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Deutsche Faltschachtelindustrie im Jahr 2011 mit 4,5 % höherem Produktionswert

Laut Statistischem Bundesamt und FFI stagniert die Produktionsmenge der Gesamtbranche
 

Das Diagramm zeigt das kumulierte Wachstum der nationalen Faltschachtelmärkte in Europa 2006 bis 2010 in 1000 Tonnen. (Quelle: ECMA)

Die deutsche Faltschachtelindustrie hat Rückgänge bei Absatz und Umsatz an Faltschachteln schneller, als man es vor zwei Jahren hätte annehmen können, von rund 7 % aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise wieder kompensiert und das Jahr 2011 mit einem historischen Höchststand abgeschlossen, wie der Fachverband Faltschachtel-Industrie (FFI) e.V. aktuell berichtet. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat die Gesamtbranche den Produktionswert auf 1,907 Mrd. Euro (+4,5 %) gesteigert. 

Diese Entwicklung beim Produktionswert ist umso erfreulicher, als dass sich im Dreijahreszeitraum 2009 bis 2011 eine deutlich langsamere Veränderung beim Produktionsvolumen ergeben hat. Im aktuellen Berichtsjahr 2011 „stagniert“ die Produktionsmenge der Gesamtbranche bei 860.000 Tonnen (-0,3 %).

Zu den Ergebnissen der im Fachverband Faltschachtel-Industrie (FFI) e.V. zusammengeschlossenen Unternehmen berichtet Lothar Ruhnke, Sprecher des FFI-Vorstands: „Die 85 FFI-Mitglieder haben 2011 ihren Produktionswert um 5,9 % auf 1,494 Mrd. Euro und ihre Produktionsmenge um 4,5 % auf 599.000 Tonnen gesteigert. Damit ist der FFI-Anteil an der Gesamtbranche wertmäßig auf 78,3 % und mengenmäßig auf 69,7 % angewachsen.“ Rückblickend ergänzt Ruhnke: “Diese Entwicklung des FFI zeigt sich bereits über einen längeren Zeitraum. Von 2007 bis 2011 haben die Verbandsmitglieder ihren Anteil am Produktionsvolumen der Branche um +10,8 Prozentpunkte von 58,9 % auf 69,7 % vergrößert. Analog entwickelte sich der Anteil am Produktionswert um +7,3 Prozentpunkte von 71,0 % auf 78,3 %.“

Die zuvor berichtete Entwicklung der Produktionsmenge in der deutschen Faltschachtelindustrie von -0,3 % für 2011 findet ihren Beleg auch in der Auslastung der Maschinenkapazitäten. Die hohe Auslastung von 91,5 % im 1. Quartal 2010 wurde in keinem der darauffolgenden Quartale bis Ende 2011 erreicht.  Dieser geringere Beschäftigungsgrad hat sich auf Basis der vorliegenden Zahlen fortgesetzt und liegt zum Ende des 1. Quartals 2012 bei 82,8 %. Bisher ist nicht eindeutig zu erklären, welche End-Use-Segmente der abpackenden Industrie für den Rückgang der Kapazitätsauslastung bei der Herstellung von Faltschachteln verantwortlich zeichnen. Zu den wesentlichen End-Use-Segmenten für die Faltschachtelindustrie im Bereich Food zählen nach wie vor Cerealien, Süßwaren, Tiefkühlkost und Fertiggerichte sowie Tiernahrung. Für das Non-Food Segment sind zu nennen: Körperpflege, Kosmetik, Zigarette und Pharma.

Die Anzahl der an das Statistische Bundesamt (BUSTA) meldepflichtigen Faltschachtel-Unternehmen, das sind Betriebe mit mehr als 20 Mitarbeitern, ist weiter rückläufig. Bei einer geschätzten Anzahl von etwa 200 Herstellern von Faltschachteln in Deutschland zeigt die Bundesstatistik nur noch 99 Betriebe, die der Mindestgröße für die Berichterstattung entsprechen. Ruhnke verdeutlicht hierzu: „Die Entwicklung und Produktion von Faltschachteln sind durch vielfältige Herausforderungen und Maßnahmen gekennzeichnet. Beispiele dafür sind die Weiterbildung der Fachkompetenz der Mitarbeiter und die Sicherstellung hoher Finanzkraft, um Modernisierungen in allen Stufen der Produktion realisieren zu können. Nicht zu vergessen sind steigende Ansprüche in der Beherrschung modernen Supply-Chain-Managements sowie ertragsorientierter Strategien im Einkauf, Verkauf und Marketing. Dies sind nationale und europäische Erfolgsbedingungen, die nicht jeder alleine erfüllen kann. Weitere Zusammenschlüsse in der Faltschachtelindustrie sind deshalb nicht auszuschließen.“

Interessant erscheint der Vergleich der deutschen Branchenentwicklung mit den anderen europäischen Märkten. So nimmt die deutsche Faltschachtelindustrie nach wie vor Platz 1 im europäischen Ranking ein, allerdings mit mittlerweile gut 25 % des gesamten europäischen Marktes. Mit deutlichem Abstand folgen Italien und England mit jeweils 14 % EU-Marktanteil sowie Frankreich mit 12 % EU-Marktanteil. Alle anderen EU-Länder liegen beim Ranking im einstelligen Prozentbereich. In Deutschland werden also heute ein Viertel aller Faltschachteln in Europa hergestellt. Dabei wird in Deutschland und der Türkei ein deutliches kumuliertes Wachstum über den fünfjährigen Betrachtungszeitraum 2006 bis 2010 verzeichnet. Alle anderen nationalen Faltschachtelindustrien sind im gleichen Zeitraum geschrumpft. „Damit werden die deutschen Faltschachtelhersteller auch immer bedeutender als Kunden für national und europäisch agierende Lieferanten“, betont Ruhnke und merkt an: „Wir stellen uns der Aufgabe, die Position als Marktführer in Europa zu behaupten und weiter zu stärken. Dies geht aber nicht ohne die Unterstützung der Zulieferindustrie. Als Branchenverband haben wir deshalb jüngst eine neue Verbandsaufgabe gestartet, die sich den Rahmenbedingungen des Einkaufs von Rohstoffen widmet. Damit werden wir für die FFI-Mitglieder neben unserem Vertriebsmarketing auch das Beschaffungsmarketing etablieren.“

Es erscheint naheliegend, dass bei einem solchen Projekt auch die Ursachen erörtert werden, warum sich lediglich die Faltschachtelindustrie Deutschlands und der Türkei von den Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 richtig erholen konnte. Aufgrund der seit Jahren allgemein dynamischen volkswirtschaftlichen Entwicklung in der Türkei hat es dort praktisch keine krisenbedingten Rückgänge gegeben. Demgegenüber konnte Deutschland innerhalb von zwei Jahren durch vielfältige Maßnahmen die Verluste der Krise wieder ausgleichen. Alle anderen nationalen Faltschachtelmärkte in Europa weisen dagegen im Betrachtungszeitraum 2006 bis 2010 ein negatives kumuliertes Wachstum aus. „Vermutlich hat letztendlich die Wirtschaftskrise 2009 in diesen Ländern zu einer nachhaltigen Konsolidierung vieler Branchen geführt, die den Produktionsstandort Deutschland innerhalb Europas vor weitere besondere Herausforderungen und Perspektiven stellt“, kommentiert Ruhnke die Entwicklungen.

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