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„Fürs FSC/PEFC-Zertifikat werden Druckereien ordentlich gegängelt!“

Geschäftsführer Christian Aumüller (Aumüller Druck) hinterfragt den ökologischen Sinn von Forstwirtschaftszertifikaten für Druckereien
 

Christian Aumüller, Geschäftsführer von Aumüller Druck in Regensburg, hinterfragt die ökologische Sinnhaftigkeit der FSC-/PEFC-Zertifizierung von Druckpapieren. (Bildquelle: Aumüller Druck)

Am Rande eines Interviews mit der Online-Branchenplattform „print.de“ über das kontinuierliche, 25-jährige Engagement der Industriedruckerei Aumüller Druck in Regensburg in Sachen betrieblicher Umweltschutz berichtete ein durchaus gereizter Geschäftsführer Christian Aumüller über seine jahrelangen Praxiserfahrungen mit der FSC/PEFC-Zertifizierung und hinterfragt deren Sinnhaftigkeit für die Druckindustrie.

Hier das interessante Kurzinterview, das branchenintern zu Diskussionen anregen soll, in voller Länge:

  • print.de: Herr Aumüller, warum treibt Sie das Thema FSC/PEFC-Zertifizierung gerade so um?
  • Christian Aumüller: Weil es hinsichtlich der Sinnhaftigkeit von FSC und PEFC in der Druckindustrie heftig „brodelt“. Ein Grund dafür ist, dass diese Zertifizierungen aus der Holzwirtschaft kommen und ausschließlich die nachhaltige Bewirtschaftung des Rohstoffs Holz im Blickfeld haben. Was dagegen bei der Herstellung des Zellstoffs, bei der Papierproduktion oder in den Druckereien selbst passiert, ist nicht mehr relevant. Die Siegel suggerieren beim Endverbraucher Um­weltfreundlichkeit – trotzdem kann das Holz für den Zellstoff aus entfernten Ländern (Transportweg!) stammen (wenn auch aus einem zertifizierten Wald), die Papierfabrik kann verschwenderisch mit Unmengen an Wasser und Energie fertigen, womöglich sogar noch mit Chlor bleichen, und der Drucker muss weder den Umgang mit Ökofarben noch den IPA-freien Druck beherrschen. Inzwischen geht es sogar so weit, dass Sie ein FSC-Papier bedrucken, aber das Produkt nicht recyclefähig ist, weil es entweder mit UV bedruckt wurde oder zum Beispiel ein Haftpapier ist. Für das Erlangen des Zertifikats werden wir Druckereien dafür aber von den Organisationen ordentlich gegängelt ...
     
  • print.de: Wie meinen Sie das?
  • Aumüller: Im Prinzip weisen wir für das Zertifikat nach, dass wir das eingekaufte FSC-Papier auch für den jeweiligen FSC-Job verdrucken. Kein Problem soweit. Aber: Wenn wir einen Produktionsschritt outsourcen, zum Beispiel an einen Buch­binder, muss auch dieser Dienstleister zertifiziert sein – obwohl immer noch derselbe „Baum“ in der Auflage steckt! Es bedarf stets einer Outsourcing-Vereinbarung, um nicht im Audit abgemahnt zu werden. Und diese muss ebenso fünf Jahre lang zu Dokumentationszwecken aufgehoben werden wie jeder einzelne FSC-Job – obwohl die Druckprodukte teilweise eine Lebensdauer von nur wenigen Tagen haben. Legen Sie aber zum Beispiel einem FSC-Katalog eine nicht FSC-Postkarte bei, darf auch der Katalog das Siegel nicht mehr tragen! Dabei kommt schon bei der Papierherstellung ein Mengenbilanzierungssystem zum Einsatz. Wer 50% FSC-Wald kauft, darf 50% seines Pa­piers zertifizieren. Faktisch heißt das: Eigentlich ist gar nicht 100% FSC drin, wo FSC draufsteht.
     
