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Neue Anforderungen an moderne Führungskräfte

Insider-Kolumne von Roland Behringer aus DD18/2016

Für Unternehmen der Druckbranche wird es immer schwieriger, geeignete Führungskräfte zu rekrutieren, die den Anforderungen des turbulenten Druckmarktes gerecht werden. Wurden sie früher oftmals aus den eigenen Reihen geholt, scheint dies aktuell immer schwieriger zu werden. Verschärfend kommt dazu, dass der Personalmarkt so gut wie leer gefegt ist. Junge Neueinsteiger bleiben aus und somit entstehen Engpässe mit fatalen wirtschaftlichen Folgen.

In der Vergangenheit war es gängige Praxis, die beste Kraft in dem zu besetzenden Bereich zur Führungskraft zu ernennen. Dabei standen die fachlichen Qualitäten im Vordergrund. Es sollte ja niemand in der Lage sein, seinem/r Chef/in fachlich die Stirn bieten zu können. Durch den Wandel der Branche haben sich aber die Rahmenbedingungen verändert und das bisherige Rekrutierungsverfahren stößt an seine Grenzen. Um im schwierigen Wettbewerb bestehen zu können, müssen wertvolle versteckte Prozess- und Produktivitätsreserven genutzt werden. Methodische und analytische Ansätze helfen dabei nur, wenn die Führungskräfte – als tragende Säulen derartiger Bemühungen – die notwendigen Veränderungen professionell führen. Das sprengt jedoch in vielen Fällen das vorhandene Führungs-„Know How“. Die Konsequenzen daraus sind gescheiterte Projekte, frustrierte Mitarbeiter, Demotivation und Konflikte auf allen Seiten. Zudem werden die möglichen Wertschöpfungspotenziale nicht maximal genutzt.

Was sind denn aber nun die zusätzlichen Anforderungen an die Führungskräfte? Heute sind Persönlichkeiten gefragt, die team- und konsens-orientiert ihre Mitarbeiter führen. Sie müssen in der Lage sein, ihre Prozesse auf Basis von Zahlen, Daten und Fakten zu steuern und auf das wirtschaftliche Optimum zu bringen. Dazu ist es notwändig, eine ausgeprägte Grenzwertorientierung und „Null-Fehler“-Toleranz authentisch vorzuleben. Da Optimierungen immer zur Folge haben, dass etablierte stabile Prozesse bewusst in einen instabilen Zustand geführt werden müssen, sind Change-Management-Erfahrungen unabdingbar. Bei Veränderungen entstehen oftmals auch Konflikte, welche die moderne Führungskraft in der Rolle als Moderator und Konfliktmanager fordern. Das Wissen über die Entwicklung von Leistungskulturen und die dazu notwendigen Rahmenbedingungen sind für die Nutzung der stillen Reserven von entscheidender Bedeutung.

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Bei Veränderungen entstehen oftmals auch Konflikte, welche die Führungskraft in der Rolle als Moderator und Konfliktmanager fordern.

Roland Behringer

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Das Anforderungsprofil an die moderne Führungskraft wird also immer anspruchsvoller und vielseitiger. Nur so lassen sich aber ambitionierte Visionen und daraus resultierende Ziele realisieren. Noch sieht die Wirklichkeit in vielen Firmen anders aus. Viele der beobachteten Führungskräfte agieren in ihrer täglichen Praxis mehr als „Trouble shooter“ oder  „Kümmerer“. Professionelle Führungsarbeit spielt im täglichen Ablauf eine untergeordnete Rolle. Funktionieren die Prozesse nicht auf dem nötigen Leitungs- oder Qualitätsniveau, werden umgehend Besprechungen einberufen, in denen Ad-Hoc-Maßnahmen zur Beseitigung der Problemauswirkungen entwickelt werden. Es wird an den Signalen, aber nicht an den Ursachen gearbeitet. Leider muss/kann man dann davon ausgehen, dass das gleiche Problem bald wieder auftreten wird. Durch derartige Besprechungen wird aber die ohnehin schon knappe Zeit für Führung weiter reduziert. Die Führungskräfte befinden sich in der Opferrolle und sehen oftmals keinen Ausweg aus dieser Situation. Überlastung, Überstunden, Frustration und Resignation sind die Folgen.

Intensive Anstrengungen in der Führungskräfteentwicklung sind deshalb notwendig, um Führungskräfte und potentielle Nachwuchskräfte fit für die neuen Anforderungen zu machen. Kurz gesagt: In drei strategischen Schritten zur modernen Führung.
Der erste Schritt ist die Vermittlung von theoretischen Grundlagen zu Führung, Change- und Konflikt-Management, Prozessoptimierung und Prozessmanagement etc. – um nur einige Themen aus dem Gesamtportfolio zu nennen. Aus Theorie entsteht Wissen.
Im zweiten Schritt steht die Entwicklung der persönlichen Kompetenzen der Führungskräfte im Fokus. Dies führt dazu, dass aus vermittelter Theorie „Können“ entsteht. Sorgt das Top Management im dritten Schritt nun noch dafür, dass die Rahmenbedingungen entstehen, die zur Umsetzung des Erlernten führt, hat man alles richtig gemacht.  

Die Investition in Entwicklungsmaßnahmen der Führungskräfte sichert nachhaltig den Unternehmenserfolg. Die Wettbewerbsfähigkeit wird durch die Verbesserung der Effektivität und Effizienz gestärkt. Und nicht zu vergessen: Die Situation der Führungskräfte im Alltag verändert sich nachhaltig zum Positiven. Packen Sie es an!

→ Ihre Meinung? insider@print.de

Der Autor 

Roland Behringer (52) hat 27 Jahre Erfahrung in der Druckindustrie. Seit 2011 unterstützt er als Unternehmensberater in zahlreichen Projekten Unternehmen dabei, ihre Effizienz zu steigern. Schwerpunkte sind die Durchführung von Prozessoptimierungsprojekten sowohl in technischen als auch in administrativen Bereichen, die Ausbildung und Zertifizierung von Führungskräften zu Lean-Six-Sigma-Prozessoptimierungsexperten, Implementierungen moderner Instandhaltung, Projekt- und Interimmanagement.

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