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Auf dem Weg zur Exzellenz vom Wettkampfsport lernen

Insider-Kolumne von Bernhard Maatz aus DD7/2016

Ein früher Eishockey-Profi, der nach langer sportlicher Karriere in die Wirtschaft wechselte und zum Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens aufstieg, verglich in einer Diskussionsrunde die Mitwirkung im Wettkampfsport mit der Arbeit in der Unternehmensleitung. Er stellte viele Gemeinsamkeiten und Übereinstimmungen fest. Die Tätigkeit im Sport ist – so seine Überzeugung – vor allem eine mentale Herausforderung und in der Wirtschaft nicht minder. Denn wer am Ende einer Saison auf dem Treppchen stehen will, muss sich jede Woche aufs Neue im Wettbewerb mit fairen Mitteln behaupten.

Erfolge entstehen im Kopf – im Sport wie in der Wirtschaft. Jeder Mitwirkende muss deshalb die Ziele der Saison verinnerlichen. Und spätestens an dieser Stelle, so der Ex-Profi, gibt es eklatante Unterschiede.

Ein erstes Beispiel ist die Klarheit der Ziele. Einem Profi im Sport ist glasklar, worum es jede Woche aufs Neue geht. In vielen mittelständischen Unternehmen trifft das nicht zu, da sind die Ziele des neuen Wirtschaftsjahres selbst im März noch diffus. Und wenn 27 Prozent der Mitarbeiter amerikanischer IT- Unternehmen angeben, die Vision ihres Unternehmens überhaupt nicht zu kennen, dann scheint es an mentaler Klarheit nicht nur in Deutschland zu fehlen.

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Jeder Mitwirkende muss die Ziele der Saison verinnerlichen.

Bernhard Maatz

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Zwischen Profisport und Wirtschaft gibt es einen weiteren Unterschied, der geradezu ins Auge sticht: Die Gründe für Erfolge wie Misserfolge werden nirgends so genau analysiert wie im Wettkampfsport. Nach jedem Spiel stehen Selbstbewertungen auf dem Programm. Anders sind neue Topleistungen weder zu erreichen, noch zu stabilisieren. Hier kann – nein: hier muss – die Wirtschaft vom Wettkampfsport lernen. Mit der Methodik der European Foundation of Quality Management (EFQM) steht ein geeignetes Werkzeug zur Verfügung. Damit können Führungskräfte und Mitarbeiter die Exzellenz ihrer Organisation prüfen und verbessern. Was gemeint ist, verdeutlicht die EFQM mit folgendem Beispiel:

Wenn ein Unternehmen eine auf der Kante stehende Münze wäre, bestände die wichtigste Aufgabe der Mitarbeiter und Führungskräfte darin, das Kippen der Münze zu verhindern. Der Exzellenz-Gedanke spricht diese Herausforderung unter dem Motto „Stay in Business“ an. Da die Münze aber auch von vielen interessierten Gruppen betrachtet wird, besteht die zweite Aufgabe für die Mitarbeiter und Vorgesetzten zusätzlich darin, je nach Interessenlage den Kopf oder die Zahl der Münze diesen Gruppen zuzuwenden.

Das zweite Motto lautet daher „Stakeholder Orientation“. Die RADAR-Methodik aus dem EFQM -Baukasten trägt zu Reflexion des Unternehmensgeschehens bei. Damit kann jede Organisation eine Reife erlangen, die um den Aufstieg mitspielen lässt und nicht um die Relegation. Dass die Arbeit der EFQM durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert wird, macht deutlich, dass die Forcierung der Wettbewerbsstärke auch volkswirtschaftlich von Bedeutung ist.

→ Ihre Meinung? insider@print.de

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Bernhard Maatz (66) ist Gründer und Mehrheitsgesellschafter der Symbio Consult GmbH. Der gelernte Industriekaufmann studierte Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Marketing. Nach 40 Berufsjahren – auch in der Druckindustrie – ist er ein Experte auf dem Gebiet der Unternehmensneuausrichtung, Organisationsentwicklung und Handlungskompetenz.

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