  • print.de: Ist das nicht fast Verbrauchertäuschung?
  • Aumüller: Natürlich. In diesem System geht es nur darum, möglichst viele zu zertifizieren und damit möglichst viel Geld zu verdienen. Uns als Druckerei kostet das 20.000 Euro für fünf Jahre. Was für die Holzwirtschaft durchaus sinnig ist, muss nicht zwingend auch für die Druckindustrie gut sein. Wir sind einfach „viel zu weit weg“ vom Baum. Also unser Unternehmen hat absolut nichts davon, dass wir uns zertifizieren – und die Umwelt leider auch nicht!

Was haben Sie für eine Meinung zum Thema? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Wir sind gespannt auf Ihre Kommentare ...

Näheres zu Aumüller Druck als Vorreiter im betrieblichen Umweltschutz (und weitere interessante Ökologie-Themen) lesen Sie im aktuell erschienenen Deutschen Drucker 5/17.

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Leserkommentare (25)

Andreas Weckwert, natureOffice | Dienstag, 12. September 2017 09:26:08

FSC/ PEFC Zertifizierung

Aus meiner Sicht haben die meisten Druckereien in vielen Punkten recht.



Die Belastung bei dem Quellennachweis verschont niemanden und kostet jede Verarbeitungs- und Handelsstufe viel Geld. 

Ich denke wir sind uns aber einig, dass wir mit allen Mitteln vermeiden müssen, dass Holz, aus illegalem Naturwaldeinschalg in die Verarbeitung oder den Handel kommt. Das bedeutet, dass die Grundidee von FSC und PEFC richtig ist, aber die Umsetzung und Anforderungen an die Markteilnehmer dringend überarbeitet werden müssen!

Würde es denn nicht auch ausreichen, wenn Holz, Zellstoff und Papier bei der Einfuhr in die EU den Nachweis erbringt? Damit gäbe es nur noch Material aus verantwortungsvollen Quellen - Thema erledigt und niemand innerhalb der EU müsste sich zu diesem Thema nochmal und nochmal und nochmal zertifizieren lassen. 

Um dies zu erreichen müsst Ihr Euch, liebe Druckereien aber zusammenschließen und Lösungsansätze erarbeiten!
Rein theoretisch - was würde denn passieren, wenn Ihr alle, für die nächsten sechs Monate das FSC und PEFC Logo nicht mehr auf Druckprodukte aufbringen würden? Jetzt sagen sicherlich einige von Euch, dann verliere ich Kundenaufträge. Kann sein - oder auch nicht!

Man könnte Öffentlichkeit zu diesem Thema herstellen oder aber auch gemeinsam Kunden in einem offenen Brief die besondere Situation erklären und Mitstreiter gewinnen. Macht doch aus der Not eine Tugend und verändert gemeinsam dass was Euch nervt und macht etwas besseres daraus!

Viele der zertifizierten Druckereien sind doch sowieso verbandsmäßig organisiert. Beauftragt doch Eure Verbände für eine Verbesserung der Situation zu kämpfen und sich einzusetzen. Denn in der Tat, der Aufwand, der von zertifizierten Druckereien bei der Artentrennung aufzuwenden ist, ist einem Außenstehenden weder zu vermitteln noch zu verkaufen (verkaufen heißt in diesem Fall wirklich ein wenig mehr Geld für den großen Aufwand verlangen zu können).

FSC Beauftragter | Mittwoch, 30. August 2017 09:26:02

Zustimmung aber eigenes Handeln

Ich stimme meinen Vorrednern zu. Wir verkaufen dem Endkunden das Gefühl etwas für die Umwelt getan zu haben. In Wirklichkeit unterstützen wir mal wieder ein Global agierendes Unternehmen zur Gewissensberuhigung ohne wirklich zu hinterfragen.
Zum anderen muss man sein eigenes Handeln auch hinterfragen. Wenn wir gänzlich nur nach dem billigsten Preis für Papier, Material und Weiterverarbeitung suchen ohne Dinge wie Transportwege (Umweltverschmutzung und Straßenbelastung) zu beachten tun wir genau das selbe wie die Forest Stewardship Council .
Ich muss meinem Kunden ein Produkt verkaufen welches Ökologisch und Ökonomisch erklärbar ist. Gutes Beispiel ist hier Scheufelen mit ihrem Graspapier. Material aus der Region inkl der Paletten. Kurze Wege, regional eingekauft. Das sollten wir als Druckereien auch vertreten und durchsetzen, nur so kann man auf lange Sicht einen Mehrwert aus seiner Arbeit ziehen und höhere Preise verlangen. Bsp Stuttgarter Druckerei: Farbe von Flint, Papier Scheufelen, Paletten aus dem Schwarzwald, Speditionen aus der Umgebung.
Das Geld was man der FSC Zertifizierung in den Hals schiebt lieber da hinein investieren. Ganz abgesehen vom Zeitaufwand und organisatorischem Aufwand.

