Weiterempfehlen Drucken

Die Krise im Deutschen Druckmaschinenbau ist hausgemacht

Den Niedergang des Druck-Maschinenbaus in Deutschland kann man nicht am Absatzmarkt festmachen – Druckbetriebe brauchen Unterstützung

Oliver Curdt ist Geschäftsführender Vorstand des Verbandes Druck und Medien in Nordrhein-Westfalen.

Die Insolvenz und Zerschlagung von Manroland ist nach Ansicht des Verbandes ursächlich nicht allein im Absatzmarkt zu suchen, sondern vor allen Dingen auch ein Ergebnis falscher Strategie und Geschäftspolitik des Druckmaschinenbaus. Wer jetzt vor allen Dingen Unterstützung braucht, sind die ehemaligen Käufer von Manroland Maschinen. So die Meinung des Verbandes Druck und Medien Nordrhein-Westfalen, die wir hiermit veröffentlichen.

Sind fehlende Investitionen der Deutschen Drucker sowie strukturelle Veränderungen im Werbeverhalten am Niedergang des einstigen Maschinenbauflaggschiffs, dem Deutschen Druckmaschinenbau, Schuld, so, wie es derzeit in einigen Erklärungen vorgebracht wird?

Nein, erklärt Oliver Curdt, Geschäftsführender Vorstand des Verbandes Druck+Medien NRW, dem größten regionalen Druck+Medien Verband in Deutschland. „Das ist eine zu einfache und zu einseitige Erklärung“, so Curdt.

Genauso wenig ist eine schwindende Druckproduktion, ein niedrigeres Volumen, ursächlich für die Krise des Deutschen Druckmaschinenbaus, meint der Verbandschef. „In einer Branche, die einen Preisindex von 95 gegenüber dem Jahr 2005 aufweist, also sinkende Preise, aber gleichzeitig gestiegene bzw. konstante Umsätze, nämlich 20,34 Milliarden Euro im Jahr 2011, hervorbringt, kann dieses nur durch im Schnitt gestiegene Produktionsvolumina gelungen sein“, erklärt Curdt.

Der Verband führt aus, dass jedoch die Produktivität von Prozessen, Maschinen und Menschen in den letzten Jahren und Jahrzehnten kontinuierlich und deutlich zugenommen hat – „man bezeichnet das auch als Industrialisierung“, so Curdt weiter.

Nach Ansicht des Verbandsmanagers haben die Druckmaschinenhersteller in ihrem gegenseitigen Wettstreit um Größe und Geschwindigkeit von Maschinen seit Jahrzehnten die Rechnung ohne den Markt gemacht und offensichtlich einfache mathematische Berechnungen ignoriert: „Produktivitätssteigerungen von mehr als 10 und bis zu 30% innerhalb von wenigen Entwicklungsjahren und das gleich mehrfach innerhalb der letzten 15 Jahre, kann kein Absatzmarkt in entwickelten Industrienationen wie Deutschland verkraften“, erläutert Curdt. „Die Maschinenbauer haben den Markt systematisch regelrecht mit Überkapazitäten überschwemmt und die geschulten Vertriebsmitarbeiter sowie das Management haben den kurzfristigen Verkaufserfolg offenkundig höher gewichtet als ein gesundes Wachstum“. „Wenn die verantwortlichen Manager und Inhaber einmal ehrlich zu sich sind, dann werden sie das nicht von der Hand weisen können“, so Curdt weiter.

Das Umdenken und Einlenken des verantwortlichen Managements der Druckmaschinenbauer hat nach Ansicht des Verbandsgeschäftsführers zu spät begonnen, vor allen Dingen im Bereich des Bogenoffsetdrucks. „Jahre, wenn nicht mindestens ein Jahrzehnt oder gar mehr hat man meiner Ansicht nach die falsche Strategie verfolgt, Entwicklungen, wie im Bereich Digitaldruck belächelt, verschlafen oder falsch angegangen. Heute sind die Digitaldruckhersteller die neuen Weltmarkführer“, postuliert Curdt.

„Nicht die kleinen Drucker sind schuld, weil sie nicht genug Maschinen gekauft haben, ganz im Gegenteil, manch treuglaubender Betrieb hat weit über seine Verhältnisse und finanziellen Möglichkeiten investiert und sich dabei hoch verschuldet,“ so Curdt weiter. „Im Gegenteil, sie müssen es jetzt ausbaden, dass sie sich für die Maschinen von Manroland entschieden haben.“

Die Bogenoffsetmaschinen sind nach Ansicht von Curdt auf dem Gebrauchtmaschinenmarkt jetzt doch wohl deutlich weniger Wert und stehen zum Teil gleichzeitig höher in den Bilanzen. Welche Risiken noch in Leasingverträgen schlummern, kann man ebenfalls nicht vorhersehen. Auch der Service wird sicherlich leiden.

