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Über Brutkästen und Beschleuniger

Insider-Kolumne aus DD6/2017

Axel Springer hat die Axel Springer Plug and Play Accelerator GmbH. Die Bauer Media Group hat die Bauer Venture Partners GmbH. Holzbrinck hat die Holtzbrinck Ventures Adviser GmbH. Vogel Business Media hat die Vogel Ventures GmbH. Ziel all dieser Inkubator- und Acceleratorprogramme ist es, Gründungen zu fördern, die das eigene Geschäftsmodell stärken und/oder beim Wandel des eigenen Geschäftsmodells helfen könnten.

Dass es klug für beide ist, wenn „jung“ (= Gründer) und „alt“ (= etabliertes Unternehmen mit meist mehr als 50 Jahren Markterfahrung) sich bei Gründungen zusammen tun, ist in der Betriebswirtschaftslehre anerkannt. „Corporate Startup Partnerships“ heißt der Sammelbegriff. Der Vorteil für die Gründer ist, dass schon im Bewerbungsprozess um die Aufnahme in das Programm das junge Geschäftsmodell von erfahrenen Managern kritisch geprüft wird – und bei positivem Bescheid steigt nicht nur die Motivation, am Thema dran zu bleiben. Geboten wird die Unterstützung bei Test und Anpassung der Geschäftsidee, bei der Nutzung der Ressourcen des Unternehmens, dessen Kontakte zu Kunden, Lieferanten und anderen Partnern, bei Verlagen auch kostenloser Werbeplatz und natürlich ein, zwei Schreibtische möglichst nah am „alten“ – aber cooler.

Der Vorteil für das etablierte Unternehmen ist frischer Wind im Haus, der Einblick in andere Vorgehensweisen bei der Markterschließung und die teilnehmende Beobachtung, welche Geschäftsmodelle Marktakzeptanz finden – und welche nicht. Denn natürlich ist auch bei Corporate Startup Partnerships das Geschäftsrisiko der Gründer weiterhin vorhanden. Aber sie haben eine zusätzliche Ressource. Geht das auch im Mittelstand? Eindeutig ja. Und dazu braucht man nicht gleich eine GmbH zu gründen. Aber vielleicht gerade doch. Denn der erste Einstieg ist die Sichtbarkeit nach außen. Es klopft ja keiner an die Druckereitür und sagt, „Hey, habt ihr auch ein Gründerprogramm?“

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Der erste Einstieg ist die Sichtbarkeit nach außen. Es klopft ja keiner an der Druckereitür und sagt, "Hey, habt ihr auch ein Gründerprogramm?"

Dr. Anne König

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Doch halt! Vielleicht haben sogar schon einige geklopft, und Sie haben das nur nicht bemerkt. Ein Kunde mit einer herausragenden Produkt­idee, der aber „nur“ nach einem Angebot gefragt hat. Verschreckt ob der Kosten war nie wieder was von ihm zu hören. Vielleicht hätte die Idee als kooperatives Entwicklungsprojekt floriert! Oder ein Werkstudent, der in seiner Projektarbeit bei ihnen um Drucksponsoring nachfragt – sie unterstützen das natürlich, man soll die jungen Leute ja fördern – aber sie erkennen nicht, dass da ein Gründer sein erstes Produkt erfindet.

Mir gefallen die Begriffe „Brutkästen“ und „Beschleuniger“ wesentlich besser als „Inkubator“ (da denke ich eher an Intubationen bei Atemnot) oder „Accelerator“ (das hört sich eher nach einem Unternehmensberater an). Es geht um persönliche Begegnungen zwischen jungen Ideen und erfahrenem Know-How. Und dem Mut, frischen Wind reinzulassen.

Allein die Gestaltungs- und Druckressource, die wir zu bieten haben, ist ein tolles Einstiegsangebot! Öffnen Sie die Tür für potentielle Gründerinnen und Gründer Ihrer Region, und schauen sie bei einem Neukunden nicht nur nach dem Deckungsbeitrag, sondern manchmal auch nach möglichen neuen Geschäftsmodellen für Ihr eigenes Haus.

Und noch etwas: Achten Sie auf Ihre eingefleischten Vorurteile – neudeutsch „Bias“, Verzerrungen, genannt. Die besten Ideen könnten von ungewöhnlicher Seite kommen. So sind Frauen zwar seltener Gründerinnen, aber ihr Anteil an Unternehmensinsolvenzen ist nur halb so hoch. Und die wachsende kulturelle Vielfalt unseres Landes bietet Geschäftschancen, die wir schnell übersehen könnten, wenn wir nicht hinhören.
→ Ihre Meinung? insider@print.de

Der Autor 

Dr. Anne König (57) ist Professorin für Betriebswirtschaftslehre der Druck- und Medienbranche an der Beuth Hochschule für Technik Berlin. Sie ist gelernte Druckerin und Druckingenieurin mit zehnjähriger Vertriebserfahrung. In Forschung und Lehre beschäftigt sich auch mit dem Wandel der Geschäftsmodelle durch die Digitalisierung.

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