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Wie viel Schutz brauchen Schweizer Druckereien?

Die Schweizer Fluggesellschaft Swiss International betont nur allzu gerne ihre „Swissness“, serviert Mahlzeiten von heimischen Starköchen und verteilt nach der Landung Schokolade einer Schweizer Confiserie. Nur drucken, das lassen manche Schweizer Unternehmer in Zeiten eines starken Franken lieber in Deutschland – zumindest was die Kundenzeitschrift „Swiss Magazine“ und das Heft „Swiss Universe“ angeht.

Auch das Wintersportmagazin „Snowactive“, das Organ für den Schweizer Verband Swiss-Ski, wird in einer deutschen Druckerei produziert. Auf Grund des wirtschaftlichen Drucks zur Kostensenkung habe sich der Verlag, die Strike Media Schweiz AG, so berichtet die Berner Zeitung, für die „beste Qualität zum günstigsten Preis“ entschieden.

Not macht erfinderisch

Gegen die Entwicklung, vermehrt Druckaufträge an ausländische Dienstleister zu vergeben, kämpfen die Schweizer Druckereien nun auf ungewöhnliche Weise an. Durch einen Bundesbeschluss im Nationalrat (Bundesparlament) wollen sie erreichen, dass sämtliche Druckaufträge des Bundes an inländische Unternehmen, die auch den Gesamtarbeitsvertrag der grafischen Industrie anerkennen, vergeben werden. Dadurch sollen, so der Schweizer Arbeitgeber- und Unternehmerverband der grafischen Industrie Viscom, Arbeitsplätze in der Industrie gesichert und der Wert der Produktion im Alpenland gesteigert werden. Auch wenn das Ergebnis des Entscheids noch nicht bekannt ist, so drängt sich doch eine Frage auf: Wieweit sollte und darf der Staat in den Wettbewerb am Markt eingreifen?

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Der Wettbewerb lebt von der Freiheit in Angebot und Nachfrage.

Dr. Paul Albert Deimel, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Druck und Medien

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Für Deutschland als „exportorientierte Nation“ lehnt der Bundesverband Druck und Medien einen solchen Beschluss kategorisch ab. Schließlich lebe der Wettbewerb von der Freiheit in Angebot und Nachfrage, so Hauptgeschäftsführer Dr. Paul Albert Deimel. Und mit der Öffnung der Landesgrenzen in Europa vermischen sich eben auch zunehmend die Märkte, auf denen die Unternehmen agieren. Wie würde es wohl im Nachbarland ankommen, wenn man beispielsweise deutschen Politikern per Gesetz verböte, Tag-Heuer-Uhren zu tragen oder in Davos Ski zu fahren?

Sind wir mal ehrlich: Der eigentliche Wert wird einem Produkt immer noch vom Nutzer beigemessen – und diesem ist egal, in welchem Land gedruckt wurde, solange das Ergebnis „gut aussieht“. Das Bewusstsein für die Produktion im eigenen Land durch Labels wie „Printed in Switzerland“ zu stärken, ist mit Sicherheit richtig und gut. Eine gesetzlich verordnete Beschneidung der Marktfreiheit geht aber in die falsche Richtung.

Herzlich, Ihre

Erschienen in DD36/2011

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Leserkommentare (4)

Jürgen Müller | Mittwoch, 07. Dezember 2011 10:40:01

Recherche?

Werte Frau Grawjewski
Als Exil-Deutscher, seit Jahren in einer Schweizer Druckerei tätig, habe ich einen recht guten Eindruck von der Lage beidseits der Grenzen. Herr Kobel beschreibt die Situation sehr gut! Leider ist dieser Artikel wirklich schlecht recherchiert, eigentlich bin ich mir das vom Deutschen Drucker gar nicht gewohnt.
Aufgrund meiner vielen Freundschaften in Deutschland, kann ich für gewisse Aufträge Papier bei alten Kollegen beziehen. Selbst mit dem Transport und den Zollgebühren spare ich damit gegnüber dem Schweizer Preis für ein absolut identisches Produkt aus der selben Papiermühle bis zu 30% weniger. Aber selbst dann sträuben sich mir die Nackenhaare, wenn ich sehe, wie meine ehemaligen Arbeitskollegen kalkulieren.
Herr Turtschi, bisher sind sie mir nur duch ihre Bücher aufgefallen. Wenn ich so lese, was sie da von sich geben, nehme ich an, sie arbeiten längst nicht mehr in der Branche.