Curdt: „Es geht um viel Geld, Geld, dass viele KMU-Betriebe, immerhin mehr als 80% der Branchenunternehmen, mit harter Arbeit Tag für Tag erwirtschaften müssen. Daran dachte man bei Manroland wohl leider zu wenig, Schade!“.

Der Verband Druck+Medien NRW e.V. bietet den betroffenen Mitgliedsunternehmen einen kostenlosen Betriebscheck sowie Mithilfe bei der Lösung von auftretenden Problemen an, soweit dieses in seiner Kompetenz liegt.

Gleichzeitig fordert der Verband die Politik dazu auf, keine Subventionen und Bürgschaften für vermeintlich überflüssige Strukturen auszugeben, sondern wenn, dann Bürgschaften dazu zu verwenden, dass den betroffenen Kunden geholfen werden kann, etwa durch Aufrechterhaltung eines wenigstens zeitlich befristeten Service- und Ersatzteilgeschäftes und durch Ausfallbürgschaften bei möglichen Buchwertverlusten in den Bilanzen der Drucker.

Oliver Curdt, Verband Druck+Medien NRW e.V.

curdt@vdmnrw.de

Anzeige

Leserkommentare (4)

Drucker | Donnerstag, 09. Februar 2012 12:06:27

Wie geht es weiter...

Die Branche schwächelt seit Jahren, doch nicht alle haben so schwerwiegende Fehler gemacht wie Finkbeiner bei manroland. Er schaffte es nicht, den Konzern mit all seinen Standorten und Marktorganistionen als Einheit zuformen. Funktionierende Innovationen waren selten und die Vertriebsstrukturen mitunter überheblich, wenig kompetent und teuer. Mit einer neuen Struktur möchte man den Neuanfang wagen. Es wird vermutlich kein Neuanfang werden. Geblieben ist die Denke, sind die lenkenden Köpfe und die Überheblichkeit. Die Freunde aus Würzburg wird es freuen. In spätestens 1-2 Jahren ist der Mitbewerber aus Augsburg/Offenbach vom Markt verschwunden und die Beruhigung in der Branche kommt von allein.

S. Holderried | Montag, 23. Januar 2012 09:22:47

Hausgemchte Krise

Es war ja zu erwarten, dass nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist, sich die Besserwisser in Stellung bringen. Es ist wenig hilfreich wenn sich der Verband Druck+Medien NRW e.V auf Kosten der Zulieferindustrie profilieren möchte. Der Verband sollte sich um die Interessen seiner Mitglieder kümmern. Immerhin hat der BVDM hochgerechnet aufs Jahr 2011 insgesamt 201 Insolvenzverfahren von Druckereien in Deutschland festgestellt und ich habe nirgendwo gelesen, dass Verbände der Zulieferindustrie hierzu einen Kommentar abgaben.
Seit Jahren ist der Wettbewerb in der Druckmaschinenindustrie und hier vor allem im Bogensektor deshalb kannibalisch, weil die Kunden/Drucker/Verleger die Wettbewerbssituation dahingehend ausnutzen, die Druckmaschinenhersteller zu nötigen, ihre Maschinen unter Gestehungskosten zu verkaufen. Wenn der Markt nicht hergibt die Produkte zur Deckung der Vollkosten zu verkaufen, müssen Korrekturen erfolgen. Von einer hausgemachten Krise im Druckmaschinenbau zu reden geht daher an der Sache total vorbei.

2fast4u | Sonntag, 22. Januar 2012 19:52:24

Krise im Deutschen Druckmaschinenbau ist hausgemacht

Sehr geehrter Herr Curdt
Vergessen Sie bitte nicht die Anforderungen der vielen Druckunternehmen, denen ich gleichwohl eine gewisse Mitverantwortung geben will. Preisdruck, einhergehend mit der Hatz nach Gewinnen zur Befriedigung der Anteilseigner und Investoren, dadurch das Streben nach Marktanteilen und Expansion um JEDEN PREIS, wurden und werden eben auch die Hersteller unter Druck gesetzt. Die Hersteller wurden und werden bei Projekten regelrecht gegeneinander ausgespielt, nach dem Motto friss oder stirb, einhergehend mit Forderungen nach Qualität, Durchsatz, Garantieleistungen, Preis, usw., die eigentlich teilweise gar nicht mehr einzuhalten waren. Eines war klar, irgend ein Hersteller stieg immer darauf ein, denn es wurde ja auch so argumentiert, dass wenn man nicht wolle, andere darauf nur warteten, auch die aus dem "billigeren" Ausland. Wir sehen, was im Illustrationstiefdruck passiert ist, es findet seine Fortsetzung nun auch in anderen Bereichen. Natürlich wäre es auch fatal, die Schuld nur den Druckdienstleistern und dem/den Hersteller(n) in die Schuhe zu schieben, auch die Auftraggeber tragen genug dazu bei. Ich erinnere mich an jährliche Briefe der Auftraggeber an die Dienstleister und indirekt Herstellern, in denen faktisch galant durch die Blume erklärt wurde, dass man Preisnachlässe erwarte oder andernfalls die Zusammenarbeit nochmals eingehend prüfen werde. Unsere Gesellschaft ist getrieben vom Geld durch Gewinne auf Kosten vieler, manroland ist wieder ein prominentes Opfer, aber garantiert weitere werden folgen.

