Durch persönliche Kontakte gut auf die Branchen vorbereitet


Moderne Gegenwart. Heute hat die Hochschule München drei große Standorte: in Pasing, an der Lothstraße und der Karlstraße. Mit rund 7 000 Studenten ist der nordwestlich des Hauptbahnhofs gelegene Campus Lothstraße der größte. Hier haben acht Fakultäten ihren Sitz, Druck- und Medientechnik gehört zur Fakultät 05 und zählt neun Professuren. „Drei davon sind neu ausgeschrieben, zwei von diesen werden zum Sommersemester 2009 besetzt”, berichtet Kreulich. Zudem sind im Studiengang 30 Lehrbeauftragte aus Industrie und Forschung und vier technische Mitarbeiter beschäftigt.

Außer der Fachhochschulreife gibt es für das Studium Druck- und Medientechnik derzeit keine speziellen Voraussetzungen – ein Vorpraktikum wird jedoch empfohlen. Professor Andreas Berchtold beschreibt das Profil von Interessierten, die besonders geeignet sind: Er nennt „die Begeisterung für Printmedien und Druckprodukte im Allgemeinen, eine Affinität zu Maschinentechnik und Computeranwendungen und die Freude an Mathematik, Naturwissenschaften und Informatik”. Professor Martin Delp ergänzt drei weitere Merkmale: „die Motivation zu betriebswirtschaftlichem Denken, Talent für die Organisation von Geschäfts- und Arbeitsprozessen und die Fähigkeit zum selbstständigen Arbeiten genauso wie Bereitschaft für die Arbeit im Team”.

Wahlfreiheiten im Bachelor. Zum Wintersemester 2007/2008 hat der Bachelor-Studiengang den Diplomstudiengang endgültig abgelöst. Der Bachelor ist modular aufgebaut und besteht aus Pflichtmodulen und einem großen Anteil an Wahlpflichtmodulen. Darüber hinaus können zusätzliche Fächer und Module aus dem gesamten Studienangebot der Hochschule München ausgewählt werden. Einschließlich Bachelor-Arbeit umfasst das Studium sieben Semester. In den ersten beiden Semestern geht es um Grundlagenwissen. Der Stoff wird in Gruppen von 60 bis 80 Studenten unterrichtet. In den Semestern drei und vier vertiefen die Studenten fachspezifische Inhalte, sie wählen einen Schwerpunkt aus einem der drei Gebiete Medien, Druck oder Betriebswirtschaft. Das fünfte Semester ist ein praktisches Industriesemester, das sich für einen Aufenthalt im Ausland anbietet. Im sechsten Semester steht das Arbeiten in Projektteams im Vordergrund. Lehrprojekte vermitteln Kompetenz in Sachen Problemlösung. Das Studium endet mit der Bachelorarbeit im siebten Semester. „Die Arbeit wird in Kooperation mit einem Unternehmen verfasst, diese zahlen dafür Monats-pauschalen von 250 bis 1 000 Euro”, betont Professor Christian Luidl.

Praktische Erfahrungen. Der Praxisbezug hat einen hohen Stellenwert und wird unter anderem durch die mehr als 30 Lehrbeauftragten gesichert, die überwiegend in der Branche arbeiten. „Mit Personalrecruiting im Hinterkopf kommen zahlreiche Unternehmen auf uns zu und bieten über den Stundenplan hinaus Veranstaltungen an”, erzählt Professor Delp. Beispielsweise Fachvorträge und Symposien sowie Recruiting-Veranstaltungen und Produktpräsentationen. Diplom-Volkswirtin Karina A. Simon kümmert sich um Kooperationen mit den Unternehmen. „Ihre Referentenstelle hat der Förderverein Druck- und Medien e.V. gemeinsam mit dem Verband Druck und Medien Bayern gestiftet”, berichtet Professor Kreulich. Über das Praxissemester hinaus, werden im Sinne von praktischen Erfahrungen zahlreiche Projekte angeboten. In den betriebswirtschaftlichen als auch technischen Modulen werden so genannte Lehrprojekte durchgeführt. Dabei löst die Studiengruppe reale Probleme, die von Unternehmen der Branche gestellt und begleitet werden. Exkursionen und modulbegleitende Praktika sind weitere Unterrichtselemente.

Viele Studenten knüpfen während des Studiums auch als Werkstudenten Kontakt zu den Unternehmen. Hannah Putz beispielsweise arbeitete durchweg wöchentlich 20 Stunden. „Anfangs bei einer Internetfirma, jetzt arbeite ich in der Marketingabteilung beim bayerischen Verband für Druck und Medien”, sagt sie und fügt hinzu: „Ein Job von 20 Wochenstunden ist neben dem Studium manchmal zu viel, 15 Wochenstunden lassen sich mit den Anforderungen gut vereinbaren.”

Balance von Technik und BWL 

DD: Prof. Kreulich, Sie sind Leiter des Stu-diengangs Druck- und Medientechnik. Was zeichnet Ihrer Meinung nach den Aufbau des Studiengangs in München aus?

