Weiterempfehlen Drucken

Nachhaltig und gesund: Bücher zum Reinbeißen

Editorial aus Deutscher Drucker 23/2017
 

Ein Buch, das sich zum Häuschen umbauen lässt und eine Produktion, die sich hierzulande offenbar nicht lohnt.

Der Markt für Kinder- und Jugendbücher wächst, nur leider findet deren Produktion meist irgendwo in Fernost statt. Zu teuer und zu aufwändig, heißt es da meist auf Seiten der Verlage, wenn gefragt wird, warum keine deutschen oder europäischen Druckereien das Rennen machen. Haben die hiesigen Betriebe diesem Trend denn überhaupt etwas entgegenzu setzen?

Dass Bücher pädagogisch wertvoll sind, darüber sind sich vermutlich fast alle Eltern einig. Auch darüber, wie wichtig es ist, den Nachwuchs möglichst frühzeitig an den Lesestoff heranzuführen. Und damit die Kleinsten auch Spaß haben an den Büchern rund um Bagger, Hund, Katze und Maus, sind diese inzwischen fast besser ausgestattet als ein iPhone. Da muss es blinken und glitzern, quietschen und hupen, interaktiv sein und ­
am besten so viele Klappen, Schieber, Knöpfe und Hebel haben, dass man eher an ein Hightech-System denkt als an ein Buch.  
Nach der Ökobilanz, der Schadstoff­belastung oder den Produktionsbedingungen fragt von den Verbrauchern aber keiner. Dabei lohnt es sich durchaus, genauer hinzuschauen. Eine Umfrage unter den Kinderbuchverlagen auf der Frankfurter Buchmesse (siehe Seite 14) hat ergeben, dass ein Großteil der Kinderbuchproduktion in Fernost läuft. Der Grund: Die Verarbeitung und Veredelung der meist multifunktionalen Bücher sind so aufwändig, dass sie sich in Deutschland nicht wirtschaftlich realisieren lassen. Das meiste davon ist Handarbeit – und die hat ihren Preis.
 
Also keine Chance für deutsche oder europäische Druckdienstleister, auf diesem Markt zu punkten? Ich behaupte, doch. Und es gibt durchaus Unternehmen, die es vormachen. Pappebuchhersteller Sachsendruck zum Beispiel wirbt mit der Kinderbuchproduktion nach der Richtlinie EN 71 für Spielzeugsicherheit. Zudem hat die Druckerei aus Plauen werbewirksam ein Öko-Bilderbuch mit eingearbei­teten Apfelkernen produziert, das nach dem Lesen in die Erde eingegraben werden kann. Mit etwas Glück hat das Kind dann nach dem Buch auch noch einen Apfelbaum.

Ökologie und Schadstofffreiheit schreibt sich auch die österreichische Druckerei Gugler auf die Fahne und platzierte sich mit ihren entsprechend zertifizierten Kinderbüchern auf der Buchmesse mitten zwischen den Kinderbuchverlagen. Die Botschaft an die potenziellen Kunden: Hier dürfen die Kleinsten getrost ins Buch beißen.

Gar nicht dumm, denn es gibt längst auch einige Verlage, die diese Argumente für sich nutzen wollen. Der Nürnberger Tessloff Verlag beispielsweise versieht einen Großteil seiner Bücher mit dem Hinweis „Printed in Ger­many“ oder „Printed in Europe“. Der kleine Aufdruck, der kurze Wege, lokale Dienstleister und Nachhaltigkeit verspricht, überzeugt durchaus einige der Käufer – selbst wenn das Buch dann nicht blinkt oder spricht. [2887]

Können hiesige Druckereien und Buchbindereien überhaupt konkurrenzfähig in den Kinderbuchbereich einsteigen? Was denken Sie? Lassen Sie es mich wissen: m.reinhardt@print.de

factbox 

Martina Reinhardt ist Redakteurin für das Ressort Druckweiterverarbeitung beim Onlineportal print.de sowie dem Fachmagazin Deutscher Drucker.

Anzeige

Firmen-Suche

Leserkommentare (2)

Julia Rohmann | Dienstag, 28. November 2017 11:56:04

Asiatische Druckprodukte können einfach auf den deutschen Markt kommen.

