Diese Prominenten hatten Jobs in der Druckindustrie


 

"Ich habe Trinken gelernt", erinnert sich der Schriftsteller Jacques Berndorf an seinen ersten Job in der Druckindustrie.

Schriftsetzer wird Schriftsteller.

Michael Preute alias Jacques Berndorf, 1936 in Duisburg geboren, arbeitete viele Jahre als Journalist, unter anderem für den „Spiegel“ und den „Stern“, bevor er sich ganz dem Krimischreiben widmete.
Seine berufliche Ausbildung resultiert aus dem Wunsch, Journalist zu werden. Preute lernte sein Handwerk von Grund auf, mit den Stationen Schriftsetzer und Metteur.

„Zum Schriftsetzer kam ich auf eine sehr einfache Weise“, erzählt Preute: „Ich wollte nach dem Abi Journalist werden. Also marschierte ich zum Duisburger Generalanzeiger und wurde Volontär. Noch ehe ich die heiligen Hallen der Redaktion betrat, wurde mir geraten, erst einmal einen Blick auf das zu werfen, was hinter einer Tageszeitung steht: Die gesamte Technik. Der DGA wurde damals in Oberhausen hergestellt, was bedeutete, dass ich jeden

Tag dorthin fuhr und um 17 Uhr antrat. Wenn ich das so schildere, dann immer mit dem Hinweis, dass ich ein Dinosaurier bin, ein Wesen, das es heute eigentlich nicht mehr gibt. Kein Mensch kann sich heute vorstellen, was an Technik zu lernen und zu beherrschen war, um eine Tageszeitung zu machen – in Blei! Die wichtigste Leistung meiner Lehrzeit in der Technik war das Ausgeben mehrerer Kästen Bier gleich zu Beginn. Da sagten sie: „Der Jung hat Ahnung!“ Der Anblick erwachsener Männer an einer Setzmaschine mit riesigen Magazinen über dem Kopf wurde mir vertraut. Die meisten dieser Männer qualmten unentwegt, beliebt waren Stumpen, ein höllisches holländisches Erzeugnis. Und immer die Flasche Bier bei Fuß. Das ist richtig. Ich habe auch Trinken gelernt. Aber die Zeit war wunderbar.

Ich erinnere mich an Peter Sinnwell, der die Anzeigenmettage machte und mich unter seine Fittiche nahm. Er qualmte Zigarillos, in die ein Mundstück eingebaut war, und er nahm das Ding niemals aus dem Mund und arbeitete mit einer geradezu wahnwitzigen Geschwindigkeit. Ich lernte: Ich lernte Setzkasten, ich lernte Spationierungen, ich lernte Maschinensatz, ich lernte und lernte und lernte und schleppte irgendwann die Bleiplatten an die Rotation, damit die Mühen einer Nacht sichtbar wurden. Und dann machten wir die Matern der Seite Eins, die bis hoch nach Tecklenburg geliefert wurden, denn dort und anderswo gab es eben auch den Generalanzeiger. Und das Verrückte war: Wenn alle Stricke zu reißen drohten, wartete auf der Autobahn in Duisburg-Kaiserberg ein Porsche der Polizei und fuhr volles Rohr unsere Mater in die Rotationen anderer Tageszeitungen. Heute wäre das sicherlich unvorstellbar. Es war Spaß, es war Biertrinken, es war harte Arbeit, und es hat sehr viel Freude gemacht. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es eine bessere Vorbereitung auf die Arbeit als Zeitungsredakteur sein kann als der Durchlauf durch alle Technikabteilungen – eine sehr harte Maloche über ein Jahr lang. Und später dann Woche um Woche, Jahr um Jahr der nächtliche Umbruch unter dem Geklapper der Maschinen. Wenn ich das jungen Leuten erzähle, sehen die mich an und grinsen etwas spöttisch – wahrscheinlich denken sie, ich erzähle ihnen etwas vom Pferd. Wenn ich heute erlebe, wie leicht und locker man Flyer aus dem eigenen Drucker holen kann., denke ich: Leute, da habt ihr echt etwas verpasst! Und unsere Entwürfe waren entschieden besser. – Nein, ohne Printprodukte könnte ich nicht leben, nicht aufwachen, nicht einschlafen. Schließlich schreibe ich Krimis.“

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Leserkommentare (1)

U | Dienstag, 29. Juli 2014 08:56:02

Karl Dall

Auch Karl Dall ist gelernter Schriftsetzer, hat in Leer, Ostfriese. gelernt!

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