Paul Fischer | Dienstag, 06. Dezember 2011 16:50:02

Printed in Switzerland

Es ist dem Ralf Turtschi unbenommen, hier seine Meinung, im bekannt süffisanten und provokativen Stil darzulegen. Etwas hat er aber-nicht zum ersten Mal- verschwiegen: Herr Turtschi ist Mitglied des VSD, des kleineren Arbeitgeberverbandes der Eidgenossen und Konkurrenten des Viscom. Und da gibt es bekanntlich manchmal Reibereien. Aber Herr Turtschi macht das natürlich alles nur "für die Sache". Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...

Und lieber Herr Turtschi: Sie reden von "Wir in der Schweiz". Ich verneige mich in Hochachtung vor Ihnen, Sie göttlicher Imperator Helveticus!

Bernhard Kobel | Dienstag, 06. Dezember 2011 16:40:01

Markt und Staatseingriffe

Es ist schon etwas einseitig, wenn in Ihrem Kommentar die Schweizer Drucker als nicht wettbewerbsfähig dargestellt werden. Die folgenden Tatsachen führen dazu, dass es massive Marktverzerrungen gibt:
1. Schweizer Drucker zahlen auf Grund von Preisabsprachen der Papierhersteller und -händler zur Zeit deutlich mehr für das Papier als die ach so kokurrenfähigen Deutschen Drucker und haben keine Moöglichkeit, im Ausland Papier zu beziehen. (Die Wettbewerbskommission untersucht diese Sachverhalt, aber das dauert.)
2. Die Marktpreise in Deutschland sind auf Grund von EU-Subventionen (bis 50% der Investitionssummen) und der Weiterführung von insolventen Druckereien durch den Staat schon lange nicht mehr kostendeckend. Meine Frage an den Verbandsfunktionär: Sind das keine Staatseingriffe?
3. Durch die Überbewertung des CHF (unter anderem weil wir die Staatsfinanzen in der CH besser im Griff haben als die EU) sind Unternehmen aus dem EU-Raum innnert kürzester Zeit ohne eigenes dazutun 30% günstiger geworden.
Wenn in dieser Situation ein Verbandsfunktionär von Wettbwerb schwafelt, weiss er es entweder nicht besser oder blendet die Tatsachen bewusst aus. Jedenfalls brauchen wir CH-Drucker uns von ihm keine Lektion in Wettbewerb erteilen zu lassen.
@Ralf Turtschi: Ob die Initiative des Viscom intelligent war oder nicht, darüber kann man streiten. Aber Deine Argumente haben weniger mit der Konkurrenzsituation und mehr mit Deiner Privatfehde mit dem Verband zu tun. 

Ralf Turtschi | Montag, 05. Dezember 2011 19:10:01

Printed in Switzerland

Eine bescheuerte Idee des Branchenverbandes Viscom, sich gegen die schleichende Mitgliedererosion zu wehren. Die bilateralen Abkommen garantieren gegenseitigen Marktzugang, Punkt. Die Viscom-Mitglieder sträuben sich ja auch nicht gegen Aufträge aus Deutschland. Die in der Schweiz gedruckten Erzeugnisse mit "Printed in Switzerland" auszuzeichnen, ist von den Kunden abhängig, nicht von den Druckereien. Wie soll so etwas funktionieren, wie steht es mit Webdesign oder allen Dienstleistungen, die ebenso wichtig sind wie das Vervielfältigen? Auf 99% aller Druckerzeugnisse wird höchstwahrscheinlich nie ein Viscom-Label stehen, weil die Kunden nicht einsehen, Werbung für den Produktionsstandort Schweiz zu machen. Genausowenig wie über dem Gotthardportal steht: Gebohrt in der Schweiz. Übrigens ist es der gleiche Verband, der in seiner swissness die Zertifizierung zum Prozessstandardes Offset (PSO) mit dem Label swissPSO verkompliziert hat. Man rate mal, wer die Zertifizierung zum swissPSO vornimmt: Richtig, die deutsche FOGRA! Wir in der Schweiz können Viscom schon lange nicht mehr ernst nehmen. Da ist oft nicht viel mehr als heisse Luft - also keine Sorge, liebe Freunde aus Deutschland - der Markt wird das alleine regeln.

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