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Druckerei-Belegschaften wehren sich gegen Vergabe des Euro-Auftrags ins Ausland

„Mehr als 400 Arbeitsplätze in Gefahr

Betriebsräte und Belegschaften der Bundesdruckerei in Berlin sowie von Giesecke & Devrient in München und Leipzig haben bei der Bundesbank gegen die beabsichtigte Vergabe des Banknotendrucks nach Frankreich und in die Niederlande protestiert. Wie die Gewerkschaft Verdi berichtete hätten die betroffenen Belegschaften in offenen Briefen und mit über 2 300 Unterschriften Bundesbankpräsident Professor Dr. Axel Weber aufgefordert, die Vergabe des Geldscheindrucks ins Ausland zu überdenken und zu korrigieren.
Verdi und die Belegschaftsvertreter sehen durch die von der Bundesbank beabsichtigte Ausschreibe- und Vergabepraxis eine Benachteiligung der Druckstandorte in Deutschland, weil andere große europäische Länder ihre Geldbeschaffung nicht ausschreiben, sondern im eigenen Land drucken lassen.
Bei der Bundesdruckerei, die seit mehr als 50 Jahren die in Deutschland benötigten Geldscheine druckt, stünden nach Angaben von Verdi akut bis zu 180 Arbeitsplätze und die Schließung des Banknotendrucks auf dem Spiel. Gleichzeitig sei sowohl bei der Bundesdruckerei als auch bei Giesecke & Devrient millionenteure Forschungs- und Entwicklungsarbeit gefährdet. Dadurch würden insgesamt 400 Arbeitsplätze und durch Verlust von Sicherheits-Knowhow mittelfristig auch die Sicherheit des Euro gefährdet.
Andere Euro-Länder wie beispielsweise Frankreich, Italien oder Spanien vergeben ihre Druckaufträge direkt an Gelddruckereien im eigenen Land.
Um ihrem Protest weiteren Nachdruck zu verleihen, wollen Belegschaftsteile aus allen drei Standorten am kommenden Dienstag, 17. August 2010, vor der Zentrale der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main für den Erhalt des Banknotendrucks in Deutschland demonstrieren.
Den Druck der deutschen Euro-Banknoten teilten sich die Bundesdruckerei in Berlin und die Münchner Druckerei Giesecke & Devrient bisher etwa zu gleichen Teilen. In diesem Jahr soll der Auftrag laut Verdi an die niederländische Druckerei Royal Joh. Enschedé und das französische Haus Oberthur gehen. Giesecke & Devrient soll 20 Prozent des Auftrags erhalten. Die seit 2009 wieder verstaatlichte Bundesdruckerei soll nach bisherigem Stand leer ausgehen. Der Grund seien „wirtschaftliche Kriterien“.
Die zunächst für den 2. August terminierte Vergabe des deutschen Euro-Banknotenkontingents werde gerade vor der Vergabekammer des Bundes beim Bundeskartellamt geprüft. Eine Entscheidung erwartet man für Ende August.

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