutet das konkret?
Theo Zintel: Zunächst ist festzustellen, dass wir als Verbands­organisation mit dem VDB in vielfältiger Hinsicht sehr konstruktiv und partnerschaftlich zu­sammengearbeitet haben, besonders im Rahmen der Entwicklung von Ausbildungskonzeptionen. Gerade im Rahmen der derzeitigen Neuordnung der Berufe in der Druckweiterverarbeitung gab es zwischen dem VBD und dem BVDM Konsens, dass die der­zeitige Ausbildungsordnung für den industriellen Bereich nicht mehr zeitgemäß ist.
Auch die Zusammenarbeit im Rahmen der ZFA-Arbeit war geprägt von fachlichen Diskussionen, insbesondere bei der Erstellung der Prüfungsaufgaben, die der ZFA ja bekanntlich für die ganze Branche erstellt. Nach der Selbstauflösung übernimmt der BVDM nun auch den geldlichen Beitrag, den der VBD jährlich an den ZFA gezahlt hat, um die Ausbildung unseres Nachwuchses zu unterstützen. Da der ZFA auch für das Handwerk die Prüfungsaufgaben erstellt, wird er auch durch den BDBI unterstützt. Für den industriellen Bereich der Druckweiterverarbeitung sind wir nun in Fragen der Berufsbildung die einzige Organisation, die die ZFA-Arbeit arbeitgeberseitig trägt. Die arbeitnehmerseitige Vertretung liegt in den Händen der Gewerkschaft ver.di, mit der wir gemeinsam neue Berufskonzeptionen entwickeln.

DD: Wie sehen die aktuellen Zahlen im Aus­bildungsberuf „Buchbinder/-in“ aus?
Zintel: Die Ausbildungszahlen für den Ausbildungsberuf Buchbinder sind seit Jahren rückläufig. Ak­tuell lernen noch etwa 1400 Azubis den Beruf, wobei nur noch 300 im Handwerk ausgebildet werden. Noch bis vor zehn Jahren hatten wir ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Handwerk und Industrie. Allerdings decken die geringen Ausbildungszahlen in der Industrie nicht den Bedarf. Viele Unternehmen klagen über die schlechten schulischen Vorkenntnisse der Bewerber, weshalb viele Ausbildungsplätze un­besetzt bleiben. Auch weisen die Zahlen der Arbeitsagentur eine negative Bewerberquote aus: auf einen Ausbildungsplatz bewerben sich rechnerisch nur 0,7 Jugendliche, während auf einen Ausbildungsplatz für Mediengestalter sich sieben bewerben. Diesem negativen Trend müssen wir durch neue attraktive Berufsbilder entgegenwirken. Das Handwerk hat übrigens diese Probleme nicht, was daran liegen kann, dass potenzielle Bewerber mit dem Handwerk eher die kreative Herstellung von „schönen“ Büchern verbinden.

DD: Um das Berufsbild für junge Leute attraktiver zu machen, wird unter anderem ein neuer Name – wie Print-Finisher oder Printmedienverarbeiter – diskutiert. Wie soll das Kind denn nun heißen?
Zintel: Wie bereits erwähnt, müssen wir in der breiten Öffentlichkeit die Attraktivität eines Berufes auch „verkaufen“. Ein wesentlicher Marketinggesichtspunkt ist eine attraktive Berufsbezeichnung. Die Bezeichnung „Mediengestalter“ hat diese deutlich gemacht. Nun stecken in dieser Berufsbezeichnung zwei Begriffe, die bei Jugendlichen nicht erklärt werden müssen: Medien + Gestaltung. Das will man werden, ohne genau zu wissen, was konkret an Qualifikationen sich hinter der Bezeichnung verbirgt. Eine attraktive Alternative für Buchbinder zu finden, ist nicht so einfach, wie es Ihre Frage suggeriert. Einerseits wirken bei der Namensfindung alle Player der Berufsbildung mit: Vertreter von Industrieverbänden (Spitzenverbände wie BDI und Fachverbände), Arbeitgeberverbänden (Spitzenverbände wie BDA und BVDM, Handwerksverbänden, Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern, Gewerkschaften, Berufsschulen, Kultusministerien, um nur die wesentlichen zu nennen. Die Entscheidung liegt aber letztlich beim Bundesministerium für Wirtschaft, das die Berufsnamen in Abstimmung mit dem Bundesministerium für Bildung und dem Bundesinstitut für Berufsbildung sowie dem Justizministerium trifft. Derzeit gibt es einige Vorschläge, wobei der von Ihnen erwähnte Printmedienverarbeiter im Rahmen der Sachverständigenarbeit als Arbeits­titel benutzt wird. Vieles spricht für diese Bezeichnung: Gibt es schon in der Schweiz, Printmedien klingt zeitgemäßer als Druckmedien. Allerdings müssen Berufsbezeichnungen auch im Kontext mit anderen Berufen gesehen werden. Da ja auch die Berufe Drucker, Siebdrucker und Verpackungsmittelmechaniker derzeit neu geordnet werden, sind die dort entwickelten Ideen auch einzubeziehen. Mit Blick auf die Attraktivität der Bezeichnung Mediengestalter plädieren deshalb viele Sachverständige dafür, den Begriff „Medien“ an den Anfang der Berufsbezeichnung zu stellen. Vorteil: In den einschlägigen Berufsverzeichnissen, zum Beispiel der Arbeitsagentur oder auf Internetseiten, werden die Berufe untereinander geführt, sodass Jugendliche, die auf der Suche nach einem Beruf sind, unter dem Begriff Medien nicht nur den Mediengestalter finden, sondern auch den Drucker und den Buchbinder. Die Vorschläge dazu lauten Medientechnologe Druck oder Medientechnologe Print für den Drucker, Medientechnologe Siebdruck für den Siebdrucker und Medienverarbeiter Print für den industriellen Buchbinder. Das Handwerk hat sich für seinen Bereich festgelegt: Es bleibt bei der Berufsbezeichnung Buchbinder.

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