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Querschläger beschädigen das Preisniveau

Immer im Spätherbst erleben wir, dass vor allem die High-Volume-Drucker im Land mit Aufträgen voll sind bis unters Dach. Gleichzeitig klagen alle Marktteilnehmer, dass in den – etwa zur selben Zeit stattfindenden – Vergaberunden für Druckverträge des Folgejahres die Preise kontinuierlich fallen. Und dies, obwohl die Zahl der Großdruckereien in Deutschland überschaubar geworden ist und man die Fähigkeiten seiner Wettbewerber sehr genau kennt. Doch Querschläger kommen immer wieder auch aus Druckereien, die eigentlich gar nicht über die passende „Hardware“ verfügen.

Schlechte Auslastung in Druckereien kann ja vielfältige Gründe haben. Eine der gar nicht so seltenen Ursachen sind Vertriebsleiter, die überhaupt keine Ahnung haben, welche Produkte und Kunden für die eigenen technischen Möglichkeiten wirklich passen. Und so wird hier mitgeboten bei allem, was dem Innendienst aus der Mailbox entgegentrudelt. Gerade solche Firmen schaffen es dann – in Unkenntnis des Marktniveaus und wahrscheinlich auch durch krasse Fehleinschätzung der Auftragsproblematik – „un­schlagbare“ Preise abzugeben.

Auf diese Weise werden die letzten „Preisbiotope“ kaputt gemacht. Typische Mailing-Jobs, die eigentlich für schnelle Rollen prädestiniert sind, gehen plötzlich an Bogendrucker. Oder Aufträge, die idealerweise auf XXL-Rotationen mit kurzem Abschnitt kostengünstig erstellt werden, an kleine Rollendrucker. Die füllen dann begeistert ganze Produktionswochen mit diesem Auftrag.
Können so viele Unternehmer so schlecht rechnen? Nehmen sie bewusst die horrenden Verluste in Kauf, die solche Jobs letztendlich mit sich bringen müssen – in der Hoffnung, dass es ein Einzelfall bleibt? Oder setzen sie darauf, dass – im Fall von periodischen Aufträgen – das Frühsommerloch des kommenden Jahres damit gestopft werden kann?

Es reicht schon, wenn immer wieder nur ein einziger Anbieter mit solchen Aktionen den Markt durcheinanderbringt und das Preisniveau irreparabel beschädigt. Unternehmen, die dauerhaft in den falschen Märkten operieren, sind ja eher selten. Ohne Quersubventionierung verkraftet das auf Dauer niemand. Die nun vom Druckmarkt verschwundene VVA war beispielsweise bekannt dafür, auch Jobs anzunehmen, die auf die eigenen Maschinen nicht passten. Gern werden von solcherart operierenden Firmen auch Auftragspakete „strategisch“ akquiriert und zu wesentlichen Teilen weitervergeben. Auf diese Weise kommen manchmal Drucker wieder an Jobs, die sie eigentlich gerade verloren haben. Interessant wäre zu wissen: Zu welchen Preisen drucken sie dann?

Es grüßt Sie freundlich,

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Leserkommentare (1)

Jürgen Schaack | Mittwoch, 26. Oktober 2011 15:30:02

seit Jahrzehnten überfälliger Strukturwandel in der Druckindustrie?

Strukturwandel in der Druckindustrie?
Mit "altem Wein in neuen Schläuchen" (neuer Technik) wandelt sich nichts. Wir reden immer nur davon wie "morgen" gedruckt wird. Dabei sollten wir uns Gedanken darüber machen was unser Kunde heute und morgen zum Überleben braucht. Bestimmt keine neueste "Technik" von seinem Drucker. Die/der ist ihm wurscht. Das Produkt bringt´s nicht mehr. Drucker verkaufen nur Technik, Auslastung statt Lösungen für ihre Kunden. Um jeden Preis. Seit Jahrzehnten aus gehabtem nichts gelernt. Einfallsloslosigkeit statt Positionierung.

Der Markt sagt wo es lang geht.
Nicht der Verkäufer der xy-Maschine oder dessen Handlanger, der Drucker.

Hier ist kein Strukturwandel erforderlich (der kommt zwangsweise) sondern ein Wandel im Kopf der Drucker. Endlich die Veränderung, Anpassung an den Markt. Dem "Drucker" wurden schon so viele Märkte vor die Füße gelegt. So gut wie keiner hat sie genutzt. Andere, cleverere haben den Rahm abgeschöpft. Nur ja nicht mal "über den Zaun sehen". Wer nichts ändert, entscheidet sich auch. Nämlich dazu, dass andere ihm sagen wo es lang geht!
Basta! Feierabend. Es reicht.
NS. Das Zeitfenster für den Absturz, der Bereinigung der Branche ist bekannt. Noch könnten die flexiblen Unternehmen handeln.
Der EU-Schuldenkatalysator könnte die Prozesse beschleunigen, nimmt schon kräftig Fahrt auf. Für die Zeit nach dem 1.1.2012 dürfen, über die Werbebudgets und die Höhe der Einsparungsmaßnahmen in Punkto Drucksachen, noch Wetten abgeschlossen werden. Nächster Markt für Drucker?: Massenhaft wertlose Geldscheine drucken? Ich bete darum das ich unrecht habe.

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