"Die Attraktivität des Berufs "verkaufen""


DD: Gleichzeitig muss aber auch das Berufsbild den aktuellen Anforderungen angepasst werden. Was sollte ein „Printmedienverarbeiter“ heute können?
Zintel: Generell wird das Berufsbild an die Anforderungen einer prozessorientierten Produktion angepasst. Das Können bestimmt allerdings nicht eine Verordnung, sondern die Praxis. Hier gilt es, in der Verordnung einerseits eine weitgehende Deckungsgleichheit mit den Anforderungen herzustellen, andererseits aber auch die Inhalte so zu formulieren, dass sie für alle Ausbildungsbetriebe auch vermittelt werden können. Das neue Modell kann dazu beitragen, vorhandene und potenzielle Ausbildungsbetriebe in der Druckin­dustrie die Möglichkeiten zu geben, betriebliche Schwer­­punkte stärker als bislang in der Ausbildung abzubilden. Gleichzeitig wird es notwendig sein, das Berufsbild so attraktiv zu gestalten, dass in ausreichendem Umfang Schulabgängerinnen und Schulabgänger ihre beruf­liche Zukunft in der Druckbranche erkennen.
Nun ist aber die Printmedienverarbeitung sehr vielfältig, weshalb nicht alle Inhalte von allen Aus­bildungsunternehmen vermittelt werden können. Die Lösung lautet: Die Inhalte, die alle abdecken können, werden als Basisqualifikationen in die Verordnung integriert und die speziellen Inhalte werden in Form von Wahlqualifikationen abgebildet. An dieser Stelle alle Qualifikationsbausteine aufzuführen, würde den Rahmen Ihrer Fachzeitschrift sprengen. Wir werden aber die potenziellen Ausbildungsbetriebe frühzeitig vor dem Inkrafttreten der Verordnung (geplant ist der 1. August 2011) umfangreich informieren.
Die jetzt gültige Verordnung basiert auf den Erkenntnissen vor mehr als einem Jahrzehnt. In diesem Zeitraum haben neue Technologien und veränderte Formen der Arbeitsorganisation das Bild der Branche nachhaltig verändert. Wichtigstes Stichwort ist die zunehmende Automatisierung der Druckweiterverarbeitung. Noch bis vor wenigen Jahren eher handwerklich-manuell geprägte Fertigungsabläufe wurden durch Anforderungen der Prozesssteuerung und -planung abgelöst. Diese durch technische Entwicklungen bedingten Veränderungen der Arbeitsabläufe machen nicht nur Anpassungen im Bereich der Vermittlung von technischen Qualifikationen notwendig, im gleichen Maß gilt es, überfachliche Qualifikationen zu verbreitern. Stichworte dazu sind Fähigkeiten zur vernetzten Arbeitsorganisation und -planung, zur Beherrschung der Kommunikationsprozesse und der Steuer- und Regeltechnik.

DD: Die Druckweiterverarbeitung ist zwar der personalintensivste Bereich in der Medienproduktion, allerdings kommt hier auch am meisten ungelerntes Personal zum Einsatz. Wie stehen die Chancen für Buchbinder nach der Ausbildung, einen ihrer Qualifikation entsprechenden Job zu finden?
Zintel: Sie sprechen hier zwei Aspekte an: angelerntes Personal und Chancen nach der Ausbildung. In Bezug auf das angelernte Personal ist eine wesent­liche Kompetenz eines Facharbeiters in der Druckweiterverarbeitung die Personalverantwortung. Dies ist gerade bei Linienführern in der Zeitschriften- und Zeitungsproduktion, aber auch in der Buchfertigung von besonderer Bedeutung. Die Sachverständigen entwickeln deshalb ein Qualifikationsmodul, das auf diese Kompetenz abzielt.
Was die Chancen einer ausgebildeten Fachkraft auf dem Arbeitsmarkt betrifft, so gehöre ich nicht zu denjenigen, die ständig Prognosen abgeben, die man schon morgen wieder revidieren muss. Hier kann man nur auf die Erfahrungen aus der Vergangenheit zurückgreifen, und feststellen, dass gut qualifizierte Buchbinder immer einen attraktiven Arbeitsplatz gefunden haben.

