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Für die Corporate Publisher ist "Analog das neue Bio"

Insider-Kolumne aus DD 14-15/2015

Überwiegend Printmedien gaben bei der Verleihung der diesjährigen Corporate-Publishing-Awards in München den Ton an. „Analog ist das neue Bio“ war mehrmals zu hören, sowohl vom Moderator als auch von den Rednern des am selben Tag stattfindenden Kongresses unter dem Motto „Inhalt zählt“. Empirisch auf den Punkt brachte es eine Befragung in den Führungsetagen deutscher Unternehmen zum Thema Kunden- und Mitarbeiterkommunikation. Nach der Bedeutsamkeit der Kommunikationskanäle befragt, landete Print an erster Stelle. Eine wirklich gute Nachricht.

Überhaupt war der Kongress für mich sehr erhellend. Mehr oder weniger einig waren sich die Redner auch darin, dass B2B-Kommunikation über soziale Medien so gut wie wirkungslos sei. Noch eine gute Nachricht also.

Und beim Kostenvergleich zwischen Print und Digital gab es eine weitere spannende Erkenntnis: Durchschnittlich 30 Prozent der Gesamtkosten eines gedruckten CP-Mediums entfallen auf die „Distribution“. Gemeint sind damit die Kosten für Druck und Papier und die Verteilung an den Empfänger. Wenn bei digitalen Medien diese „Distributionskosten“ von den Excel-Fetischisten nun einfach gestrichen werden, werde ein noch so gut konzipierter Auftritt in digitalen und sozialen Medien sein Publikum nicht erreichen. Die dritte gute Nachricht.

Es geht um Corporate Publishing. Also um ganzheitliche, inhaltsgetragene, hochwertige Kommunikation, die sich an die vielfältigen Interessensgruppen des gesamten Unternehmens richtet. Es geht um die Stakeholder, deren Goodwill für das Unternehmen, seine Strategie und seine Ziele, letztendlich über dessen langfristigen Erfolg entscheidet. Printmedien, welche die Stakeholder gewinnen und überzeugen, sind beratungsintensiv und erfordern oftmals Produktentwicklung. Es geht um die ganze Palette der Fähigkeiten eines Qualitätsdruckers: Farb- und Rastertechnik, besondere Papiere, Kombination mit anderen Materialien, Veredelungen und nicht zuletzt um Dreidimensionalität aus Papier und Karton. An solche Aufträge zu kommen, ist gewiss nicht leicht. Wenn man es als Drucker aber schafft, sein Unternehmen auf anspruchsvolle Druckprodukte im beschriebenen Sinn auszurichten, wird man belohnt. Geht es um hochkarätige Zielgruppen, muss das Printmedium ebenso hochkarätig ausfallen. Journalistisch aufbereitete Inhalte und das multisensorische Erlebnis des Produkts gehen Hand in Hand. Besonders schön ist: Wenn die Entscheidungen in den Führungsetagen der Kunden angesiedelt sind, sticht Qualität immer wieder das Preisargument der Einkäufer.

Qualitätsdrucker gibt es nicht mehr viele in unserer auf Fließbandproduktion und Produktivität getrimmten Branche. Ich möchte alle von Ihnen ermutigen, nicht schwankend zu werden, angesichts Volumenrückgang und Preisverfall bei Commoditiy-Drucksachen. Einkaufsportale bestücken hat mit Qualitätsdruck wenig zu tun. Das Feld überlassen wir gerne denen, die immer auf der Suche nach Kostensenkung sind und die Kundenberatung einsparen.

Ihre Meinung? insider@print.de

Der Autor 

Ernst Gärtner (62) ist als Geschäftsführer der Eberl Print GmbH (Immenstadt/Allgäu) verantwortlich für Strategie, Marketing und Vertrieb. Als Quereinsteiger in die Druckindustrie hat er sich den Blick von außen bewahrt.

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