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Colordruck-Eigner bleibt auch nach Insolvenzantrag im Dunkeln

Gerade verkauft ist der ehemalige Arquana-Betrieb nun zahlungsunfähig

Nur wenige Tage nachdem die Druckereiholding Arquana ihre Anteile an der WS 3021 Vermögensverwaltungs AG, der Muttergesellschaft der Colordruck Pforzheim GmbH & Co. KG (CP), an einen nicht genannten »strategischen Investor« verkauft hatte, stellte Geschäftsführer Roland Bock-Maindok – am 24. Oktober 2007 – Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Das Amtsgericht Pforzheim setzte den Stuttgarter Rechtsanwalt Dr. Reinhard Th. Schmid als vorläufigen Insolvenzverwalter ein. Derzeit beschäftigt das Unternehmen 175 Mitarbeiter, davon neun Auszubildende. Der Produktionsbetrieb geht nach Aussage von Roland Bock-Maindok zunächst unverändert weiter.
Arquana hatte erst Ende Juni vergangenen Jahres 94 % der Anteile der WS 3021 Vermögensverwaltungs AG (Starnberg) von der Arques Industries AG übernommen. 6 % liegen beim früheren Geschäftsführenden CP-Gesellschafter Dr. Gerhard Bossert.
Wie Roland Bock-Maindok gegenüber DEUTSCHER DRUCKER erläuterte, war er am 17. Oktober mündlich vorab und dann am Tag darauf – nach Abschluß der entsprechenden Verträge – schriftlich durch den Arquana-Vorstand vom Verkauf unterrichtet worden. Dr. Bossert erfuhr dagegen erst durch einen entsprechenden Anruf des CP-Geschäftsführers von diesem Schritt.
Während Arquana sich von einem Verlustbringer trennte, fiel für den Pforzheimer Betrieb sofort jede Holding-Unterstützung weg – das heißt, es floss kein Geld mehr. »In der Vergangenheit wurden CP von Eigentümerseite erhebliche finanzielle Mittel bereitgestellt, um eine ausreichende Liquidität zu gewährleisten und den Bestand des Unternehmens zu sichern. Mit dem Verkauf ist diese finanzielle Sicherheit nicht mehr gegeben«, formulierte der Geschäftsführer in einer Mitteilung. Laut Roland Bock-Maindok hatte Arquana allein im laufenden Jahr einen siebenstelligen Betrag zugeschossen.
Der Versuch Bock-Maindoks, daraufhin den Vorstand der WS 3021 Vermögensverwaltung AG zu kontaktieren, scheiterte: »Die haben nicht einmal auf meine Mails geantwortet«. Bis heute scheinen sich übrigens weder die Beteiligungsgesellschaft noch deren neuer unbekannter Mehrheitseigentümer für das Schicksal ihres Investments CP auch nur im Geringsten zu interessieren. Nach Rücksprache mit seinem Finanzberater, auf Grund anhaltendem Schweigen seines Mehrheitseigners und »vor dem Hintergrund der anhaltenden Ertragsschwäche und der aktuellen Liquiditätsentwicklung« stellte Bock-Maindok deshalb den Insolvenzantrag. Die Mitarbeiter wurden am selben Tag informiert.
Nach Bock-Maindoks Ansicht waren bei CP zu spät tiefgreifende Restukturierungsmassnahmen eingeleitet worden. Die Kosten habe man zwar in 2006 und 2007 um je eine halbe Million Euro senken können, dies sei aber nur »ein Tropfen auf den heißen Stein« gewesen, da gleichzeitig die Energiekosten in diesem Zeitraum um 800 000 Euro gestiegen sind. Nach 3 Mio. Euro Verlust in 2006 wird Colordruck Pforzheim auch dieses Jahr insgesamt gesehen rote Zahlen schreiben. Bock-Maindok war im Mai 2006 die Leitung des Pforzheimer Unternehmens übertragen worden.
Bis Ende Dezember 2007 will CP auf jeden Fall produzieren. Mitte Dezember soll ein Restrukturierungsplan vorliegen. Dann wird der vorläufige Insolvenzverwalter entscheiden müssen, ob ein kostendeckender Betrieb nach entsprechenden personellen und strukturellen Massnahmen erfolgen kann. Parallel wird auch nach einem Investor gesucht. »Einem richtigen, nicht nur einem strategischen«, so Bock-Maindok. Weitere Kontaktversuche mit dem unbekannten »Investor« hat er aufgegeben: »Das hat wohl keinen Sinn mehr«.
Nach dem Insolvenzantrag wurden durch CP alle Verträge mit der Arquana-Holding und den verbundenen Unternehmen gekündigt. »Selbstverständlich werden die erteilten Druckaufträge vertragsgemäß erledigt, allerdings gegen Vorkasse«, so Bock Maindok, der hinzufügt: »Bis zum Verkauf war die CP integrierter Bestand der Arquana, Nach dem Verkauf wurden wir einseitig als Kooperationspartner dargestellt«. Der entsprechende Hinweis auf der Arquana-Website verschwand erst am 26 Oktober. Inzwischen betrachtet Colordruck Pforzheim Arquana und ihre Unternehmen »als ganz normale Wettbewerber«. CP müsse lernen, so Roland Bock-Maindok, schnell auf eigenen Füssen zu stehen.

Colordruck Pforzheim http://www.colordruck-pforzheim.de

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