Weiterempfehlen Drucken

Sind einstufige Betriebe ein Auslaufmodell?

„Wir befinden uns in einem Marktsegment, das nicht wächst“, konstatiert Kösel-Geschäftsführer Erik Kurtz auf dem Podium bei den 1. Münchner Buchbindertagen. Das ist angesichts der Entwicklung der vergangenen Jahre noch sehr vorsichtig formuliert. Etwa 25 Prozent der grafischen Betriebe sind in den vergangenen zehn Jahren vom Markt verschwunden. Große Kapazitäten – vor allem im Bereich der kosten- und zeitaufwändigen Weiterverarbeitung – werden im Ausland produziert, wurden aus Kostengründen eingespart oder wanderten in den Non-Print-Bereich ab. Die verbleibenden Unternehmen reagieren entsprechend: Da wird die Produktion verschlankt, Personal eingespart, digitale Leistungen ins Portfolio aufgenommen oder die Wertschöpfungskette verlängert.

Gerade Letzteres macht den einstufigen Buchbindereien zu schaffen. Immer mehr Druckbetriebe haben sich in den letzten Jahren eigene Weiterverarbeitungskapazitäten ins Haus geholt. „Das typische Gemeindeblatt mit 500er-Auflage – das kriegen wir heute nicht mehr“, bestätigt Rainer Gwizdalski, Geschäftsführer der gleichnamigen Buchbinderei. Die Zunahme des Digitaldrucks als „schnelles“ Druckverfahren hat diese Entwicklung noch beschleunigt.
Aber während sich Druckereien ohne größere Bedenken Falzmaschine, Schneidmaschine und Sammelhefter ins Haus holen, geht kaum ein Buchbinder das Risiko ein, in den Druck einzusteigen. Die Hindernisse sind zu groß: Es fehlt das Daten-Know-how, es müssten Vertriebswege neu aufgebaut werden. Und vor allen Dingen würden die neuen vollstufigen Buchbindereien plötzlich zu ihren eigenen Kunden – nämlich den Druckern – in den Wettbewerb treten. „Wir können in der Wertschöpfungskette nur nach hinten gehen, selten nach vorn“, stellt auch Christoph Bückers, Geschäftsführer der Bückers GmbH, fest.
 
Sind also die einstufigen Betriebe tatsächlich eine aussterbende Spezies? Die Dinosaurier der grafischen Industrie?
Sicherlich nicht, trotzdem müssen sich die Unternehmen etwas einfallen lassen, um auch morgen noch auf dem Markt zu bestehen. Und das kann nur etwas sein, was die Buchbinder besser machen als die Druckerei mit Sammelhefter. Das können Spezialprodukte sein oder Angebote wie Lettershop- oder Logistikdienstleistungen. Auch Kooperationen mit Kollegenbetrieben oder mit Kunden sind eine Möglichkeit. Denn Potenzial steckt in der Weiterverarbeitung noch viel – aber Sie müssen es wecken.

Herzlichst,

Ihre

Anzeige

Firmen-Suche

Leserkommentare

Noch keine Kommentare. Geben Sie den Ersten ab!

Kommentar

Die Qualitätsdrucker brauchen eine Stimme

Insider-Kolumne von Ernst Gärtner aus DD22/2016

Qualitätsprintmedien kommen zum Einsatz, wenn Standarddrucksachen aufgrund ihrer Durchschnittlichkeit beim Erfüllen der Kommunikationsaufgabe versagen. Die Kunden der Druckindustrie wissen das. In einem stabilen Marktsegment werden Mailings und Verpackungen aufwändiger und persönlicher, Kampagnen zur Einführung hochwertiger Produkte bedienen sich hochwertiger Papiere, besonderer Veredelungs- und Bindetechniken.

» mehr

Druck&Medien Awards 2016: After-Show-Party

Jetzt NEU

Die print.de-Karte der wichtigen Branchenkontakte

Mehr Details zu den einzelnen Anbietern in Ihrer aktuellen Ausgabe des Deutschen Druckers unter Service/Das Branchenverzeichnis A-Z
mehr

Top-Themen

Deutliche Passerprobleme und Streifenbildungen bei den Druckmustern von Landa.

Landa: viel Show um Nichts?

Wie bereits 2012 glänzt Landa Digital Printing auch auf der Drupa 2016 mit einer fulminanten Show. Die Ankündigungen, dass die Nanografie qualitativ neue Maßstäbe setzen würde, hält aber keiner ernsthaften Betrachtung Stand. An keinem der von uns besuchten Drupa-Stände haben wir schwächere Druckmuster gesehen als bei Landa.
mehr

Zukunft des Digitalen ist Print

17 neue Internetseiten gehen in jeder Sekunde online und auf jeder von Ihnen werden riesige Mengen Content veröffentlicht. Ohne Zweifel: das World Wide Web und die Entwicklung der mobilen Devices haben das Mediennutzungsverhalten grundlegend verändert und die klassischen Medien in Bedrängnis gebracht. Und trotzdem liegt die Zukunft des Digitalen im gedruckten Produkt, ist sich Andrew Davis sicher.
mehr

Aktuell bei Top 10

Die zehn schönsten Malbücher für Erwachsene

Malbücher für Erwachsene erobern derzeit weltweit die Bestseller-Listen. Spätestens nach dem Erfolg des Malbuchs "Mein verzauberter Garten"der Schottin Johanna Basford war der Trend bei Erwachsenen angekommen, die auf der Suche nach Entspannung nach dem Buntstift greifen. In unserem Ranking haben wir die zehn für uns schönsten Malbücher zusammengestellt.
mehr

Druck&Medien Awards 2016 – Get-together und Dinner

CGI – So sieht die Zukunft der Bildbearbeitung aus

Umfrage

Veranstaltet Ihr Unternehmen eine Mitarbeiter-Weihnachtsfeier?

Jetzt abstimmen

Kommentare

Services

Bitte warten...