Bernd Neumaier | Donnerstag, 22. Juni 2017 09:56:04

FSC und Co.

Guten Tag,

ich gebe Herrn Aumüller wie alle meine Vorautoren auch recht. Ich könnte jetzt auch noch ein paar lustige Anekdoten zum Freigabeprozess beisteuern, verzichte aber bewusst darauf. Dennoch will ich ich zu einem alternativen Blickwinkel einladen, nämlich vom Endkunden gedacht. Am Ende des Tages hat ein Unternehmen Im Umfeld unserer Industrie ein Produkt bzw. eine Dienstleistung geschaffen, die höchst erfolgreich ist, weil es die Verwender der Druckerzeignisse beim dessen Absatz aus seiner Sicht unterstützt. Unsere Industrie muss aus meiner Sicht leider akzeptieren, dass es z.B. den klassischen Markenartikler ungefähr so viel wie das berühmte umgefallene Fahrrad in China interessiert, dass dieses Thema für die Druckindustrie ein belastender Faktor ist. Ich freue mich eher daran, dass es im Umfeld unserer Branche offensichtlich noch immer sehr attraktive und lukrative Geschäftsmodelle gibt. Wir stecken unsere ganze Energie da rein, ebensolche zu finden. Ich schwöre, dass es kein Zertifikat sein wird!

Beste Grüße
Bernd Neumaier

Matthias Gruber | Mittwoch, 19. April 2017 13:46:02

Wahre Worte...

Die Ausführungen von Herrn Aumüller finden meine absolute Zustimmung. Ich halte FSC im wahrsten Sinne für modernen "Ablaßhandel".. " Zahle dafür dass du ein besseres Gewissen hast.." So hart wie es klingt aber es stimmt. Keiner von uns kann, wenn er ehrlich ist, seinem Kunden zu 100 % garantieren dass auch nur eine Faser FSC Zellstoff in dem verwendeten Papier ist. Wie hier schon mehrmals angemerkt sind FSC Bilanzen seitens der Fabriken "Mengenabhängig". Auch über den "Sinn und Unsinn einer Zertifizierung " von Dienstleistern wurde schon mehr als genug gesprochen. Wenn mein externer Buchbinder bei einer Rückenstichheftung andere als die von mir gestellten Druckbogen verarbeitet ist das Endprodukt fehlerhaft und somit unbrauchbar also kann der Logik zufolge kein "falsches Material" hineinkommen. Das Thema kocht schon länger bei vielen von uns Druckern. Der Grundgedanke von FSC hört und liest sich toll aber was bleibt am Ende des Tages davon übrig...für den Umweltschutz wahrscheinlich nicht viel...

Jürgen Frischmann | Dienstag, 11. April 2017 10:16:03

ökologischer Gedanke als Geschäftsmodell

Hallo Herr Aumüller,

vielen Dank für die klaren Worte. Die Zertifizierungen von FSC und PEFC sind auch nach meiner Meinung eher Klotz am Bein einer Druckerei als wirkliche ökologische Zertifikate. In diesem Jahr war auch bei uns wieder ein Audit und wir mussten feststellen das die Anforderungen immer schlimmer werden. Inzwischen soll es 2 Personen im Unternehmen geben die sich gegenseitig kontrollieren! Was für eine Bürokratie für Dinge die am Ziel völlig vorbei gehen!

Kurzum: Für die Umwelt trägt keine Druckerei etwas bei die sich bei FSC/PEFC zertifizieren lässt! Hier wird lediglich Geld verdient und der Verbraucher getäuscht!