Sehr geehrte Frau Reinhard,
ich bin auf Ihren Artikel „Nachhaltig und gesund: Bücher zum Reinbeißen“ auf Print.de aufmerksam geworden. Dieser befasst sich mit der Flut an Büchern aus den fernöstlichen Druckereien aufgrund von günstigen Produktionen.
Wir beobachten auch zunehmend, einen weiteren Effekt für diese Flut. Unserer Meinung nach ist der Import von fertigen Druckerzeugnissen nach Europa rechtlich einfacher als der von Rohstoffen, die von Druckereien benötigt werden. Wir kämpfen daher seit Jahren dafür, dass der Geltungsbereich der EU Timber Regulation auf Druckerzeugnisse ausgeweitet wird.
Die europäische Holzhandelsverordnung (EU Timber Regulation/EUTR) dient der weltweiten Eindämmung illegal eingeschlagenen Holzes und soll dessen Vermarktung in der EU unterbinden. Alle Marktteilnehmer, die in der EU Holz oder Holzprodukte erstmalig in Verkehr bringen, müssen dafür sogenannte Sorgfaltspflichten gemäß der EUTR erfüllen.
Wir begrüßen, dass Maßnahmen zur Reduzierung illegalen Holzeinschlages eingeführt wurden und sehen darin eine Begünstigung nachhaltiger Forstwirtschaft weltweit. Allerdings fallen momentan nur Holz und dessen Erzeugnisse – wie Platten, Paneele, Papier und viele mehr – in den Geltungsbereich. Fertige Druckerzeugnisse betrifft der erschwerte Import mit nachzuweisenden Sorgfaltspflichten nicht (Artikel 49 des Zoll- und Handelsabkommens). Diese Gesetzeslücke erleichtert den Import von illegal geschlagenem Holz, das zu Papier verarbeitet wurde, solange dieses bedruckt ist. Insbesondere bei Holzprodukten aus Asien – und vor allem China, das in großer Zahl gedruckte Bücher nach Europa exportiert – besteht die Gefahr, dass diese aus illegalem Einschlag stammen.
Der bvdm fordert, den Geltungsbereich auf fertige Druckerzeugnisse – z. B. Zeitungen, Broschüren und Bücher – aus Nicht-EU-Ländern auszuweiten. Bereits im Jahr 2010 hatte der bvdm zu diesem Punkt erstmals kritisch Stellung bezogen. Insbesondere im Rahmen der momentan anstehenden Überarbeitung der EU-Holzhandelsverordnung sollte das Problem behoben werden, damit keine Marktverzerrungen aufgrund erschwerter Bedingungen in Europa entstehen. Wir fordern eine Stärkung der innereuropäischen Marktsituation.
Freundliche Grüße
Julia Rohmann

Franz Graumann | Freitag, 17. November 2017 17:06:04

Asiatische Druckereien und EU Spielzeug Richtlinie

Ich bezweifle das sich die ausländischen, insbesondere die asiatischen Druckereien, an die EU-Spielzeugrichtlinie 2009/48/EG halten, welche auch die Eigenschaften der Druckfarben regelt.
Bei einer Überprüfung derartiger Bücher wird das Geschrei wieder groß sein und alle wundern sich. Wie mit div. Adventskalendern...

Denkt mal drüber nach.

F.G.

Kommentar

Personalmarketing wird immer mehr zur Chefaufgabe

Insider-Kolumne von Michael Dömer aus DD24/2017

Arbeiten Sie gerade an Ihrem Budget für 2018 und fragen sich dabei, wie Sie die weiter schrumpfenden Erträge mit den bekannten Methoden von Kosteneinsparungen, Prozessoptimierungen und mehr Umsatz bei schlechteren Preisen noch weitertreiben sollen ohne ihr Unternehmen dadurch zu gefährden? Nun entsteht auch noch ein weiteres Problem: Ihnen fehlt Personal auf allen Ebenen – wenn nicht akut so doch perspektivisch.

» mehr

print.de-News jetzt auch per Whatsapp

Druck&Medien Awards 2017 - die Gewinner

Jetzt NEU

Die print.de-Karte der wichtigen Branchenkontakte

Mehr Details zu den einzelnen Anbietern in Ihrer aktuellen Ausgabe des Deutschen Druckers unter Service/Das Branchenverzeichnis A-Z
mehr

Top-Themen

Geschäftsführer Christian Aumüller (Aumüller Druck) hinterfragt den ökologischen Sinn von Forstwirtschaftszertifikaten für Druckereien.

"Fürs FSC/PEFC-Zertifikat werden Druckereien ordentlich gegängelt!"

Am Rande eines Interviews mit „print.de“ über das Engagement der Industriedruckerei Aumüller Druck in Regensburg in Sachen betrieblicher Umweltschutz berichtete Geschäftsführer Christian Aumüller über seine jahrelangen Praxiserfahrungen mit der FSC/PEFC-Zertifizierung und hinterfragt deren Sinnhaftigkeit für die Druckindustrie.
mehr

Ganz so unbedeutend ist die Druckbranche gar nicht

Wenn das Geschäft einer Druckerei nicht mehr auskömmlich ist, hört man immer wieder dieselben Begründungen: „Das Internet macht uns das Leben schwer.“ Oder: „Wegen des ruinösen Preiskampfes haben wir keine Chance.“ Warum solche negativen Statements der Printbranche nicht gerecht werden und warum Zeitschriften als Premiumprodukte auch häufiger als alle zwei Monate erscheinen können, erläutert Bernhard Niemela, Geschäftsführer Deutscher Drucker.
mehr

Aktuell bei Top 10

Die 10 besten Schriften 2016

Das sind die 10 besten Schriften des Jahres 2016 – zumindest wenn es nach der britischen Type Foundry "HypeForType" geht. Das britische Versandhaus für Schriften hat die aus seiner Sicht besten Schriften des vergangenen Jahres gekürt.
mehr

Druck&Medien Awards 2017 – Get-together und Dinner

Druck&Medien Awards 2017 – Die Verleihung

Umfrage

Planen Sie, 2018 neues Personal einzustellen?

Jetzt abstimmen

Kommentare

Services

Bitte warten...