Druckingenieure aus Leipzig: In der Industrie gefragt


Internettechnologien nutzen. Im Sinne freierer Zeitgestaltung und Lernen vom eigenen Schreibtisch aus gewinnt das E-learning zunehmend an Bedeutung. Aktuell wird das Studieren via PC bereits im Pflichtmodul Fachfremdsprache Englisch eingesetzt. „Vorstellbar ist E-learning auch im Bereich Simulations-Software”, sagt Prof. Ulrike Herzau-Gerhardt. Simulationsprogramme können beispielsweise eine Lernhilfe sein, wenn es um das Handling der unterschiedlichen Druckmaschinen geht. So kann das Einrichten einer Flexodruckmaschine über ein Simulationsprogramm geübt werden. Externe Studenten oder Fernstudenten der HTWK können über die Homepage der Hochschule LIPS für Videokonferenzen und Projektbesprechungen nutzen oder sich online von den Hochschulmitarbeitern betreuen lassen. Unter LIPS-Learning werden alle Service-Angebote zusammengefasst, um Lehrveranstaltungen mittels Online-Materialien, Online-Arbeitsgruppen oder Online-Speicherplatz zu unterstützen. So ist es inzwischen Praxis, Vorträge online einzustellen und für HTWK-Studenten abrufbar zu machen.

Vom Studium in den Beruf. Dip­lom-Ingenieur Henning Nagel hat an der HTWK das Studium Drucktechnik absolviert und ist inzwischen als Laboringenieur an der Hochschule tätig. Er lobt die Bandbreite des Studiums und die Ausbildung in der Forschung. „Mit dem Studium an der HTWK haben die Absolventen sich eine Basis für einen Berufsweg als Produktionsleiter, eine Position in der Betriebsführung oder als Mitarbeiter in der Forschung erarbeitet.” Betriebswirtschaft, Forschung und sehr viele Übungen an den Maschinen und der Labortechnik sorgen für einen Einblick in die gesamte Palette der Drucktechnik. Im Repro-Labor werden die Studierenden mit allen Kenntnissen im Rahmen von Farbmanagement, Druckvorstufe, Datenerfassung und deren Aufbereitung für den Druck sowie mit der Druckerzeugnisbewertung vertraut gemacht. Im Bleisatzlabor lernen sie die alte traditionelle Art und Weise der Buchreproduktion kennen. Das Labor der Druckformenherstellung bietet Studenten die Möglichkeit, praktische Erfahrungen in den Herstellungstechniken für Druckformen zu sammeln. Hier können verschiedenste Druckformen erstellt werden, von der Flexo- bis hin zur Offsetdruckform. Diplomand Christoph Müller bestätigt die breite Basis des Studiengangs: „Falls wir uns später im Beruf umorientieren oder in ein anderes Segment der Druckbranche wechseln wollen oder müssen, haben wir uns dafür hervorragende Grundlagen aneignen können.” Seine Professorin Ulrike Herzau-Gerhardt unterstreicht: „Unsere Absolventen sind auf die schnelle Entwicklung der Druckbranche mit fundierten naturwissenschaftlichen und ingenieurtechnischen Kenntnissen vorbereitet.”

Methodisches Denken erlernen 

DD: Prof. Herzau-Gerhardt, Sie sind Studiendekanin des Studiengangs Drucktechnik an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur. Was zeichnet Ihrer Meinung nach den Aufbau des Studiengangs in Leipzig aus?

Prof. Ulrike Herzau- Gerhardt

Prof. Ulrike Herzau-Gerhardt: Der Studiengang Drucktechnik in Leipzig ist sehr praxisorientiert. Auch mit der Umstellung auf den Bachelor haben wir das praktische Semester erhalten und den Bachelor mit sieben anstatt mit sechs Semestern angesetzt.
In den Studienveranstaltungen machen praktische Übungen etwa ein Drittel der Zeit aus, zugleich kommen den Studenten die kleinen Gruppen zugute. Bei Übungen mit bis zu zehn Studenten können die Professoren individuell auf den Einzelnen eingehen.
Inhaltlich ist unser Studiengang stark an den Grundlagen der Ingenieursausbildung orientiert. Unsere Studenten sind in den ersten drei Semestern in den Fächern wie Mathematik, Chemie und Physik sehr gefordert.
DD: Welche Studien-Projekte sind Ihnen besonders wichtig und warum?
Herzau-Gerhardt: Projektarbeit ist für den Studiengang Drucktechnik so wichtig, dass wir mit dem Bachelor das Modul Projektmanagement kontinuierlich weiterführen werden. Das heißt, jeder künftige Drucktechniker ist während seines Studiums ganz konkret in die Produktion eines Druckproduktes eingebunden.
Die Aufgabenstellung der einzelnen Projekte stammt meist von einem regionalen Unternehmen. Wichtig am Projektmanagement ist mir die interdisziplinäre Teamarbeit der Studenten des Fachbereichs Medien. Der Workflow wird aufgabenspezifisch von den Studenten der unterschiedlichen Fächer organisiert. Darüber hinaus gibt es natürlich Projekte von einzelnen Studenten. Beispielsweise haben zwei unserer Studentinnen ihre Dip-lomarbeiten in Kooperation mit dem Bundesverband Druck und Medien geschrieben. Es ging um die Möglichkeiten der Veredelung im Bogenoffset- und Endlosdruck. Die Ergebnisse wurden in einer Broschüre zusammengestellt und zur Drupa veröffentlicht.
DD: Über welche Fähigkeit sollte ein Absolvent beim Berufsstart verfügen?
Herzau-Gerhardt: Wer die HTWK Leipzig als Druckingenieur verlässt, sollte das methodische Denken gelernt haben und zur Problemanalyse fähig sein. Dies ist nach jahrzehntelanger Erfahrung mein Credo: Methodisches Denken und Problemanalyse. Unsere Studenten sind in allen Bereichen der Drucktechnik ausgebildet. Damit die Ingenieure dieses Wissen aber auch flexibel einsetzen können, braucht es die Fähigkeit zur Abstraktion und zum Wissenstransfer. Dieses Potenzial zeichnet unsere Absolventen des Studiengangs Drucktechnik an der HTWK Leipzig aus.

Erschienen in DD 35/2008

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