Marcus Kern - Betriebsleitung OZ Druck | Dienstag, 21. März 2017 10:36:03

Zustimmung - und..

Auch von mir gibt es zu dem Text und einigen, sogar den meisten Kommentaren nur absolute Zustimmung. Zwei Punkte möchte ich aber noch anfügen:

1. Die hier beschriebene Zertifizierung ist ja eigentlich nur sinnbildlich dafür, wie man mit einem anfänglich guten Ansatz, im Laufe der Zeit leider nur noch den Cash Cow Gedanken verfolgt.
Wir können das Thema nahtlos weiter diskutieren wenn wir uns den Thema "Klimaneutral" oder Blauer Engel oder anderen zuwenden.

2. Ich habe selten auf dieser Plattform so viele Kommentare zu einem Bericht - einem Thema gelesen. Dies könnte zwei Gründe haben. Erstens, die Berichte bringen für uns, in der Branche aktive, zu wenig Content.

Oder zweitens - das Engagement von uns , in der Branche tätigen, ist einfach zu gering. Ich denke es ist ein Mix aus beidem und "die Branche" sollte sich Gedanken darüber machen, wieder mehr zu leben.

M.Kern

gerriet | Dienstag, 14. März 2017 16:56:04

FSC

Hallo,
ich stimme ihnen zu mehr als 100% zu.
Der FSC ist weder gemeinnützig, noch hat er seinen Sitz in Deutschland (und nur dort gibt es den Begriff „gemeinnützig“ aus dem Steuerrecht), noch ist er ein Garant für Nachhaltigkeit und Legalität des Holzes.
Alle diese Aussagen sind nachweisbar falsch und damit ein klarer Fall von Verbrauchertäuschung.
So hat die Konzernmutter, der FSC AC, ihren Sitz in Mexiko, der FSC AC betreibt hier in Deutschland einige Firmen, unter anderem auch eine eben nicht gemeinnützige GmbH, die FSC Global Development GmbH. Letztere betreibt die FSC Webseite (www.ic.fsc.org) und ist das „Global Office“ des FSC.
Der FSC kann die Legalität des in einem Produkt verwendeten Holzes nicht garantieren, da er selbst die Quelle des gelabelten Holzes nicht feststellen kann. Denn es gibt weltweit keine Methode, flächenscharf die die Holzherkunft in einem Holzprodukt basierend auf seinen Inhaltsstoffen nachweisen kann. Mit viel Aufwand kann man das bei einzelnen Fasern grob tun, aber gerade Papier besteht aus einer Vielzahl gemischter Fasern. Theoretisch kann in einem mit FSC-Mixed Label versehenem Produkt nicht eine einzige Faser aus einem FSC zertifizierten Wald enthalten sein, da dem System nur ein Mengenkonto zugrunde liegt. Hinzu kommt, dass die Auditoren bei der COC-Zertifizierung nur den internen Verwaltungs- und Ablauffluss nachvollziehen, nicht aber die tatsächlichen Abläufe.
Hinzu kommt, dass das COC-Zertifikat sich ausschließlich auf das Holz bezieht und ganz wesentliche, damit zusammenhängende Faktoren gänzlich außer Acht lässt, hierzu zählen die Arbeitsbedingungen wie z. B. Sicherheitsstandards, oder etwa wie nachhaltig die Produktion an sich ist. Provokant ausgedrückt könnte man sagen, der Betrieb könnte das FSC-Label für seine Holzprodukte verwenden, obwohl es in Zimbawe mit geklauten Holz, von Kindern, hergestellt wird und dabei die giftigste Druckfarbe sowie die schlimmsten Emissionen erzeugt werden, weil die Heizung mit alten Gummireifen befeuert wird, denn all das ist nicht relevant für das Zertifikat.
Der FSC ist auch kein Güte- oder gar Ökosiegel wie viele NGOs uns weismachen wollen, das kann er als Prozesslabel auch systemisch gar nicht sein. Ganz im Gegenteil, sein Wirken ist geradezu kontraproduktiv, denn es gewährleistet gerade nicht die ihm unterstellten Eigenschaften wie Legalität, Nachhaltigkeit und die Verhinderung der Vernichtung der verbleibenden Primärwälder.
Deshalb zum Schluss noch ein Satz zur FSC-Waldmanagementzertifizierung. Der FSC lässt alle Waldformationen, in allen Klimazonen, in allen Ländern dieser Welt zertifizieren. Hierunter fallen auch Primärwälder, dabei ist sich die Wissenschaft einig darüber, dass ein Primärwald („Urwald“) nicht nachhaltig (nach Brundlandt) bewirtschaftet werden kann, was sich schon aus der Definition ergibt. Ein Primär- bzw. Urwald ist schließlich der Inbegriff des unbewirtschafteten Waldes. Innerhalb der 140 Länder aus denen Waldbesitzer Mitglied im FSC sind gibt es allein nur 46 nationale Wandstandards. Doch damit nicht genug, werden diese auch nicht nach auf unabhängiger wissenschaftlicher Basis erarbeitet sondern quasi von Laien, nämlich Mitgliedern aus den drei Kammern denen die Mitglieder zugeordnet werden, der Wirtschaftskammer (z. B. Holzindustrie, -handel) der Umweltkammer (überwiegend NGOs) sowie von der Sozialkammer (z.B. Gewerkschaften). Trotz anders lautenden Bekundungen werden indigene Gruppen hierbei oft nicht gehört oder erst gar nicht gefragt („der Wald hat keine Telefon“).
Für weitere Informationen stehe ich gerne zur Verfügung, siehe auch
http://www.fragen-an-den-fsc.de/
gerriet harms

