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Qualitätsmanagement sorgt für stabile Prozesse

Insider-Kolumne von Roland Behringer aus DD3/2017

Ist Qualität Wertschöpfung oder nur Verschwendung die ohnehin niemand bezahlt? Diese oder ähnliche Fragen stellt sich so manche mittelständische Druckerei. Die Antworten darauf geben im Regelfall die Kunden und der Markt. Qualität wird heutzutage vorausgesetzt. Werden die Kundenanforderungen nicht erfüllt, ist dies ein klares „K.O.“-Kriterium.

Nach wie vor ist in vielen Druckereien die „reine“ Druckqualität im Fokus. Die Kundenanforderungen sind aber mittlerweile vielfältig geworden. Kunden formulieren ihre Anforderungen an Druckereien zusehends sehr professionell und industriell. Dabei werden Prozessfähigkeitsanalysen eingefordert. Qualitätskennzahlen wie CP- und CPK-Werte sind in anderen Branchen Standardrepertoire des Qualitätsmanagements und werden zur Beurteilung des Qualitätsvermögens des Lieferanten herangezogen.

Im Fall einer Nichterfüllung der vertraglichen Vereinbarungen und der daraus resultierenden Kennzahlen geht man auf Kundenseite davon aus, dass die offenbarten Lieferantendefizite mit professionellen Qualitätsmethoden wie zum Beispiel 8D-Report, Six Sigma DMAIC, FMEA, QFD, SPC, etc. abgestellt werden. Fordert der reklamierende Kunde industrielle Methodik bei der Beseitigung der Reklamationsgründe ein, stößt die klassisch aufgestellt Druckerei meist schnell an seine Grenzen.

Das müsste aber nicht sein! Hartnäckig halten sich in der Branche Paradigmen wie zum Beispiel „Top Qualität kostet mehr“. „Bei der momentanen Preissituation kann man sich Top-Qualität nicht leisten.“ Oder: „Qualität steht im eindeutigen Widerspruch zu günstigen Preisen.“ Diese Paradigmen halten sich deshalb so hartnäckig, weil eine Gesamtkostenbetrachtung auf Prozessebene nicht stattfindet. Diese Grundhaltung und Denkweise verhindert eine intensive Auseinandersetzung mit dem anspruchsvollen Thema. Will man nun aber ein professionelles Qualitätsmanagement implementieren das Wertschöpfung und nicht Verschwendung generiert, sind verschiedene strategische und operative Voraussetzungen zu schaffen.

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Fordert der Kunde industrielle Methodik bei der Beseitigung der Reklamationsgründe ein, stößt die klassisch aufgestellte Druckerei schnell an ihre Grenzen.

Roland Behringer

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Der erste Schritt dabei ist die Neufokussierung von Produktqualität auf Prozessqualität. Optimale Prozesse produzieren als „Abfallprodukt“ qualitativ hochwertige Produkte und erfüllen auch alle weiteren Kundenanforderungen. Die Qualifikationen der Führungskräfte und der mit Qualität betrauten Personen im Unternehmen müssen durch Schulungsmaßnahmen auf das notwendige Niveau gebracht werden, um zukünftig mit dem Thema Prozessqualität umgehen zu können. Zur Basisausbildung gehören dabei Methoden des Qualitäts- und Prozessmanagements. In den Produktions- und Qualitätsabteilungen müssen die messtechnischen Voraussetzungen zur Messung und Beurteilung der geforderten Qualitätsparameter angeschafft werden.

Die Umsetzung der neuen Vorgehensweise erfordert für Produktionsabteilungen natürlich entsprechende Qualitätsvorgaben und Kennzahlen, um mit statistischen Mittel kontinuierlich die geforderte Streuung der Prozessparameter sicher zu stellen. Der Umgang mit Zahlen, Daten und Fakten muss auf breiter Front bei allen Beteiligten in Fleisch und Blut übergehen. Sind die notwendigen Vorgehensweisen entwickelt, dokumentiert und implementiert, wird die Nachhaltigkeit der Umsetzung durch kontinuierliche und konsequente Auditierungen der vereinbarten Prozessabläufe sichergestellt. Bei der Implementierung eines modernen industriellen und nachhaltigen Qualitätsmanagementsystems ist eine professionelle Vorgehensweise anzuraten. Change- Management-Erfahrung ist also ein Muss.

nalysiert man die Effekte modernen Qualitätsmanagements auf die Prozesslandschaft des Unternehmens, entdeckt man schnell die positiven und vor allem auch wirtschaftlich interessanten Aspekte. Im Regelfall stabilisieren sich die Prozesse. Dies führt dazu, dass „üppige“ Planungspuffer, die aus Streuungen resultieren, reduziert werden können. Dies wirkt sich unmittelbar positiv auf den Mengendurchsatz und somit auf die Stückkosten aus. Auch unterstützt ein modernes, professionelles Qualitätsmanagement den Vertrieb. Kunden sind im Regelfall beeindruckt, wenn auf Basis von Zahlen, Daten und Fakten argumentiert wird.

Aber Vorsicht! Dieser Ansatz generiert auf Kundenseite eine immense Erwartungshaltung, die man im Nachhinein befriedigen muss. Alles in allem ein spannendes Thema, das zukünftig noch mehr an Bedeutung gewinnen wird.

→ Ihre Meinung?  insider@print.de

Der Autor 

Roland Behringer (52) hat 27 Jahre Erfahrung in der Druckindustrie. Seit 2011 unterstützt er als Unternehmensberater in zahlreichen Projekten Unternehmen dabei ihre Effizienz zu steigern. Die Schwerpunkte dabei sind die Durchführung von Prozessoptimierungsprojekten sowohl in technischen als auch in administrativen Bereichen, die Ausbildung und Zertifizierung von Führungskräften zu Lean Six Sigma Prozessoptimierungsexperten, Implementierungen moderner Instandhaltung, Projekt- und Interim Management.

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