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Morgenröte? Oder doch flammendes Inferno?

Editorial aus DD29/2012

Das wichtigste an einem Kongress ist dessen Motto. Es entscheidet über gefüllte oder leere Stuhlreihen. Ging die europäische Tiefdruckvereinigung ERA bei ihrer Jahreskonferenz deshalb in die Vollen? Ein „New Dawn for Publication Gravure“ wurde angekündigt, was man mit „Neue Morgenröte für den Publikations-Tiefdruck“ übersetzen kann. Wer auf die Turiner Veranstaltung zurückblickt, muss allerdings zu dem Schluss kommen: Der kreative Kopf hinter dem Kongressmotto ist einer Täuschung erlegen. Die Röte, die er am Horizont gesehen hat, war keineswegs die Morgendämmerung, sondern der Schein des Großfeuers, das überall in Europa im Publikationstiefdruck lodert. Dessen Brandherde – in Form von auseinanderdriftenden Kosten und Erlösen – können die Konzernmanager gar nicht so schnell austreten, wie diese immer wieder aufflammen.

Das mit den Flammen sehen andere offenbar genauso. Kaum hatte die Familie Pozzoni Anfang 2012 die restlichen 20 Prozent an Italiens größtem Tiefdruckunternehmen Mondadori Printing erworben, wurde der Betrieb bei Rotocalcografica in Cinisello Balsamo stillgelegt. Stillgelegt? Nein, sagte Mario Pozzoni gegenüber Deutscher Drucker jetzt: „freezed“, also „eingefroren worden“ sei der Standort.

Und während man in Deutschland noch kopfschüttelnd vernimmt, dass selbst ein verschwiegenes Unternehmen wie Prinovis einräumt, ihr Werk Itzehoe befinde sich „in einer besorgnis­erregenden Ergebnissituation“–wird südlich der Alpen gehandelt. Nicht nur Pozzoni legt ein Viertel der italienischen Tiefdruckkapazität still. Auch das Druckunternehmen Ilte verabschiedet sich offenbar aus der Technologie und sogar der Düsseldorfer Industrielle Peter Bagel hat sich stillschweigend aus seiner Mehrheitsbeteiligung an Rotoalba zurückgezogen. Der Inhaber zweier Tiefdruckereien und einer Rollenoffsetdruckerei in Deutschland besitzt seit August statt 85 nur noch zehn Prozent an dem piemontesischen Betrieb, bei dem gänzlich gegen den Trend ein Zeitschriftenverlag – Guido Veneziani Editore – eingestiegen ist.

Trotz dieser Situation bemühten sich die Kongressredner der ERA Annual Conference redlich, aber meist vergeblich, einen Silberstreif an den regenverhangenen Turiner Himmel zu malen.
Die wenigen echten Tiefdruck-Erfolgsgeschichten kommen derzeit aus neuen Märkten – etwa aus Indien, wo Christophe Barth für das Joint Venture HT Burda Media nur zwei ältere, aus Deutschland geholte Maschinen zur Ver­fügung hat. Dafür gibt es in dem riesigen Land noch sehr viel ungenutztes Marktpotenzial für hochauflagigen Druck in guter Qualität – und kaum Konkurrenz. Weder aus dem Tiefdruck noch aus dem High-Volume-Rollenoffset.

Herzlich, Ihr

Gerd Bergmann

   

Ihre Meinung: g.bergmann@print.de

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