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So sehen die Geschäftsmodelle von Zeitungsdruckern künftig aus

Insider-Kolumne von Manfred Werfel aus DD22/2015
 

Manfred Werfel ist stellvertretender CEO der WAN-IFRA.

Nicht nur Zeitungsverlage entwickeln neue Geschäftsmodelle, auch Zeitungsdruckhäuser nehmen ihre Zukunftsplanung in die eigenen Hände. Neue Strategien von Zeitungsdruckern basieren auf der Erkenntnis, dass künftig der Druck der eigenen Verlagsprodukte alleine nicht mehr ausreichen könnte, um eine zukunftssichere wirtschaftliche Entwicklung zu gewährleisten.

Vor neun Jahren veröffentlichte WAN-IFRA einen Report über die „Trennung von Verlag und Druck“, der den internationalen Trend beschrieb, das Verlagsgeschäft von der Druckproduktion abzukoppeln. Der jetzt vorliegende neue Bericht „New and Emerging Business Models“ versammelt eine Darstellung von acht Fallstudien mit unterschiedlichen geschäftlichen Optionen und beschreibt aus Sicht der Praktiker, welche Vorteile die Neuausrichtungen bieten, welche Schwierigkeiten zu überwinden waren und wie die Zukunftsaussichten beurteilt
werden.

Seit der durchgängige 4c-Farbdruck von Zeitungen zur Norm wurde, ist der Betrieb einer eigenen Verlagsdruckerei nicht mehr unbedingt ein Wettbewerbsvorteil. In der Schweiz etwa wurden eine Reihe von Zeitungsdruckereien in den vergangenen Jahren geschlossen, wodurch Überkapazitäten reduziert wurden. Durch Standardisierung des Farbdrucks und des Zeitungsformats konnten andere Druckereien die Druckaufträge geräuschlos übernehmen.

Einige Druckereien wandeln sich zum verlagseigenen Profit Center, andere werden als Gemeinschaftsunternehmen mehrerer Verlage betrieben. Es entwickeln sich große verlagsunabhängige Zeitungsdruckunternehmen in Nordamerika und Skandinavien. Ein Lösungsansatz, der zwischen Profit Center und unabhängiger Druckerei liegt, besteht in der Nutzung eines externen Dienstleisters, der in der eigenen Verlagsdruckerei die Produktionsanlagen betreibt. Zeitungsdruckereien vergrößern ihren Markt in den kommerziellen Bereich hinein durch Erweiterungsinvestitionen, neue organisatorische Konzepte und die Ausbildung neuer Fähigkeiten in Vertrieb und Vermarktung. Dies schließt sogar das Angebot des Online-Zeitungsdrucks ein: Sage mir, wie viele Zeitungen Du drucken willst, und ich liefere auf Knopfdruck den Preis.
Der Prozess des Aufbaus neuer Geschäftsmodelle von Zeitungsdruckern ist nicht abgeschlossen, sondern mitten in der Entwicklung.

Es wird am Ende wahrscheinlich nicht den „Golden Master“ geben, der für alle die Lösung darstellt. Viel eher ist anzunehmen, dass sich verschiedene Geschäftsmodelle etablieren werden, je nach der wirtschaftlichen Lage in der betreffenden Region.
Der neue WAN-IFRA Report soll die Diskussion durch die Darstellung von Studien aus unterschiedlichen Märkten und Modellen unterschiedlicher Sichtweisen anregen. Er kann bezogen werden unter: wan-ifra.org/business_models_report

→ Ihre Meinung? insider@print.de

Der Autor 

Manfred Werfel (62) ist stellvertretender CEO der WAN-IFRA und als Executive Director zuständig für die beiden internationalen Großveranstaltungen des Verbandes, den Kongress der Zeitungsverleger und die World Publishing Expo. Seit Herbst 2014 ist Werfel zudem für den Aufbau des World Printers Forum zuständig.

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