Prof. Dr.-Ing. Klaus Kreulich

Der Studiengang ist mit Blick auf die Anforderungsprofile der Druckindustrie konzipiert: Manuelle Abläufe sind abgelöst, in digitalisierten Abläufen werden Bild- und Textdaten zwischen Kunden und Druckbetrieben via Internet ausgetauscht. Cross-Media-Pub­lishing oder E-Business sind etabliert. Die Fertigungsprozesse sind gekennzeichnet durch digitale Vernetzung, Automatisierung und höchste Qualitätsstandards. Entwicklungen wie das E-Paper lassen Substrate mit in-
tegrierten digitalen Eigenschaften erwarten. Im Funktionsdruck werden neue Materialien zu komplexen Komponenten verarbeitet. Durch die enge Verzahnung mit der Industrie ist eine stetige Neuerung des Bildungsangebots und der aktuellste Praxisbezug gewährleistet. Für Studenten stehen immer hochkarätige Ansprechpartner aus der Industrie und den in München ansässigen global agierenden Großunternehmen zur Verfügung.
DD: Welche Studien-Projekte sind Ihnen besonders wichtig und warum?
Mit Umstellung auf das Bachelor-Studium haben die Studenten nur noch ein Praxissemester, daher ist für uns die Projektarbeit mit Unternehmen sehr wichtig. Im Verlauf des Studiums nimmt jeder Student an mindestens zwei dieser Projekte teil. Eine Gruppe hat beispielsweise mit der Firma Pirlo in Kufstein die Produktionsabläufe für Metallverpackungen op-
timiert. Zu Praxisprojekten zählen wir auch Messeauftritte, Unternehmertage, Exkursionen und Werksstudententätigkeiten. Ein wichtiger Nebeneffekt ist hierbei der Aufbau von persönlichen Branchenkontakten. Jeder Absolvent soll am Ende seines Studiums mehr als 100
Visitenkarten in der Tasche haben.
DD: Über welche Fähigkeiten sollte ein Ab-solvent beim Berufsstart verfügen?
In unserer dynamischen Branche sind die Fähigkeit zum selbstständigen Weiterlernen auch in technisch komplexen Feldern, zum Einordnen von Innovationen und zum konsequent betriebswirtschaftlichen Handeln wichtige Eigenschaften, die wir immer wieder einfordern und fördern. Zum Rüstzeug gehört aber auch wissenschaftliche Methodik. Auch wenn im Stu-
dium zunächst technische Inhalte Priorität haben, achten wir auf die Balance von Technik und Betriebswirtschaft. Daher machen 30 Prozent des Stundenplans betriebswirtschaftliche Fächer aus, wer mag, kann sogar bis zu 50 Prozent belegen. Darüber hinaus sollen unsere Absolventen die Branche kennen und mit dem Markt vertraut sein. Auf Soft Skills achten wir durchgängig. Mit insgesamt 250 Studenten
haben wir eine überschaubare Größe und ein familiäres Klima, das gute Voraussetzungen schafft, auf die Entwicklung der Persönlichkeit einzugehen.

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Leserkommentare (1)

Fritz Grasedieck | Montag, 21. Januar 2013 09:26:02

"Akademie für das Graphische Gewerbe": Erfahrungen eines Absolventen

Nach der "Mittleren Reife" in München im Jahr 1961 begann ich eine Lehre als Schriftsetzer. Nach erfolgreicher Lehrabschlussprüfung sowie zwei darauf folgenden Gehilfenjahren trat ich dann 1966 zur Aufnahmeprüfung für die Münchener "Akademie für das Graphische Gewerbe - Höhere Fachschule (HTL)" an. In den sechs Semestern des 40. Jahrganges - des letzten Studienganges der konventionellen Ausbildung - erhielten wir solide fachübergreifende theoretische Kenntnisse mit entsprechender manueller(!) Grund-Unterweisung in den diversen Sparten des gesamten Graphischen Gewerbes, die uns ein leichteres Verständnis von der Praxis als hilfreiche Basis für fachübergreifende Kalkulationen innerhalb der gesamten Druckbranche vermittelten.
Allerdings sah diese qualifizierte "Einzelbranchen-übergreifende" Ausbildung den Abschluss-Titel "Ingenieur" nicht vor ... den durften erst die Absolventen des nachfolgenden 41. Jahrganges tragen - und zwar nach einer Reformation, in der die Höhere(!) Physik und die Höhere Mathematik(!) auf Kosten der branchenübergreifenden(!) praktischen Kenntnis-Vermittlung stärker in den Stundenplan eingebaut wurde.
In meinen sechsundvierzig Berufsjahren in Druckereien, Verlagen und diversen Werbeabteilungen aller möglicher Branchen, in denen ich für die Koordination der Drucksachen sowie die Print-Werbung zuständig war, passte ich meine Branchen-Kenntnisse ständig dem neuesten Stand der Technik an, um mit allen sich mit den neuen Technologien ändernden Ansprüchen mitzuhalten.
Während meiner gesamten beruflichen Laufbahn konnte ich jedoch stets auf den soliden Kenntnissen, die ich während meines Besuchs der "Akademie für das Graphische Gewerbe" in den Jahren 1966 bis 1969 erworben hatte, erfolgreich aufbauen.

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