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Fluthilfe-Betrug bei sächsischer Druckerei

Anonymer Hinweis bei der Staatsanwaltschaft bringt Subventionsbetrug ans Licht
 

Die Regionalausgabe der Boulevardzeitung „Bild“ titelte am Tag der Verhandlung über den Bildern von Lerchl und Mößner „Das sind Sachsens schlimmste Flutbetrüger“.

Die Mühlen der Justiz mahlen langsam: Knapp vier Jahre nach Anklageerhebung und zwölf Jahre nach dem großen Hochwasser an der Elbe wurde am 30. April 2014 der Geschäftsführer der heutigen Unitedprint.com AG, Wolfgang Lerchl, wegen Subventionsbetrug zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe und einer Geldbuße von 600.000 Euro verurteilt. Lerchl hatte Fluthilfe-Gelder in Höhe von rund 6,5 Mio. Euro ergaunert.

Geholfen hatte ihm das damalige Vorstandsmitglied des Druckmaschinenherstellers Koenig &  Bauer, Andreas Mößner. Auch Mößner wurde von der 14. Großen Strafkammer des Landgerichts Dresden verurteilt – wegen Beihilfe. Gegen ihn wurde eine zehnmonatige Bewährungsstrafe und eine Geldbuße von 50.000 Euro verhängt. Die Urteile sind noch nichts rechtskräftig, eine Revision wurde zugelassen.

Beide Angeklagten waren zuletzt in vollen Umfang geständig gewesen, weshalb das Strafmaß auch im Rahmen mehrerer „Rechtsgespräche“ ausgehandelt worden war. Den entstandenen Schaden – 6,5 Mio. Euro Fluthilfe und Investitionszulagen – hat der Druckunternehmer bereits inklusive Zinsen an das Land Sachsen zurückgezahlt.

Begonnen hatte mit dem Umzug des damaligen Meißner Druckhauses nach Radebeul in Folge des Hochwassers 2002 und dem Umbau zur jetzigen Unitedprint.com. Zwischen 2003 und 2007 sollen die Taten begangen worden sein. Nach Einschätzung der „Sächsischen Zeitung“ dürfte es sich um den bislang größten Fluthilfebetrugsfall in Sachsen handeln. Die Regionalausgabe der Boulevardzeitung „Bild“ sieht das als gesichert an: Sie titelte am Tag der Verhandlung über den Bildern von Lerchl und Mößner „Das sind Sachsens schlimmste Flutbetrüger“.

Die Idee zum Subventionsbetrug will Lerchl von einem Dresdner Rechtsanwalt erhalten haben. Auch gegen den Anwalt ist ein Verfahren anhängig. Der Betrug soll nach dem stets gleichen Prinzip funktioniert haben: Diverse Maschinenlieferanten verkauften Unitedprint ihre Maschinen zum Listenpreis, also ohne Rabatte. Der deshalb überhöhte Einkaufspreis wurde auch in den Förderanträgen an die Sächsische Aufbaubank angegeben. Die SAB gewährte Zuschüsse, die teilweise mehr als 70 Prozent ausmachten. Später holte sich Unitedprint die Rabatte zum Beispiel über „Werbeverträge“ von den Maschinenlieferanten zurück.

Ins Rollen gekommen waren die Ermittlungen nach einem anonymen Hinweis bei der Staatsanwaltschaft. Wegen eines Anfangsverdachts hatten bereits 2007 und 2008 Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung dem Sitz des Druckerei-Unternehmens United Print in Radebeul einen Besuch abgestattet. Lerchls Privathaus sowie eine Steuerkanzlei waren ebenfalls durchsucht worden.

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Leserkommentare (5)

tiekaey | Mittwoch, 09. Juli 2014 10:06:05

Subventionsbetrug

Subventionsbetrug?
Warum überhaupt Subventionen für eine Handwerksbranche?
Diese Internet-Großdruckereien sind die Totengräber unserer Branche - und der Staat half Ihnen mit zig Millionen. Die lächerlichen Strafen zahlen die doch aus der Portokasse!

Chris Schlosser | Dienstag, 06. Mai 2014 13:46:04

Subventionsbetrug

Also Subventionsbetrug sollte man das nicht nennen,was Herr Lerchl da getan hat.Er befand sich zur Tatzeit in einer Art Zwangssituation.Er wollte doch nur die Arbeitsplätze seiner Mitarbeiter retten und sogar noch neue Stellen schaffen.Ein Schelm wer Böses dabei denkt.Sein Unternehmen United Print in Radebeul läuft nach wie vor hervorragend.Dank seiner ständig wechselnden und vortrefflich bezahlten Mitarbeiter ( ein Drucker verdient an einer 8 Farbmaschine 11 Euro/h), die in einem sehr angenehmen 12 h Schichtsystem ihrer Kreativität freien Lauf lassen müssen, konnte somit der Betrag von 8,5 Millionen plus Zinsen, auf Heller und Pfennig an den Freistaat Sachsen zurückgezahlt werden.

Markus S. | Dienstag, 06. Mai 2014 13:46:02

Fehlerteufel

Leider enthält der Artikel einige inhaltliche sowie Rechtschreibfehler :-(
Bei der zu zahlenden Summe handelt es sich um 900.000 EUR und die Firmenbezeichnung lautet unitedprint.com SE.

ST24 | Dienstag, 06. Mai 2014 06:46:02

UnitedPrint AG = print24 (!)

Für alle, die es nicht wussten: Print24 gehört zur Gruppe der UnitedPrint AG.

Dirk Harbecke | Freitag, 02. Mai 2014 13:46:02

Subventionsbetrug

Gut, dass der Betrug aufgedeckt wurde und die Gelder zurückgeflossen sind. Es handelt sich schließlich um unser aller Geld !
Genauso skandalös empfinde ich aber eine Bezuschussung von bis zu 70 % !!!
Und das generell !!
Das ist doch Wettbewerbsverzerrung in Reinkultur.
Die Druckbranche ist eine globale Branche, es ist völlig unerheblich, wo gedruckt wird, Auftragsdaten werden digital verschickt, es besteht keinerlei Standortnachteil !
Wieder einmal eine Subvention, die bestehenden Firmen, die eigenes Geld investiert haben, das Leben schwer macht. Mit welchem Recht????
Wenn Subvention - dann für ALLE !!!

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