Markus Fuchshuber, Managementbeauftragter der Druckerei Fr. Ant. Niedermayr GmbH & Co. KG | Montag, 13. März 2017 18:26:05

FSC PEFC Zertifizierung

Den Ausführungen von Herrn Christian Aumüller können wir uns leider nur anschließen. Was als einfache Zertifizierung vor Jahren begonnen hatte, wächst sich zu einem Nachweisaufwand aus, der in keinem Verhältnis mehr steht. Die FSC / PEFC Strukturen sind kompliziert, Ansprechpartner oft nicht aussagefähig, man wird von FSC Deutschland zu FSC Amerika zu FSC Auditor verwiesen und beim Audit wird jeder iPunkt genauestens geprüft & gerügt, wenn er mal fehlen sollte.

Markus Fuchshuber

Gerald Bönisch G.Peschke Druckerei | Montag, 13. März 2017 16:26:04

FSC/PEFC

Traurig ist doch, dass Alle mitmachen (müssen ?) obwohl zertifiziert wird was im entferntesten mit Umweltbewusstsein zu tun hat. Der Ablass ohne Transparenz als Mantel für das Gewissen.

Jan Hassan | Montag, 13. März 2017 15:56:03

FSC - Leider auch für die deutsche Holzindustrie nicht sinnig

Mit großem Interesse verfolge ich die Diskussion in der Druckindustrie über die FSC-Zertifizierung, da wir als großer deutscher Massivholzhersteller ganz ähnliche Probleme mit dem Label haben.

Dass FSC dem Verbraucher suggeriert, das FSC-Siegel stünde für Holzprodukte aus einer Waldwirtschaft mit besonders hohen ökologischen Standards ist nichts anderes als Verbrauchertäuschung. FSC arbeitet weltweit mit völlig unterschiedlichen Waldstandards. Ausländische Holzprodukte aus Osteuropa, Asien oder Südamerika erhalten das FSC-Siegel trotz zum Teil sehr niedriger ökologischer Standards, die mit den deutschen FSC-Richtlinien nicht das Geringste zu tun haben und weit unterhalb der in Deutschland geltenden gesetzlichen Bestimmungen liegen.

Die deutschen Waldgesetze gehören zu den strengsten weltweit und sorgen für eine naturnahe und nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder. Eine externe Begutachtung, wie ursprünglich für Tropenholz von FSC entwickelt, macht in Deutschland keinen Sinn, da sie aufgrund der strengen gesetzlichen Regelungen zu keinen besseren Waldflächen führt. Der hohe politische Druck, mit dem FSC versucht die Zertifizierung auch in Deutschland flächendeckend durchzusetzen, dient weder dem Wald, noch der Umwelt sondern lediglich der Profitmaximierung der FSC-Organisation.

