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Das Beschäftigungsmodell der Zukunft?

Haben Sie schon von „liquid“ gehört? Nein? Das sollten Sie aber – völlig egal, ob Sie Arbeitgeber oder Arbeitnehmer sind. Denn die Strukturen, nach welchen der Software-Konzern IBM künftig seine Beschäftigungsverhältnisse organisieren will, sind verblüffend und erschreckend zugleich. Von „Radikalreform der Belegschaft“ ist in den kürzlich veröffentlichten Re­cherchen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ die Rede, von „Revolution in der Arbeitswelt“. IBM selbst ließ den Artikel freilich unkommentiert.

Wenige Tage zuvor war zunächst „nur“ ver­meldet worden, dass IBM 8.000 von 20.000 Stellen in Deutschland abbauen wolle. Das „Liquid“-Programm aber lässt diesen Schritt als erste Maßnahme hin zu einer neuartigen Konzernstruktur erscheinen. Denn laut „Spiegel“ will der IT-Konzern künftig nur noch eine Kernbelegschaft „zur Aufrechterhaltung der Kundenbeziehungen“ fest beschäftigen, der Rest der Mitarbeiter werde aus einer so genannten globalen „Talent Cloud“ projekt- und/oder zeitbezogen angeheuert (und entlohnt), um Dienstleistungen für die IBM-Kunden zu erbringen.

Ihre Arbeitskraft anbieten können die Fachkräfte auf einer Internetplattform ähnlich wie eBay. Über „virtuelle Kioske“ sollen Firmen aus aller Welt Zugriff auf das Personal erhalten, ein Zertifizierungsmodell soll die freien Mitarbeiter nach Qualifizierungs- und Befähigungsgrad kennzeichnen. Zudem sei ein Bewertungstool ganz im Stile sozialer Netzwerke wie etwa Facebook („Gefällt mir“) als Kriterium für die Leistungsfähigkeit der „Miet-Jobber“ angedacht. Die „digitale Reputation“, quasi ein elektronischer Arbeits-Lebenslauf samt Bewertungen, der den freien Mitarbeiter auch in seiner sozialen Kompetenz einordnet und gleichzeitig motivieren soll, würde zum entscheidenden Faktor für den Erfolg von Arbeitnehmern.

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Sind es bisher eher technische Prozesse, die zum ökonomischen Vorteil von produzierenden Unter­nehmen in die Wolke ausgelagert werden, so könnte es bald der eigentlich teuerste Kostenfaktor sein: der Mensch.

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Paradiesische Zustände für Firmen, wie der „Spiegel“ zurecht feststellt. Wer als Arbeitnehmer nicht mitmacht, kommt nicht auf die Bewerberliste („Talent Cloud“) und ist quasi chancenlos. Wer sich den Spielregeln unterwirft, ist lückenlos transparent und ständig unter Druck, seine „digitale Reputation“ zu verbessern. Wie die Entlohnungsregelungen für ein solches weltweites „Heer von Arbeitssöldnern“ aussehen könnten, mag manch einer schon erahnen... Der „Spiegel“ spricht im Zusammenhang mit „Liquid“ jedenfalls von einer beängstigenden Mischung aus Freiheit und totaler Kontrolle.
Sollte jemand bezweifeln, dass es IBM wirklich ernst ist mit der „virtuellen Arbeitswelt in der Wolke“, so sei er ins Internet verwiesen. Denn dort hat der IT-Konzern schon vor einiger Zeit die Weichen gestellt und das „IBM Liquid Challenge Program“ für Bewerber aufgesetzt.

Wäre „Liquid“ auch in Teilen der Druckindustrie vorstellbar? Ihre Meinung interessiert mich – bitte schreiben Sie mir!

Herzlich, Ihr

Michael Schüle

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Leserkommentare (1)

matthome | Dienstag, 13. März 2012 14:56:01

Talent Cloud?

Ein solches System hat verschiedene Aspekte:
1. Es muss frei wählbar sein, ob ich dort mitmachen will. Sonst ist wirklich ein großer Teil des menschlichen Arbeitsvermögens chancenlos und würde wie billiges Material gehandelt. In den Referenzen muss auch wählbar sein, ob alle offen gelegt werden müssen.

2. Der Arbeit-/Projektjob-Geber muss auch zusehen, wie er die besten Leute bekommt. Ein wirkliches Talent bekommt dann evtl. sogar richtig gutes Geld für seine Arbeit.

3. Der Job-Anbieter (Arbeitnehmer) hat auch nur 24 Stunden am Tag und verschließt bei Überbeanspruchung.

4. Was tun bei Mehrfachbewerbung, Fake-Accounts und anderen Praktiken, die einfach nur die Preise und Verfügbarkeit regeln sollen?

Nur bei vernünftigem Regelwerk und Management wird ein "Wild-West-Arbeitsmarkt" vermieden, der für alle Seiten nur Illusionen brächte. Aber welche Agentur würde so etwas leisten können? Es arbeiten doch alle nur in die eigene Tasche, wie man bei den Zeitarbeitsfirmen sehen kann.

matthome

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