DD: Und welche Möglichkeiten zur Weiterquali­fizierung bestehen derzeit?
Zintel: Die Chancen für Buchbinder nach der Ausbildung durch entsprechende Weiterbildung zur Führungskraft aufzusteigen, waren schon immer sehr gut. Leider ist der Anteil von Buchbindern, die zum Beispiel die Meisterausbildung oder die Technikerweiterbildung oder gar ein Studium absolvieren, nur sehr gering. Nach meinem Kenntnisstand sind aber im Vergleich mit den Berufen Mediengestalter und Drucker, die Chancen eine Führungsposition zu erlangen, für Buchbinder ungleich besser.

Die Buchbinder-Ausbildung in Zahlen 

Derzeit lernen etwa 1400 junge Leute den Beruf des Buchbinders, davon rund 300 im Handwerk. Der Frauenanteil liegt bei knapp einem Viertel. Die Ausbildungsdauer beträgt drei Jahre. Im ersten Jahr erhalten die Auszubildenden 834,66 Euro, im zweiten Jahr 885,79 Euro, im dritten Jahr 936,92 Euro. Nach der Ausbildung liegt der monatliche Bruttoverdienst in der Regel bei rund 2800 Euro (Facharbeitertariflöhne), wobei hier die Jahresleistung sowie Urlaubsgeld und vermögenswirksame Leistungen auf den Monatslohn umgelegt wurden. Die wöchentliche Arbeitszeit für Auszubildende und Arbeitnehmer beträgt 35 Stunden. Der tarifliche Jahresurlaub beträgt unabhängig vom Alter 30 Arbeits-/Urlaubstage.
Quelle: BVDM

Erschienen in DD 27/2010

Seite « 1 | 2
Anzeige

Firmen-Suche


Weiterempfehlen Drucken Heft-Abo

Leserkommentare

Noch keine Kommentare. Geben Sie den Ersten ab!

print.de-News jetzt auch per Whatsapp

Die besten Events von print.de – Jetzt Tickets ordern!

Deutscher Druck- und Medientag 2017

Jetzt NEU

Die print.de-Karte der wichtigen Branchenkontakte

Mehr Details zu den einzelnen Anbietern in Ihrer aktuellen Ausgabe des Deutschen Druckers unter Service/Das Branchenverzeichnis A-Z
mehr

Top-Themen

Geschäftsführer Christian Aumüller (Aumüller Druck) hinterfragt den ökologischen Sinn von Forstwirtschaftszertifikaten für Druckereien.

"Fürs FSC/PEFC-Zertifikat werden Druckereien ordentlich gegängelt!"

Am Rande eines Interviews mit „print.de“ über das Engagement der Industriedruckerei Aumüller Druck in Regensburg in Sachen betrieblicher Umweltschutz berichtete Geschäftsführer Christian Aumüller über seine jahrelangen Praxiserfahrungen mit der FSC/PEFC-Zertifizierung und hinterfragt deren Sinnhaftigkeit für die Druckindustrie.
mehr

Ganz so unbedeutend ist die Druckbranche gar nicht

Wenn das Geschäft einer Druckerei nicht mehr auskömmlich ist, hört man immer wieder dieselben Begründungen: „Das Internet macht uns das Leben schwer.“ Oder: „Wegen des ruinösen Preiskampfes haben wir keine Chance.“ Warum solche negativen Statements der Printbranche nicht gerecht werden und warum Zeitschriften als Premiumprodukte auch häufiger als alle zwei Monate erscheinen können, erläutert Bernhard Niemela, Geschäftsführer Deutscher Drucker.
mehr

Aktuell bei Top 10

Die 10 besten Schriften 2016

Das sind die 10 besten Schriften des Jahres 2016 – zumindest wenn es nach der britischen Type Foundry "HypeForType" geht. Das britische Versandhaus für Schriften hat die aus seiner Sicht besten Schriften des vergangenen Jahres gekürt.
mehr

Ganz großes Kino für Print: Wie die Creatura-Initiative begeistert

CGI – So sieht die Zukunft der Bildbearbeitung aus

Umfrage

Ist der Aufschwung auch bei Ihnen angekommen?

Jetzt abstimmen

Kommentare

Services

Bitte warten...