USausBW | Montag, 13. März 2017 12:06:04

Es ist so ...

... wie im richtigen Leben (z.Bsp. in der Lebensmittelbranche) Zertifikate + Siegel + Normen ohne Ende, aber die meisten davon sind doch weit von dem ursprünglichen Sinn und Zweck (wie bei Qualität und Umweltschutz) weg.
Gewinner sind die "Erfinder und Vermarkter" solcher „tollen sowie unbedingt notwendigen Zertifikate u.ä.“ und die dafür erforderlichen und „preiswerten“ (Einführungs- und Kontroll-) Berater.
Verlierer sind n.m.M. die Druckunternehmen mit einem schwer zu beherrschenden Kosten-Aufwand sowie der Erfordernis AUCH alle möglichen dieser „tollen und notwendigen Zertifikate u.ä.“ führen zu können/dürfen, die Kunden und natürlich unser blauer Planet.
Ich begrüße ausdrücklich den globalen Schutz durch den Einsatz sinnvoller und Ressourcen schonender Methoden.
Wie der Print-Kunde bzw. der Endanwender das erkennen kann und damit umgeht obliegt verantwortungsbewussten Menschen im Bereich Vertrieb und Produktion. Genau dieses ist aber ausserordentlich schwierig sowie recht kostenintensiv aber auch die Anstrengungen wert.

Gott grüß die Kunst.

Albert Contzen | Montag, 13. März 2017 10:16:06

FSC/PEFC

Herr Aumüller hat mit seinen Anmerkungen zum FSC/PEFC-Geschäftsmodell der Zertifizierer vollkommen recht. Bleibt noch darauf hinzuweisen, dass mittlerweile offensichtlich weit mehr als 75% aller grafischen Papiere ein solches Zertifikat haben. Wenn wir aber doch sowieso fast nur noch diese Materialien "aus verantwortungsvollen Quellen" bekommen, warum müssen wir uns dann für den Einsatz von Selbstverständlichem zertifizieren lassen?

Martin Lind | Montag, 13. März 2017 10:16:05

Zertifizierung "Papier aus Holz aus nachhaltige Forstwirtschaft für Druckereien" - kurz FSC/PEFC

Der Ärger von Herrn Aumüller ist berechtigt. Der Aufwand für die Zertifikate ist enorm, ohne das die Zertifikate etwas über die Verarbeitung des Holz nach dem Wald aussagen. Noch viel weniger sagen die Zertifikate etwas über die FSC- und PEFC-Zertifikate etwas über die Umweltleistungen der jeweiligen Druckerei aus.

Deshalb tragen zu meinem Ärger auch die Druckereien bei, die Ihre Papierzertifizierung vor sich her tragen um sich damit als besonders nachhaltig und umweltschonend arbeitendes Unternehmen zu präsentieren. Dabei sagt das Papierzertifikat nur, dass das die Druckerei ihre Materialwirtschaft und die Buchhaltung im Griff hat, zumindest wenn der Auditor da ist.

Genauso ärgerlich und dazu kurzsichtig ist es aber, wenn sich Druckereien mit Bezug auf Fehlentwicklungen bei den Papierzertifikaten anderen umweltschonenden Maßnahmen verweigern.

Ärgerlich, kurzsichtig und falsch ist es auch, wenn Druckereien ein Druckverfahren wie den LE(D)-UV-Druck als umweltfreundlich darstellen, weil er weniger Energie als herkömmlicher UV-Druck verbraucht, dabei aber nicht Gesundheitsgefahren, Einschränkungen bei der Rezyklierbarkeit und den zusätzlichen Anfall von Plastikmüll thematisieren.

Die Druckbranche muss aufpassen, dass sie nicht aus ökologischen Gründen gegenüber den anderen Medien verliert. Deshalb haben es die Papierzertifikate so leicht gehabt sich bei uns durchzusetzen, aber deshalb müssen wir auch dafür sorgen, dass wir die Umweltbilanz unseres Mediums nachweislich immer weiter verbessern und auf keinen Fall verschlechtern.

