Wenn Eigenwerbung peinliche Blüten treibt
02.02.2011 Gerd Bergmann
Das Internet hat Industrie, Handwerk und Handel massiv verändert und „grenzenlose“ Märkte geschaffen. Egal ob der Herrenschneider in Hongkong, die Lampen-Designerin in Mailand oder der Stahlstichdrucker in Berlin: Jeder Handwerker, jeder Kleinunternehmer kann heute seine Waren und Dienstleistungen relativ einfach weltweit anbieten und vertreiben. Webshops sind das Tor zum Markt, und so waren in den vergangenen Jahren jene Anbieter besonders erfolgreich, die diesen Vertriebsweg perfekt für ihre Produkte oder Dienstleistungen erschließen konnten. Allerdings haben dies inzwischen so ziemlich alle Marktteilnehmer begriffen und die Anzahl der Webshops ist geradezu explodiert – auch in der Druckbranche.
Aber wie macht man in einem Markt auf sich aufmerksam, in dem es an „Internetdruckern“ oder „Online-Druckportalen“ nur so wimmelt und alle ungefähr dasselbe Produktportfolio anbieten? Nun, man versucht auffälliger oder lauter zu sein als der „Marktstand“ nebenan. Und plötzlich sind sie wichtig: die in unserer Branche von den Produktionsbetrieben gern vernachlässigten Handlungsfelder Marketing, PR und Pressearbeit.
Manche der Unternehmen schalten schon mal Bandenwerbung bei Fußballübertragungen, sie treten als Sponsoren bei Bundesliga-Clubs auf, engagieren sich karitativ (tue Gutes und rede darüber!) oder sie installieren reihenweise Facebook-Seiten, um ihre Kunden zu „Freunden“ zu machen. Immer mehr Druckereien versuchen mit den klassischen Mitteln Werbung und Öffentlichkeitsarbeit, ihre Dienstleistung zur „Marke“ zu stilisieren und sich so im Bewusstsein der Printbuyer zu verankern.
Allerdings gibt es auch andere Drucksachenanbieter, die nur auf den (häufig kostenlosen) PR-Instrumenten des Internets trommeln. Nach dem Motto „Hauptsache Schlagzeilen“.
Bisweilen treibt diese Art PR dann peinliche Blüten. So lancierte jüngst das Internetportal print24.de die „Nachricht“, man habe jetzt „global erst- und einmalig“ die „größte Druckmaschine der Welt“ in Betrieb genommen. Zwar ging dieser Kampagne niemand auf den Leim, der auch nur halbwegs eine Ahnung von der Druckindustrie hat. Aber in Dutzenden von Tweets, auf Facebook und in unzähligen so genannten Presseportalen wurde dieser Unsinn x-fach kopiert und unreflektiert verbreitet.
Vielleicht wähnt sich diese Firma ja wirklich im Glauben, eine 162 cm breite Achtfarben-Bogenoffsetmaschine mit Wendung sei die „größte Druckmaschine der Welt“. Die Tiefdrucker und die Mitarbeiter der Zeitungs- oder Illustrationsrollenoffset-Betriebe dürften sich darüber – wenn nicht gar amüsieren – dann doch zumindest wundern.
Herzlich, ihr
Gerd Bergmann


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