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Die Stürtz GmbH schließt Ende September 2016

240 Mitarbeiter betroffen – ein Großkunde von dreien weggebrochen
 

Die Traditionsdruckerei Stürtz GmbH in Würzburg stellt zum Monatsende ihren Betrieb ein.

Nun hat die schier unendliche Insolvenz- und Sanierungsgeschichte rund um das Würzburger Druckunternehmen Stürtz (siehe Meldung auf print.de vom 28.06.2016) doch ein Ende gefunden – aber leider kein „Happy End“: Die Traditionsdruckerei Stürtz GmbH stellt zum Ende des Monats September ihren Betrieb ein. Rund 240 Mitarbeiter der Stürtz GmbH müssen sich nach neuen Jobs umschauen. Mehrere Rettungsversuche seien gescheitert, wie die Würzburger Mainpost heute berichtet. Dies sei von Geschäftsführer Dirk Eichelbaum bestätigt worden, heißt es in der Zeitung weiter.

Der Sanierungsspezialist Solvesta AG, neuer Inhaber von Stürtz, hatte noch im Juni dieses Jahres bekanntgegeben, dass die Geschäftsführung der Stürtz GmbH im Juni 2016 einen Antrag auf die Einleitung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt hat. Zuvor, mit Wirkung 1. März 2016, hatte die neue Stürtz GmbH das operative Geschäft der Phoenix Print GmbH übernommen, die wiederum auf das früher als Stürtz AG firmierende Unternehmen zurückging. Phoenix Print Würzburg meldete Ende September 2015 wegen Liquiditätsproblemen Insolvenz an.

Es war die damalige Geschäftsführerin Ramona Weiß-Weber, die noch im März 2016 bekanntgegeben hatte, die jüngste Sanierung sei „aufgrund der Kompromissbereitschaft von Gläubigern und Belegschaft“ gelungen. Als Zeichen des Neuanfangs hatte die Firma ihren altbekannten Namen Stürtz zurückerhalten. Damals hieß es auch, dass es gelungen sei, „für über 240 Mitarbeiter [...] eine solide Basis für die weitere Entwicklung des Unternehmens zu schaffen und Stürtz zukunftsfähig aufzustellen“. Ramona Weiß-Weber wurde im Juni durch den neuen Stürtz-Eigentümer Solvesta abberufen.

Wie die Mainpost weiter berichtet, begründet die Solvesta AG ihren Rückzug unter anderem damit, dass man sich mit der Gewerkschaft Verdi nicht über die Erhöhung der Arbeitszeit auf 40 Wochenstunden einigen konnte. Auch habe man die millionenschwere Neuinvestition in eine Druckmaschine „mangels Verfügbarkeit“ und „mangels adäquater Finanzierungsangebote“ nicht realisieren können.

Laut Solvesta-Vorstandsvorsitzendem Dr. Patrik Fahlenbach habe die frühere Stürtz-Geschäftsführerin bei der Übernahme mit falschen Zahlen operiert. Hier seien jetzt juristische Schritte geplant.

Wie Eichelbaum, er kam im Zuge des Insolvenzverfahrens zu Stürtz, betont, hätten alle Beteiligten – „gerade auch die Mitarbeiter“ – großes Engagement gezeigt, um das Unternehmen fortzuführen. Doch kann man sich vorstellen, dass angesichts der vielen Krisen die Skepsis bei Kunden, Lieferanten und Beschäftigten letztlich zu groß gewesen sei, so die Mainpost weiter. Außerdem sei einer von drei Großkunden weggebrochen.

Die Belegschaft wurde am frühen Nachmittag des 13. September 2016 über das Aus zum 1. Oktober informiert. Überraschend kam die Info laut Mainpost offenbar nicht: Viele Kollegen hätten zuletzt „keine Motivation“ mehr gehabt.

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Leserkommentare (2)

Sebastian | Montag, 10. Oktober 2016 11:16:04

Bei uns werden Sie gebraucht

Erschrocken haben wir davon erfahren, dass schon wieder ein Druckerei Betrieb dicht macht.
Ich selbst arbeite in einer Offsetdruckerei in Schierling bei Regensburg und wir suchen händeringend nach Fachkräften wie zum Beispiel Buchbinder, Druckern und Mitarbeitern der Druckvorstufe.

Wenn Sie von dieser Insolvenz betroffen sind und einen Job suchen zu können Sie gerne auch privat mit mir in Kontakt treten ich reiche ihre Bewerbung gerne weiter! Ich würde mich sehr über neue Kollegen freuen denn hier in der Oberpfalz herrscht absoluter Fachkräftemangel!

Meine E-Mail lautet: sebastian@gluehweintassen.de

Lg,
Sebastian

Der_Gruene | Mittwoch, 21. September 2016 09:16:05

Solvesta - das getäuschte Opfer?

Als ehemaliger Mitarbeiter dieser einstmals so stolzen und innovativen Firma Stürtz bin ich entsetzt, dass meine damaligen Kollegen nun ihre Arbeitsplätze verlieren.