Tobias Sigg | Montag, 13. März 2017 10:16:04

FSC

Ich halte den Ansatz auf zertifiziertes Material zu setzten generell für richtig und wichtig. Selbst wenn nicht gewährleistet werden kann dass nun eben diesen Blatt nachhaltig erzeugt wurde. Wenn uns dies nicht wichtig wäre würden wir weiter tolerieren, dass die Primärwälder unserer Welt abgeholzt werden. Leider wird der an sich richtige Grundgedanke in der Praxis via Zertifizierungswahn absurdum geführt wie, Herr Aumüller völlig richtig beschreibt.
Eine weitere Absurdität äußert sich darin, dass beispielsweise ein via Kahlschlag erwirtschaftetes Holz aus Kanada, einen Nachhaltigkeitssiegel tragen kann, da dieser Baum wieder angepflanzt wird. Wohingegen regionale Forstwirte die in der Regel nun einzelne Bäume entnehmen und so den Lebensraum Wald wesentlich nachhaltiger bewirtschaften, sich einen Zertifizierung schlicht nicht leisten können. So kann es sein, dass man mit dem Kauf eines nicht zertifizierten Materials unserer Umwelt einen besseren Dienst erweist als umgekehrt. Es kann allerdings auch ein deutlich schlechterer sein weil weiterhin Primarwald verwendet wurde und wir damit die Biodiversität unseres Planeten reduzieren.

Armin Ahrens | Freitag, 10. März 2017 14:56:03

FSC

Und dann bekommt man noch einen Minor-Car, weil ein Mitarbeiter FSC-Mix-Credit, ein anderer Kollege aber FSC Mix Credit geschrieben hat. Was hat das mit Nachhaltigkeit zu tun?
Schön, dass Herr Aumüller es mal in die Presse bringt.

Branchenkenner | Freitag, 10. März 2017 14:56:02

Korrekt Herr Aumüller, aber ...

Natürlich hat Herr Aumüller völlig recht. Aber für die Auditoren wird das ganze zur cashcow weil die Drucker doch alle mitmachen. Nicht einer hat den Mut "Nein" zu sagen. Nur Wahnsinnige glauben doch noch, dass der ganze Qualitätsmanagement und Umweltmanagement Unsinn wirklich den Unternehmen nutzt. Er nutzt allen QS-Beauftragten, Umweltbeauftragten, den Beratungsunternehmen und den Auditoren. Leider sonst keinem. Wenn sich die deutschen Druckunternehmen alle ihrer in der Regel teuer bezahlten, intern mit den Themen beschäftigten Beauftragten entledigen würden, keiner würde es merken. Qualität und Umweltverantwortung sind Werte die der Unternehmer vertreten muss, da braucht es keine betrieblichen "Klugscheißer".
Warum ich das so deutlich sage, zum einen weil ich in meinem Berufsleben keinen Beauftragten kennengelernt habe, der selbst die geforderte Qualität vormachen kann(maximal weiß er wie es vielleicht klappen könnte), zum anderen sieht man ja bei VW dass die ganze Systeme, nein präziser die Beauftragter, jämmerlich versagt haben.

D. Raff | Freitag, 10. März 2017 11:36:03

Aumüller_FSC-Zertifizierung-als-Gaengelung-der-Druckindustrie

Klare Worte zu einem belastenden und unsinnigem Ablasshandel. FSC - "Fabelhafte Super Cashcow" für den Betreiber.

Andreas Schnieder | Freitag, 10. März 2017 10:16:03

FSC

Ich gebe Herrn Aumüller Recht. Hoher Aufwand in Verwaltung und Organisation, die Zertifizierung vor Ort ist auch zeit- und kostenintensiv. Der objektive Nutzen für die Umwelt durch die Verwendung von FSC zertifiertem Papier bei der Herstellung von Druckprodukten ist aus den genannten Gründen nicht nachvollziehbar.

