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Fokus verloren!? Fit für die Zukunft durch Prozessmanagement

Insider-Kolumne von Roland Behringer aus DD6/2016

Mittelständische Unternehmen, die an der Schwelle zur Industrialisierung stehen, werden oftmals mit neuen und völlig unerwarteten Herausforderungen konfrontiert. Eine dieser unbekannten und neuen Aufgabenstellungen ist das professionelle Prozessmanagement. Prozesse messbar zu machen und mit adäquaten Kennzahlen zu steuern setzt voraus, dass die sogenannte „Abteilungsorientierung“ einer notwendigen „Prozessorientierung“ weichen muss. Gibt man bei derartigen Veränderungen Hilfestellung fällt immer wieder auf, dass in vielen Unternehmen der aktuelle Fokus auf die wertschöpfenden Prozesse stark verwässert oder sogar gänzlich abhandengekommen ist.

Nach wie vor wird in Druckereien die Wertschöpfung in der Produktion generiert. Folgt man der „Lean Production“- Philosophie, sollte man die Wertschöpfung maximieren und Verschwendungen jeglicher Art minimieren oder gänzlich eliminieren. Aus dieser elementaren Denkweise resultiert die Verpflichtung der Unterstützungsprozesse die wertschöpfenden Unternehmensaktivitäten maximal und vor allem optimal, also verschwendungsfrei, zu versorgen. Leider ist das Gegenteil oftmals gängige Praxis.

In einer Prozesskette ist es unabdingbar konsequent das Kunden-Lieferanten Prinzip anzuwenden. Prozessanalysen zeigen jedoch, dass viele der Unterstützungsprozesse, die Lieferanten also, die Kundenanforderungen (intern) nur mit ungenügender Qualität erfüllen. Da vor allem in den administrativen Unterstützungsprozessen keine Kennzahlen zur Qualitätssicherung existieren, wird dies nicht erkannt. Dies hat fatale Folgen für das Gesamtsystem.

Die Eliminierung der Qualitätsdefizite der Unterstützungsprozesse wird unbewusst an die Führungskräfte der Produktion delegiert, mit der Konsequenz, dass diese zu sogenannten „Kümmerern“ mutieren. Die angedachten Führungsaufgaben müssen vernachlässigt werden, weil das tägliche „trouble shooting“ sämtliche Kapazitäten raubt.

Bei genauerem Hinsehen zeigt sich dabei eine weitere katastrophale Fehlentwicklung. Das Produktionspersonal wird seit jeher durch Arbeitsanweisung angehalten sich diszipliniert an Vorgaben zu halten. Bei Zuwiderhandlungen wird dies natürlich abgestraft. Würden sich die Produktionsmitarbeiter jedoch diszipliniert an die Vorgaben halten, würden dann natürlich auch sämtliche Fehlleistungen der Unterstützungsprozesse ungefiltert durch die Produktion laufen. Da die Fehlerquote von Auftragsdokumente oftmals >30% ist, hätte dies natürlich die fatale Folge, dass mehr als 30% der externen Kundenanforderungen nicht erfüllt würden. Die Erwartungshaltung der gesamten Organisation ist natürlich, dass die Produktionsmitarbeiter „mitdenken“ und sich im Bedarfsfall eben dann nicht an die Regeln halten und die Fehler eliminieren.

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Nach wie vor wird in Druckereien die Wertschöpfung in der Produktion generiert.

Roland Behringer

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„Was denn nun?“ Disziplin oder strategisch verordnete Disziplinlosigkeit. Modernes Prozessmanagement führt ohne Umweg zur Beseitigung derartiger Fehlentwicklungen.
Die konsequente Anwendung von Prozessmanagementmethoden hat zur Folge, dass teils erhebliche Verschwendungspotentiale identifiziert und behoben werden können, bevor man zur Kostenreduktion stereotypisch Personal in den wertschöpfenden Bereichen reduziert. Das sog. „Gewinnsparen“ wirkt zwar unmittelbar auf das Ergebnis jedoch in den meisten Fällen nicht nachhaltig. Oftmals wird gar nicht mehr die Fragestellung untersucht, ob eventuell mit mehr Personal mehr Gewinn erwirtschaftet werden könnte

Völlig absurd wird es dann, wenn im Controlling Personal verstärkt wird, um bis ins letzte Detail herauszufinden, warum die Wertschöpfung nicht ausreicht um Gewinn zu erwirtschaften.
Um sich die Chance zu erhalten zukünftig den stark turbulenten Druckmarkt mitzugestalten sollten schnellstmöglich die Hausaufgaben gemacht werden. Professionelles, durch Kennzahlen unterlegtes Prozessmanagement ist unabdingbar, um ein Unternehmen für die Herausforderungen der Zukunft fit zu machen und sich vor den beschriebenen Fehlentwicklungen abzusichern.

→ Ihre Meinung? insider@print.de

 

Roland Behringer (51) hat 26 Jahre Erfahrung in der Druckindustrie. Seit 2011 unterstützt er als Unternehmensberater in zahlreichen Projekten Unternehmen ihre Effizienz zu steigern. Scherpunkte sind Prozessoptimierungsprojekte sowohl in technischen als auch in administrativen Bereichen, die Ausbildung und Zertifizierung von Führungskräften zu Lean Six Sigma Prozessoptimierungsexperten, Implementierungen moderner Instandhaltung, Projekt- und Interim Management.

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