Stürtz wurde über Jahre hinweg von seinem ehemaligen Gesellschafter als cash cow betrachtet. Stürtz, das Zugpferd der niederländischen Euradius-Gruppe. Diese entzog der Firma nach und nach das Eigenkapital. Investiert wurde wenig bis nichts.

Soweit, so bekannt.

Dann, nach der zweiten Insolvenz kam der Retter in der Not. Die Solvesta. Nach eigener Beschreibung Sanierungsexperten, die insolvente Unternehmen mit Perspektive aufkaufen und wieder auf die Beine bringen.

Mit der Behauptung von Herrn Dr. Fahlenbach, Solvesta wurde bei dem Übernahmeprozess getäuscht, disqualifiziert er sich selbst. In einem langwierigen Due-Diligence-Prozess wurde das Unternehmen durchleuchtet und am Ende für sanierungsfähig betrachtet. Man feierte sich selbst.

Dies geschah im März. Doch was kam danach?

Die an den Pranger gestellte ehemalige Geschäftsführerin hat unter großem Einsatz das Unternehmen durch die zweite Insolvenz begleitet. Sie genoss das Vertrauen sowohl der Belegschaft als auch auf Kundenseite war sie höchst angesehen.

Sie gestaltete den Neustart mit Herzblut und frischen, innovativen Ideen. "Stürtz is back" hieß es damals. Von ihr ausgegeben und in den Markt transportiert.

Es herrschte Aufbruchstimmung.

Als ihr dann jedoch zwei Personen aus dem Solvesta-Netzwerk zur Seite gestellt wurden, war es schnell dahin mit der Stürtz-Dynamik. Man drängte sie mit Macht aus dem Unternehmen und installierte für viel Geld einen Vertriebsberater, der mithilfe seiner Methoden auch dem letzten Kunden bewies, dass Stürtz nun endgültig zur Lachnummer verkommt.

Logische Folge: die Umsätze blieben am Boden.

Was hat Solvesta eigentlich im Sinn gehabt? Dass ohne großes Zutun alleine durch die Übernahme durch den "namhaften" Investor die Umsätze durch die Decke gehen? Nein! Das konnte kein vernünftiger Mensch erwarten. Das Chaos in der verbliebenen Geschäftsführung, die wochenlange Hängepartie bis es Solvesta endlich geschafft hat, die UG in eine GmbH zu wandeln (kein Großkunde vergibt einen wichtigen Auftrag an eine UG!), das planlose agieren des selbsternannten Vertriebsleiters, das Ausbleiben von dringend benötigten Investitionen. All das führte maßgeblich zu dem jetzigen Ergebnis.

Herr Dr. Fahlenbach braucht nun den eigenen Aktionären gegenüber ein Bauernopfer. Das ist durchschaubar, billig und stillos.

Zugeben, dass man sich mit Stürtz völlig verhoben, das eigene Können überschätzt hat, steht nicht auf der Agenda.

​Dennoch: ​"Cash at risk" ist abgesichert, also alles prima für Solvesta!

Herr Fahlenbach verkündet in den Investor Relations von Solvesta aktuell, dass das sog. "Cash at risk" durch die "dinglichen Sicherheiten" abgedeckt sei. Und man in den kommenden 12 Monaten mit einem positiven Ergebnis dieses Engagements rechnet. Diese "dinglichen Sicherheit" besteht zum größten Teil aus dem Gebäude. Dieses ist nicht Teil der Insolvenzmasse, da in einer Immobilien GmbH ausgelagert.

Ich kann eine Aussage einer der Herren Geschäftsführer aus Forstinning bezeugen. Dieser verlautbarte bereits im April in seiner ihm eigenen "sympathischen" Art, dass Solvesta an Stürtz lediglich wegen des tollen Gebäudes interessiert gewesen sei. Die Druckerei und wir als Mitarbeiter waren hier nur lästiges Übel.

Vor diesem Hintergrund sind sämtliche Schuldzuweisungen an Gewerkschaft, der „Verkäuferin“,​ ​den Betriebsrat,​ den Maschinenherstellern, den Japanern, usw. lediglich profanes Mittel, um davon abzulenken, was u.U. tatsächlich ursächlich für die Schließung gewesen sein könnte.

Aber wer weiß. Vielleicht taucht in wenigen Wochen die Universitätsdruckerei Stürtz GmbH wieder auf. Diesen Traditionsnamen hat sich Solvesta vor Wochen bereits gesichert. Man geht vermutlich davon aus, dass die vielen gekündigten Mitarbeiter dann noch verfügbar und aus Mangel an Alternativen gezwungen sind, auch die schlechtesten Konditionen zu akzeptieren.

Dreckiges Spiel.

Kommerzienrat Heinrich Stürtz würde sich im Grabe umdrehen wenn er wüsste, zu was der Name "Universitätsdruckerei Stürtz" missbraucht werden könnte.​​

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