Helmut Meißner | Freitag, 10. März 2017 09:16:04

FSC

Endlich mal jemand, der es auf den Punkt bringt.

Michael O. | Freitag, 10. März 2017 09:16:03

Der Kunde kauft eine Ware die er nicht bekommt

Ich arbeite in einer kleinen, nicht zertifizierten Druckerei. Uns wurde immer gesagt wir müssen uns zertifizieren lassen um FSC Papier auch als solches verkaufen zu dürfen. Wir wurden tatsächlich im Unwissenden gelassen, dass es sowas gar nicht gibt, sondern alles nur ein Quotensystem ist..
Erst heute wissen wir, dass wir nur einem System zum Ablasshandel beigetreten wären, welches nur kostet. Gott sei Dank wurden wir von keinem Kunden der Angst hatte einen Trend zu verpassen dazu gezwungen. Ich finde es wichtig, dass Wälder nachhaltig bewirtschaftet werden, aber das geht auch ohne Gängelung einer Branche die es eh schwer genug hat.

FSC Beauftragter | Freitag, 10. März 2017 09:16:02

Schlaflos vorm Überwachungstermin...

Die letzen Tage vorm jährlichen "Audit" habe ich nur noch im Kopf was mir und den Kollegen diesmal wieder alles an Fehlverhalten und Vergehen vorgeworfen wird. Das von Prüfer X genehmigte Logo muss Prüfer Y im Jahr darauf zum Beispiel noch lange nicht gut heißen. Und wenn er sonst keinen Verstoß seitens der Druckerei findet dann tut er das auch nicht. Er muss ja seine Tätigkeit und die "Fehlersuchgebühr" von - es dürften 2.000 € für ein Audit sein - rechtfertigen.

Ahmed Badran | Donnerstag, 09. März 2017 17:36:02

Fürs FSC/PEFC-Zertifikat werden Druckereien ordentlich gegängelt

Ich gebe Herrn Aumüller völlig recht. Die Diskussion um Nachhaltigkeit verliert ihren Wert, wenn alles nur nach bürokratischen Maßstäben bemessen wird. Grundsätzlich werden zB die Wege, die die Waren bis zum Endprodukt nehmen, nicht stark bewertet. In Europa gibt es grundsätzlich nur nachhaltige Forstwirtschaft und das schon seit langer Zeit.

Bernd | Donnerstag, 09. März 2017 16:36:03

FSC-Zertifizierung

... und das ist erst der Anfang, wenn Sie sich damit intensiver beschäftigen und recherchieren entwickelt sich das zu einem Fass ohne Boden. Viel Schein aber sonst nur Wirrwarr und Chaos, versuchen Sie mal als Laie ein Zertifikat zu recherchieren bzw. heraus zu finden was sich dahinter verbirgt, da bekommt der Begriff Transparenz eine ganz neue Dimension.

Merten Schmidt | Donnerstag, 09. März 2017 16:36:02

FSC

Ich kann Herrn Aumüller nur voll und ganz zustimmen. Für mich ist das "FSC-Konsortium" eine große "Geldmachmaschine", das versucht jedes Mitglieder der Lieferkette so gut wie möglich zur Kasse zu bitten. Auch der zeitliche (administrative) Aufwand nimmt von Jahr zu Jahr zu.
Es ist dem Forest Stewardship Council gelungen, mit viel Marketing und Lobbyarbeit einen enormen Handlungsdruck in den Betrieben aufzubauen. Es kann sich heute kaum ein Unter-nehmen in unserer Branche leisten, nicht FSC zertifiziert zu sein, da der Wettbewerbsdruck weiterhin enorm hoch ist. Interessanterweise setzen viele Druckauftraggeber diese Zertifizierung (und andere) voraus, ohne diese auch tatsächlich zu nutzen. In vielen Druckbetrieben liegt die Quote der FSC Aufträge oftmals bei nur 1-2% im Jahr. Somit rechnen sich die Kosten für die Zertifizierung bzw. für die regelmäßigen Audits sicher meistens nicht.

Julia van Slooten | Donnerstag, 09. März 2017 16:06:02

word.

Einer der ausspricht, was viele denken.

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