Fremdschämer | Sonntag, 22. Januar 2012 19:52:22

Es war einmal...

Dieses nahezu sinnfrei zusammengeschusterte Gefasel ist wohl das beste Beispiel dafür, weshalb den Verbänden die Mitglieder in Scharen weg laufen. Wovon Herr Curdt Ahnung hat, kann ich nicht erkennen, vom Druckmarkt auf jeden Fall nicht die geringste.

Die armen, unmündigen und bemitleidenswerten Drucker wurden von den ach so bösen (hier manroland) Druckmaschinenherstellern zu völlig unsinnigen und betriebswirtschaftlich sinnlosen Investitionen verführt. Oder sogar gezwungen? Ein Skandal.

Dass es bei manroland gewaltige, strategische und operative Fehler gab, ist kaum zu übersehen. Die angebotenen Erklärungen sind schlichtweg zum Fremdschämen!

Kommentar

Mal ordentlich Gras fressen lassen!

Glosse: Wie man es dem verhassten Nachbarn mit Print so richtig zeigen kann ...

Was? Sie stellen sich noch immer in einem Online-Konfigurator Ihren „persönlichen“ PKW zusammen, um danach speziell auf Ihre Vorlieben hin individualisiertes Informationsmaterial vom Hersteller zu erhalten? Ledersitze, metallic-grün, Alufelgen mit Felgenrandaufkleber? Mein Gott, sind Sie „von gestern“...

» mehr

print.de-News jetzt auch per Whatsapp

Die besten Events von print.de – Jetzt Tickets ordern!

Deutscher Druck- und Medientag 2017

Jetzt NEU

Die print.de-Karte der wichtigen Branchenkontakte

Mehr Details zu den einzelnen Anbietern in Ihrer aktuellen Ausgabe des Deutschen Druckers unter Service/Das Branchenverzeichnis A-Z
mehr

Top-Themen

Geschäftsführer Christian Aumüller (Aumüller Druck) hinterfragt den ökologischen Sinn von Forstwirtschaftszertifikaten für Druckereien.

"Fürs FSC/PEFC-Zertifikat werden Druckereien ordentlich gegängelt!"

Am Rande eines Interviews mit „print.de“ über das Engagement der Industriedruckerei Aumüller Druck in Regensburg in Sachen betrieblicher Umweltschutz berichtete Geschäftsführer Christian Aumüller über seine jahrelangen Praxiserfahrungen mit der FSC/PEFC-Zertifizierung und hinterfragt deren Sinnhaftigkeit für die Druckindustrie.
mehr

Ganz so unbedeutend ist die Druckbranche gar nicht

Wenn das Geschäft einer Druckerei nicht mehr auskömmlich ist, hört man immer wieder dieselben Begründungen: „Das Internet macht uns das Leben schwer.“ Oder: „Wegen des ruinösen Preiskampfes haben wir keine Chance.“ Warum solche negativen Statements der Printbranche nicht gerecht werden und warum Zeitschriften als Premiumprodukte auch häufiger als alle zwei Monate erscheinen können, erläutert Bernhard Niemela, Geschäftsführer Deutscher Drucker.
mehr

Aktuell bei Top 10

Die 10 besten Schriften 2016

Das sind die 10 besten Schriften des Jahres 2016 – zumindest wenn es nach der britischen Type Foundry "HypeForType" geht. Das britische Versandhaus für Schriften hat die aus seiner Sicht besten Schriften des vergangenen Jahres gekürt.
mehr

Ganz großes Kino für Print: Wie die Creatura-Initiative begeistert

CGI – So sieht die Zukunft der Bildbearbeitung aus

Umfrage

Rechnen Sie mit einem starken Jahresendgeschäft?

Jetzt abstimmen

Kommentare

Services

Bitte warten...